Fall Laura-Marie: Tausende werden zur Trauerandacht erwartet – neue Spekulationen

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TRIER. Heute Abend findet vor dem Trierer Dom eine ökumenische Trauerandacht für die am Freitagabend getötete 16-jährige Schülerin aus Trier-Nord statt, zu der bis zu 4000 Teilnehmer erwartet werden. Anschließend gibt es einen Trauerzug vom Dom zu der Stelle, an der die Leiche gefunden wurde. An der Fundstelle können Kerzen aufgestellt und Blumen abgelegt werden.

Freiwillige haben den Fundort aufgeräumt
Die Fundstelle ist inzwischen von Freiwilligen aus Trier-Nord aufgeräumt und gesäubert worden. Rund 150 Menschen des Stadtteils, der als sozialer Brennpunkt nicht gerade den besten Ruf genießt, haben sich spontan zusammen getan, um dem Gedenken einen würdigen Rahmen zu geben. Einige Tonnen an Müll und Unrat haben die Freiwilligen mit Unterstützung der ART zusammengetragen.

Am Freitagabend war nach bisherigem Kenntnisstand Laura-Marie zusammen mit einem 24-jährigen Bekannten von Trier-Nord aus unterwegs zum Trierer Hauptbahnhof. Das Mädchen wollte von dort aus mit dem Bus zu einer Party fahren. Auf dem Weg zum Bahnhof gab es einen Streit zwischen den beiden, in dessen Verlauf der Mann das Mädchen mit mehreren Messerstichen tödlich verletzte. Am darauffolgenden Samstag ging der Mann noch einmal zum Tatort und verbrannte den Leichnam.

Die Familie ist weggezogen

Die schnelle Ermittlungsarbeit der Trierer Polizei führte zur Festnahme des Malers, der noch am selben Tag sowohl die Tötung als auch die Verbrennung des Opfers einräumte. Warum der Nachbar des Mädchens diese Bluttat beging und warum er sein Opfer einen Tag später verbrannte ist noch völlig unklar. Der leitende Oberstaatsanwalt Peter Fritzen sagte, es werde dazu noch weitere Vernehmungen geben. Die Familie des mutmaßlichen Täters hat inzwischen ihre Wohnung verlassen und ist an einen unbekannten Ort gezogen. Massiv hatte man sie beschimpft und bedroht.


Elektronisches Kondolenzbuch wurde abgeschaltet

Drohungen in vielfältiger Form, die sogar zu polizeilichen Ermittlungen führten, gab es auch gegen den wahrscheinlichen Täter. Seit gestern Nachmittag ist zumindest eines von zwei Facebook-Profilen des jungen Mannes geschlossen. Geschlossen wurde gestern auch ein elektronisches Kondolenzbuch für das Mädchen im Internet. Der Betreiber war bisher nicht erreichbar, aber es ist zu vermuten, dass auch dort Schmähungen gegen den mutmaßlichen Täter eingetragen wurden.

Interessant ist das vielfältige Bild, das von dem Bekannten des Opfers gezeichnet wird. Am Dienstag berichtete der Trierische Volksfreund, Nachbarn hätten ihn als einen „feinen Kerl“ bezeichnet, dem auch sie ihre Tochter jederzeit mitgegeben hätten. Eine Frau habe gesagt, sie hätte ihm eine solche Tat echt nicht zugetraut. In der heutigen Ausgabe nun heißt es auf einmal, der Tatverdächtige galt als aggressiv und habe vor vier Jahren schon einmal wegen gefährlicher Körperverletzung vor Gericht gestanden.

Verurteilung vor fünf Jahren?

Demnach soll 2010 der damals Heranwachesende ein neunjähriges Mädchen eine Treppe hinunter gestoßen und dadurch das Kind sowohl körperlich wie auch psyschisch schwer verletzt haben. Allerdings sei der Täter damals mit einer Jugendstrafe zur Bewährung davongekommen. Oberstaatsanwalt Fritzen liegen allerdings, wie er lokalo.de auf Nachfrage mitteilte, zu dieser Verurteilung keine Erkenntnisse vor. Das ist verwunderlich, denn laut den geltenden Gesetzen müsste eine solche Strafe fünf Jahre lang im Bundeszentralregister eingetragen bleiben. Da die Körperverletzung im Mai 2010 gewesen sein soll, müsste die Verurteilung also eigentlich noch in diesem Register vorhanden sein.

Dies soll keine Entschuldigung des mutmaßlichen Täters oder der Tat sein. Einem so jungen Menschen auf diese Art und Weise das Leben zu nehmen, ist mit nichts zu entschuldigen. Aber es stellt sich die Frage, wem ein wildes Spekulieren jetzt nutzt. Es macht Laura-Marie nicht wieder lebendig. Es ist egal, zu welchem Urteil die Richter letztendlich kommen werden, wenn sie den Totschlag verhandelt haben und wie lange der 24-Jährige dann hinter Gitter muss. Die Tatsache, dass er ein Leben ausgelöscht hat, wird er ein Leben lang mit sich tragen müssen. Davon befreit auch keine noch so lange Strafe.

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