Walzerwellen in Echternach: Das Neujahrskonzert der Luxembourg Philharmonia im Trifolion

0
Martin Elmquist, Dirigent der Luxembourg Philharmonia, die Sporanistin Márta Stefanik und der Tenor Tenor Igor Peral (v.l.n.r.). Foto: Luxembourg Philharmonia

ECHTERNACH. Bei den traditionellen Neujahrskonzerten der Wiener Philharmoniker stehen die Werke der Strauss-Dynastie im Mittelpunkt. Im Trifolion Echternach spielte die Luxembourg Philharmonia bei ihrem gestrigen Neujahrskonzert hingegen Werke von Franz Léhar, unvergängliche Melodien und beliebte Operetten-Ohrwürmer vom Gold und Silber-Walzer über „Lippen schweigen“ bis zum „Vilja-Lied“, mit denen das Orchester und die beiden Solisten das Publikum zu begeistern wussten. Und am Ende gab es dann doch noch ein wenig Strauss zu hören.

Von Alexander Scheidweiler

Neujahrskonzerte seien ursprünglich eine Wiener Tradition, mittlerweile hätten sie sich aber an vielen Orten etabliert, auch in Luxemburg, so Martin Elmquist, Dirigent der Luxembourg Philharmonia, am gestrigen Sonntagabend im Atrium des Trifolion Echternach, unmittelbar nachdem die ersten ozeanischen Walzerwellen aus Franz Léhars Operette „Der Graf von Luxemburg“ verklungen waren, die das Publikum sanft in das diesjährige Neujahrskonzert des Symphonieorchesters unter dem Motto „Everything Léhar“ hineingeschaukelt hatten. In Wien stünden ja stets die Werke der Strauss-Dynastie im Mittelpunkt, so Elmquist weiter, die „Schöne blaue Donau“ des Walzerkönigs Johann Strauss (Sohn) dürfe nie fehlen – übrigens auch nicht der Radetzkymarsch des Vaters, so möchte man hinzufügen, der traditionelle Schlusspunkt im Wiener Musikverein, bei dem das Publikum stets eifrig mitklatscht.

Die Luxembourg Philharmonia wolle hingegen einen anderen Wiener Komponisten ins Zentrum ihres Neujahrskonzertes stellen, erklärte Elmquist, eben Léhar, dessen Musik neben dem Wienerischen auch einen starken ungarischen Einschlag habe: „Manchmal spürt man, dass er nicht so richtig wienerisch ist. Er hat mehr ungarisches Temperament.“ Was spätestens dann deutlich wurde, als im zweiten Teil des Konzerts der für die Metternich-Enkelin Pauline komponierte Gold und Silber-Walzer erklang, der – Strauss den Jüngeren in allen Ehren – doch nochmal eine ganz andre melodische Dynamik aufweist die Walzer früherer Epochen. War Johann Strauss (Sohn) der Walzerkönig, so zeigte die Luxembourg Philharmonia mit ihrer routinierten und schwungvollen Darbietung an diesem Abend in Echternach, dass Léhar mindestens der Titel des Vize-Königs zukommt. Elmquist, der zwischen den Stücken charmant moderierend und in leichtem Plauderton erläuternd durch den Abend führte, wies denn auch zurecht darauf hin, dass dieser „sehr berühmte Konzertwalzer“ aus dem Jahre 1905 charakteristisch für die Belle Epoque sei und man hören könne, dass Léhar einer anderen Generation als Strauss angehörte.

Gute Atmosphäre bei Getränken und angeregten Gesprächen in der Pause. Foto: Alexander Scheidweiler

Und der Gesang? Ebenfalls ganz bezaubernd! Als „Freunde des Orchesters“ stellte Emlquist die ungarische Sopranistin Márta Stefanik und den spanischen Tenor Igor Peral vor, die bei diesem Neujahrskonzert einige der unvergänglichen Ohrwürmer aus dem Operettenschaffen Léhars gefühlvoll und anschmiegsam zu Gehör brachten. Als die beiden Solisten einander das „Lippen schweigen“ des großen Schlusswalzers aus der „Lustigen Witwe“ zusangen und im Walzertakt durch das Atrium schwebten, konnte sich wohl kein Zuhörer der Wahrheit der Verse verschließen: „Bei jedem Walzerschritt / Tanzt auch die Seele mit, / Da hüpft das Herzchen klein, / Es klopft und pocht: Sei mein!“

So richtig konnten Peral und Stefanik ihre Klasse aber mit zwei großen Solo-Nummern zeigen. So brachte Peral die glutvolle Lebensfreunde des „Freunde, das Leben ist lebenswert“ aus Léhars Spätwerk, der Süditalien-Operette „Giuditta“, vollendet zum Ausdruck, mit einer stimmlichen Power, die sich mühelos gegen das Orchester durchzusetzen wußte, während Stefanik sich mit einem samtweichen und nuancierten „Vilja-Lied“ aus der „Lustigen Witwe“ in die Herzen des Publikums sang, zumal dieses hier sogar ein wenig mitmachen durfte. Denn, so erläuterte Elmquist, der Refrain verlange ja eigentlich einen großen Chor, den man aber leider nicht zur Hand habe. Daher müsse eben das Publikum beim Refrain mitsingen: „Und wenn ihr den Text nicht kennt, dann singt einfach auf Tra-la-la“, so der Dirigent. Die Zuschauer hatten an der Mitwirkung sichtlich Spaß, was Elmquist denn auch mit einem augenzwinkernden: „Ich habe selten ein so gutes Publikum gehört“, quittierte.

Schlussapplaus mit Blumen. Foto: Alexander Scheidweiler

Die Léhar’schen Evergreens sorgten wie von selbst für gute Stimmung im Trifolion, was sich auch in der entspannten Atmosphäre der Pause spiegelte, in der die Besucher sich im Foyer des Kulturzentrums bei Wein und Bier angeregt unterhielten. Kurz: Ein rundum gelungener Abend, an dem selbstverständlich auch mitgeklatscht werden durfte, so zur Melodie des Grisetten-Liedes und dem auch das Léhar-Neujahrskonzert in Echternach abschließenden Radatzkymarsch, genau wie beim großen Wiener Vorbild. Ganz ohne Strauss geht es dann halt doch nicht.

Vorheriger Artikel++ Die Zeichen stehen auf Schließung – Galeria Karstadt Kaufhof vor endgültigem Aus in Trier? ++
Nächster ArtikelNeue digitale Infrastruktur – 11 Millionen Investition für die Zukunft der Nordschleife

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Die Redaktion behält sich vor, Lesermeinungen zu kürzen. Es besteht kein Anspruch auf die Veröffentlichung Ihrer zugesandten Meinungen. Klarname ist nicht erforderlich. Eine E-Mail-Adresse muss angegeben werden, wird aber nicht veröffentlicht.