Studentin durch Stromschlag getötet

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Symbolbild

Bildquelle: pixabay

MAINZ. Am 11. Juni, gegen 5.10 Uhr, kletterte eine 21-jährige Studentin aus Frankreich als erste auf einen Kesselwaggon in der Nähe der Mainzer Zwerchallee. Dort wurde die junge Frau sofort von einem Stromschlag getroffen und war auf der Stelle tot. Ihr Begleiter, ebenfalls Student, erlitt einen Schock.

Nach bisherigen Ermittlungen waren die beiden Studenten zuvor auf dem Bretzenheimer Straßenfest, anschließend in einer Diskothek bei Mombach. In den frühen Morgenstunden wollte die Austauschschülerin aus Burgund, die seit Anfang April in Mainz ist, an die frische Luft. Als sie an den Gleisanlagen vorbei kamen, entstand wohl die Idee.

An dem Waggon sind mehrere Warnschilder angebracht, die symbolisch auf Blitzgefahr und Stromschlag hinweisen. Zudem befindet sich dort ein Schild mit dem Symbol Hochklettern verboten.

Morgen wird der Leichnam der Französin obduziert.

12 KOMMENTARE

  1. Strom ist weder sichtbar noch hörbar und riecht auch nicht.
    Bei Dunkelheit, wie hier der Fall, erkennt man weder die Oberleitung noch Warnschilder.
    Nur die Leiter, die hier aber nach wenigen Stufen in den Tod führt, wenn die Oberleitung noch weit entfernt ist.
    Solche Oberleitungsunfälle passierten in Deutschland schon 24 mal in einem Jahr und häufig auf Kesselwagen, die auf unbefahrenen Gleisen abgestellt sind. Ohne Oberleitung gibt es hier keine Gefahr.
    Wir sollten daher den Mund nicht so voll nehmen und die Schuld nur beim Opfer suchen – Leitern laden junge gesunde Menschen zum Klettern ein, solange sie nicht abgeschlossen sind.
    Jeder Bahnfunkmast ist gegen unbefugtes Klettern gesichert, aber kein Fahrleitungsmast, kein Kesselwagen.
    Das verstehe wer will. Sicherheit sieht heute anders aus. Außer bei der Bahn.
    Das kostet jährlich Menschenleben, von der Zahl der durch Oberleitung getöteten Tieren ganz zu schweigen.

    • Genau, wie kann man nur so derart unverantwortlich sein und das Ding ungesichert lassen. Ich kann das absolut nachvollziehen das die jungen Studenten nicht wußten das sie sich in Gefahr begeben, oh da eine Leiter, moment ich muss klettern…..

      • Genau Blah, Leitern sind nicht grundsätzlich lebensgefährlich. Nicht einmal die von abgestellten Güterwagen. Es sei denn, sie stehen unter Fahrdraht. Den konnte man hier in der Dunkelheit nicht sehen. Außerdem kann der Strom bekanntlich bereits überschlagen, wenn man noch einen Meter vom Fahrdraht entfernt ist. Beispiel:
        Fahrdrahthöhe über Schienenoberkante: 5,1 m
        Bahnsteighöhe über Schienenoberkante: 0,76 m
        Eine 1,80 m große Person unterschreitet hier den vorgeschriebenen Sicherheitsabstand zum Fahrdraht (1,5 m) bereits, wenn diese auf einer Kesselwagenleiter um 1,04 m über Bahnsteighöhe aufsteigt.
        Da neue Kesselwagen z.T. keine Leitern mehr haben scheint an dem geschilderten Sicherheitsrisiko wohl etwas dran zu sein. Aber der Bahn fällt nicht ein, tausende Leitern an älteren Wagen zu sichern oder zu entfernen. Obwohl zeitgemäße Sicherheit anders aussieht.

        • Das mag durchaus sein, aber dennoch frage ich mich, warum dieses grundsätzlich existierende Risiko eingegangen wird.
          Sicherheit seitens der Bahn muss natürlich schon sein, aber jeder sollte doch auch mitdenken. Ich laufe auch nicht auf eine Autobahn, nur weil an einer Stelle keine Leitplanke ist, die mich davon abhalten könnte.

          • Der Vergleich Autobahn-Oberleitung zieht nicht. Das ist nach dem bisher Gesagten eigentlich klar.
            1. Die gefährliche Autobahn sehe ich auch bei Dunkelheit, die Oberleitung nicht.
            2. Autos mit Autobahngeschwindigkeit sind gefährlich, stehende Güterwagen nicht.
            3. Die Oberleitung macht die Leiter samt Güterwagen erst lebensgefährlich.

          • Sicherlich gibt es da offensichtliche Unterschiede – aber dennoch sollte (trotz speziell unsichtbarer Gefahr) jeder wissen, dass eine Bahnstrecke oder darauf befindliche Waggons kein Spielplatz sind. Mir ging es daher mehr auf das Bewusstsein, dass manche Aktionen gefährlich sein können, ohne dass zwangsläufig Warnhinweise existieren. Theoretisch hätte die gute Frau auch z.B. durch Nässe abrutschen und ins Kiesbett fallen können – gut hätte ihr auch das nicht getan. An sich frage ich mich, wo das Verständnis für Gefahr war, welches man auch ohne konkreten Anhaltspunkt bedenken müsste.

  2. Natürlich zieht der Vergleich, es geht um das Wissen um Gefahren und dem Verantwortungsvollem Umgang damit.
    Hallo?! Das waren Studenten, also mit Sicherheit keine Dummen Menschen…mhm…okay…Hust…

    Das herumturnen/klettern auf Eisenbahnen, UBahnen, SBahnen, Schienenwegen ist gefährlich Punkt, das sollten selbst Kinder wissen und diesen einfachen Fakt können Sie nicht wegdiskutieren. Das gilt auch für Autobahnen.

  3. Sammelantwort:
    Merlin sieht ein, dass sein Vergleich schief liegt und schreibt, es gebe offensichtliche Gefahrenunterschiede zwischen Autobahn und Oberleitung. Die möchte Blah immer noch wegdiskutieren.
    Was aber bleibt ist der einfache Fakt: Technik, die weniger Unfallrisiken birgt, ist die bessere Wahl.
    Um beim Beispiel von Merlin zu bleiben – wer ins Kiesbett fällt, weil er eine Dummheit begangen hat, lernt vielleicht daraus. Wer aber durch Stromschlag verbrennt kann nichts mehr lernen.
    Und Tiere können weder Warnschilder lesen noch wissen, wo Stromschlag oder andere Gefahren durch Oberleitungen lauern. Laut EBA-Veröffentlichung kommen je Streckenkilometer auf Bahnstrecken weit mehr Vögel um als im Straßenverkehr. Auch das passt wenig zum Nachhaltigkeitsanspruch der Bahn.

    • Da muss man jetzt nochmal zwischen Menschen und Tieren differenzieren. Gerade für die Tiere steht definitiv die Bahn in der Schuld, für eine entsprechende Sicherheit zu sorgen – wenn das überhaupt praktisch möglich ist…

      Ansonsten war das Beispiel mit der Autobahn lediglich ein Punkt um zu verdeutlichen, dass es einfach offensichtliche Gefahrenquellen gibt, die selbst Kindern ohne zusätzliche Warnhinweise als solche bekannt und ersichtlich sein sollten. Demnach ist es immer noch eigene Fahrlässigkeit und nicht zwangsläufig auf das Versagen der Bahn zu schieben. Eine Eigen-Verantwortung bleibt und ich bin immer noch dafür, dass Menschen sich selbst ihres Verhaltens und der alltäglichen Gefahren bewusst sind und bleiben, anstatt alles mit Warnschildern und Sicherheitseinrichtungen zu beschränken. Wir leben hier schließlich nicht in den USA, in denen man für Dummheit (oder Dreistigkeit!?) noch finanziell belohnt wird.

      • Merlin, dem stimme ich zu. Ich wollte nicht wegdiskutieren das es unterschiedliche Gefahrenquellen gibt, den das ist offensichtlich und vermutlich allgemein Bekannt, ich wollte, wie Merlin ausführt darauf hinweisen das beides offensichtliche Gefahrenquellen sind. Eigenverantwortung ist das Stichwort.

  4. Offene Treibriemen gibt es nicht schon lange nicht mehr. Die Oberleitung ist sicherheitstechnisch vergleichbar überholt und nur noch bei Bahnen anzutreffen, obwohl sich Menschen nahe an solchen Leitungen aufhalten. Öffentliche Stromversorgung ohne isolierte Leitungen wäre hierzulande aktuell undenkbar. Nur auf Tiere wird weniger Rücksicht genommen, da ist der elektrische Stuhl auch in Deutschland legal…
    Nein, es ist der Bahn einfach zu teuer, Kesselwagenleitern und Fahrleitungsmasten so zu sichern wie offensichtlich bei Bahnfunkmasten vorgeschrieben. Wer Stromwarnschilder nicht liest ist eben selbst Schuld und die Bahn nicht schadenersatzpflichtig. Selbst da, wo Umzäunungen fehlen, denn die gesetzliche Einfriedungspflicht von Bahnanlagen wurde vor einigen Jahrzehnten abgeschafft. D.h., Bahnanlagen waren früher einmal sicherer und Gefahren durch Oberleitungen bestanden auch nicht…
    In einer neueren Veröffentlichung des Eisenbahnbundesamtes (EBA) wird empfohlen, in Zukunft oberleitungsfreie Antriebsformen zu entwickeln. Wegen klimawandelbedingter Häufung von Oberleitungsausfällen. Vermeidbarer Stromtod wäre ein weiterer Grund.

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