Solar-Mythen im Expertencheck – Braucht man für Photovoltaik wirklich zwingend ein perfektes Süddach?

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TRIER / TRIERWEILER. Rund um das Thema Photovoltaik halten sich bis heute viele Halbwahrheiten, die auf den ersten Blick plausibel klingen, bei genauerem Hinsehen aber oft zu kurz greifen. Genau dort setzt die Reihe Solar-Mythen im Expertencheck an. Nach dem Auftakt zum Thema Kosten und dem zweiten Teil zur Frage, ob sich Photovoltaik in Trier und der Region überhaupt lohnt, geht es diesmal um einen Satz, den viele Eigentümer fast schon automatisch mit Solarstrom verbinden: „Dafür bräuchte ich erst einmal ein perfektes Süddach.“

Der Gedanke ist verständlich. Über viele Jahre wurde Photovoltaik vor allem mit dem idealen Bild eines nach Süden ausgerichteten Dachs verbunden. Und tatsächlich gilt: Eine Südausrichtung mit einer Dachneigung von etwa 30 Grad ist aus technischer Sicht optimal. Doch genau daraus entsteht oft ein Missverständnis. Denn optimal bedeutet noch lange nicht, dass nur solche Dächer wirtschaftlich oder sinnvoll für Photovoltaik genutzt werden können. Die Verbraucherzentrale weist ausdrücklich darauf hin, dass heute auch Anlagen auf Ost- und Westdächern oft sinnvoll sind. Zwar liefern sie einen etwas geringeren Jahresertrag wie eine Südanlage, dafür verteilt sich die Stromerzeugung stärker über den Tag von morgens bis abends, sodass oft mehr Strom direkt im Haus selbst genutzt werden kann.

Für Christian Schmidt von Schmidt Solar aus Trierweiler ist genau das einer der häufigsten Denkfehler in der Beratung. „Viele Eigentümer schließen Photovoltaik gedanklich sofort aus, sobald ihr Dach nicht perfekt nach Süden zeigt“, sagt der Inhaber von Schmidt Solar. „In der Praxis sehen wir aber, dass auch Ost-, West- oder kombinierte Dachflächen sehr gut nutzbar sein können – wenn die Anlage sauber geplant wird.“

Genau an diesem Punkt lohnt sich auch ein Blick darauf, woher der Süddach-Mythos eigentlich stammt. Er kommt aus einer Zeit, in der Photovoltaikanlagen noch deutlich teurer waren als heute und der wirtschaftliche Fokus vor allem auf der möglichst vollständigen Netzeinspeisung gegen eine hohe Einspeisevergütung lag. Nur mit einer perfekt ausgerichteten Südanlage konnte man die Anschaffungskosten wieder reinholen.

Anschaulich gesagt: Früher zählte vor allem, möglichst viele Kilowattstunden ins Netz zu schicken, egal zu welcher Tageszeit.

Heute ist die wirtschaftliche Logik oft eine andere. Die Einspeisevergütung ist gering, die Stromkosten vom Stromanbieter hoch. Die entscheidenden Begriffe sind daher vielmehr Eigenverbrauch und Energiemanagement. Es geht also nicht mehr nur darum, die maximal mögliche Jahresproduktion herauszuholen, sondern darum, dass die erzeugte Strommenge möglichst gut zum Verbrauchsprofil des Gebäudes passt. Genau deshalb können Ost- und Westdächer heute im Alltag sogar Vorteile haben: Sie liefern viel Strom von morgens und abends – also genau dann, wenn im Haushalt oft besonders viel Strom gebraucht wird.

Für Schmidt Solar ist deshalb nicht die Frage entscheidend, ob ein Dach „perfekt“ ist, sondern ob es technisch und wirtschaftlich sinnvoll genutzt werden kann. „Ein perfektes Süddach ist natürlich schön“, sagt Christian Schmidt. „Aber es ist längst keine Voraussetzung mehr dafür, dass Photovoltaik für ein Haus eine gute Lösung sein kann. Entscheidend ist, dass man ehrlich prüft, was das Dach hergibt – und daraus dann ein passendes System entwickelt.“

Fazit vom Experten: Der Mythos „Für Photovoltaik braucht man zwingend ein perfektes Süddach“ hält einer genaueren Prüfung nicht stand. Zwar liefert eine Südausrichtung den höchsten Jahresertrag, doch auch Ost- und Westdächer können heute sehr sinnvoll sein – vor allem dann, wenn der erzeugte Strom gut zum Verbrauch im Alltag passt. Entscheidend ist deshalb nicht das theoretische Idealbild, sondern die richtige Planung. „Wir schauen uns jedes Projekt so an, wie es wirklich ist – nicht so, wie ein Lehrbuchdach aussehen müsste“, sagt Christian Schmidt. „Genau daraus entsteht am Ende oft eine Lösung, die besser ist als viele zunächst denken.“

Wer wissen möchte, ob sich Photovoltaik auf dem eigenen Dach in Trier und Umgebung sinnvoll umsetzen lässt, kann sich bei Schmidt Solar unverbindlich beraten lassen. Entscheidend ist auch hier keine Standardlösung, sondern ein System, das technisch, wirtschaftlich und langfristig zum jeweiligen Projekt passt.

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