Spendenfliesen für die Bürgerkirche: Malu Dreyer besuchte St. Gangolf Trier

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Malu Dreyer mit der ersten von 500 Spenden-Bodenfliesen. Foto: Alexander Scheidweiler

TRIER. Bei strahlendem Sonnenschein begrüßten Pfarrer Dr. Markus Nicolay und Bernhard Kaster vom Kuratorium St. Gangolf Ministerpräsidentin Malu Dreyer und ihren Mann Klaus Jensen, die sich bei bestem Wetter selbst ein Bild vom Stand der Renovierungsarbeiten an Triers neben dem Dom bedeutendstem Sakralbau machten. Zugleich wurde Dreyer feierlich die erste von 500 Spendenfliesen überreicht, mit deren Kauf Interessierte die Renovierung unterstützen können.

Von Alexander Scheidweiler

„Typisches Ministerpräsidentinnen-Wetter“ sei es, so Bernhard Kaster vom ehrenamtlichen Kuratorium der Markt- und Bürgerkirche St. Gangolf bei strahlendem Sonnenschein vor dem von außen noch immer eingerüsteten Juwel der Spätgotik, bei dem man den hohen Besuch, über den man sich sehr freue, begrüßen dürfe – „auch wenn man es früher wohl anders genannt hat“. Also Kaiserwetter, nicht Ministerpräsidentinnen-Wetter. Und Ministerpräsidentin Malu Dreyer, die gemeinsam mit ihrem Mann, dem ehemaligen Oberbürgermeister Klaus Jensen, erschienen war, um sich ein Bild von den voranschreitenden Renovierungsarbeiten an St. Gangolf zu machen, goutierte schmunzelnd Kasters Scherz.

Der imposante Innenraum von St. Gangolf. Foto: Alexander Scheidweiler

Tatsächlich schreitet die umfassende Renovierung des neben dem Dom bedeutendsten Sakralbauwerks Triers, allen der Pandemie geschuldeten Widrigkeiten und Verzögerungen zum Trotz, stetig voran (Lokalo berichtete). Auch die Anwesenheit Jensens unterstreiche noch einmal, dass bei der Bezeichnung Markt- und Bürgerkirche „die Betonung auf ‚Bürgerkirche‘“ liege, sagte Kaster. Stets habe der „Spannungsbogen zum Dom“ die Geschichte St. Gangolfs als echter Stadtkirche, deren Ursprünge im 10. Jahrhundert mit der Errichtung des Marktkreuzes verbunden sind, geprägt. Im Unterschied zum Dom ist St. Gangolf Marktkirche und Kirche der Handwerker, deren Patrone auch auf den Handwerkerfenstern des Künstlers Charles Crodel dargestellt sind. „Der Dom ist für Hochämter an den Feiertagen, St. Gangolf für die Grundversorgung“, paraphrasierte Kaster den ebenfalls anwesenden Domvikar Dr. Hans Günther Ullrich.

St. Gangolf sei „eine der schönsten Kirchen“, so Malu Dreyer, die sich sichtlich über den Fortschritt der Renovierungsarbeiten freute, zumal sie, wie sie betonte, um die Schwierigkeiten der Corona-Zeit wisse: „Die Pandemie hat’s allen Kirchengemeinden schwergemacht.“ Umso beeindruckender sei es, wie konsequent das Kuratorium das Renovierungsprojekt vorangetrieben habe. Mit Blick auf die breite Verankerung des Kuratoriums in der Trierer Bürgerschaft fügte die Ministerpräsidentin hinzu: „Wenn ich mir das Kuratorium anschaue, dann ist St. Gangolf wirklich eine Bürgerkirche.“

Malu Dreyer und Klaus Jensen besichtigen den Innenraum. Foto: Alexander Scheidweiler

Die letzten zwei Jahre seien ganz allgemein nicht einfach gewesen, erklärte Dreyer weiter – die Pandemie, die schreckliche Trierer Amok-Fahrt und jetzt auch noch der Ukraine-Krieg, der einen dunklen Schatten über ganz Europa wirft: „Es ist auch für mich ganz schwer auszuhalten, dass in Europa wieder Krieg ist.“ Doch trotz dieser schwierigen Zeiten „ist die Gemeinschaft hier in Trier unverbrüchlich.“ Viele seien sogar enger zusammengerückt, meinte Dreyer. Eine Stadtkirche wie St. Gangolf erfülle denn auch beim Zusammenhalt eine wichtige Funktion: Sie sei „ein Ort, wo man Ruhe findet im Trubel der Stadt.“ Dreyer betonte, dass die von ihr geführte Landesregierung ein sehr gutes Verhältnis zu den Kirchen habe und dieses auch pflege. Viele Menschen suchten nach Orientierung und Spiritualität, deshalb blieben die Kirchen für die Gesellschaft wichtig.

Die Spendenfliese mit Turmmotiv. Foto: Alexander Scheidweiler

Doch freilich war die Ministerpräsidentin nicht nur erschienen, um den Baufortschritt in Augenschein zu nehmen. St. Gangolf wird u.a. einen neuen, historisch authentischen Fußboden aus handgeformten Terracotta-Fliesen erhalten, von einer in Berlin ansässigen Firma in Spanien gefertigt. 500 dieser Fliesen stehen als Spendenfließen zum Preis von 35,- Euro zum Verkauf, zugunsten der Renovierung von St. Gangolf, erhältlich u.a. bei der Dom-Information in der Liebfrauenstraße und im Rahmen des Ostermarktes der City-Initiative, der vom 31.3. bis 3.4. stattfinden wird. Die Spendenfließen unterscheiden sich von den in der Kirche verlegten durch ein graphisches Symbol, das den markanten Turm von St. Gangolf darstellt, entworfen von der Trierer Agentur Markenmut und von dem Bitburger Steinmetz Hans-Peter Muhlbach handwerklich auf die Fliese gebracht. Und die allererste Spendenfließe überreichte der Steinmetz feierlich der Ministerpräsidentin.

Bernhard Kaster referiert zum Stand der Arbeiten. Foto: Alexander Scheidweiler

Dr. Markus Nicolay, Pfarrer der Innenstadtpfarrei Liebfrauen, der die Ministerpräsidentin in seiner Rolle als Hausherr ebenfalls herzlich begrüßt hatte, versprach nicht zuviel, als er für den teilrenovierten Innenraum „einen neuen Raumeindruck“ versprach. Tatsächlich wirkt der Innenraum der Kirche nach Entfernung des Innengerüsts äußerst imposant. Dies liegt natürlich zunächst an der momentan noch nicht vorhanden Innenausstattung, aber auch daran, wie Architekt Peter Berdi erläuterte, dass der Boden um ca. 20 Zentimeter abgesenkt wurde, damit die Basen besser zum Tragen kommen. Die Kirche erhalte eine völlig neue Beleuchtung, Beschallung und neue, handwerklich gefertigte Kirchenbänke, erläuterte Berdi. Gerade die neue Beleuchtung ist wichtig, denn sie wird „das Fresko in Szene setzen“, so Berdi weiter über das gegenwärtig noch verhüllte, monumentale Chorfresko von August Gustav Lasinsky, und Kaster pflichtete bei: „Es wird den Innenraum noch viel mehr prägen.“ Kaster hob hervor, dass es sich bei dem Werk um eine der bedeutendsten Schöpfungen der Künstlergruppe der Nazarener handelt, die sich im 19.Jahrhundert um eine Erneuerung der Kunst aus dem Geiste des Christentums bemühte.

Die Schlusssteine der Gewölberippen erstrahlen wieder in den ursprünglichen Farben. Foto: Alexander Scheidweiler

Bis September sollen die Arbeiten am Innenraum abgeschlossen sein, sagte Berdi. Bis zur Wiederaufnahme des liturgischen Betriebes wird es aber voraussichtlich bis Ostern 2023 dauern. Allein die Renovierung des Freskos wird vier bis sechs Monate in Anspruch nehmen, zudem muss die Orgel bei völliger Ruhe intoniert werden, was ebenfalls etwa einen Monat dauern wird.

Das noch der Restaurierung harrende, monumentale Chorfresko von August Gustav Lasinsky stellt u.a. den Hl. Sebastian, den Patron der Schützen, dar. Foto: Alexander Scheidweiler

Bis zur Wiederaufnahme des liturgischen Betriebs sind verschiedene Veranstaltungen geplant, z.B. im Rahmen des Moselmusikfestivals im Juli und des Programms „Trier für Treverer“ der Trier Tourist und Marketing GmbH. Sobald intoniert, soll die Orgel auch verstärkt für Konzerte genutzt werden, so Pfarrer Dr. Nicolay. Die Orgel von St. Gangolf stehe in der Wahrnehmung etwas im Schatten der großen Orgeln der Stadt, so der Pfarrer, allein alle Experten bestätigen, dass die Orgel, gefertigt von der weltweit berühmten Bonner Werkstatt Johannes Klais, sich nicht zu verstecken brauche. „Das wollen wir ab Herbst auch versuchen“, sagte Nicolay mit Blick auf die geplanten Orgel-Konzerte. Abschließend fügte Kaster noch hinzu, dass das Kuratorium zudem „die Kirche als Galerieraum präsentieren“ wolle. Hierzu sei man im Gespräch mit der Europäischen Kunstakademie Trier, der Gesellschaft für Bildende Kunst und der Kulturstiftung Trier.

Wer die Renovierung von St. Gangolf unterstützen möchte, findet auf der Seite der Pfarrei Liebfrauen weitere Informationen: https://www.liebfrauen-trier.de/marktkirche.htm.

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