Einzelhandel meldet weiterhin massive Verluste

Auch wenn die Läden in Rheinland-Pfalz und im Saarland wieder offen sind: Gekauft wird lange noch nicht so viel wie vor Corona. Gefordert wird ein Rettungsfonds zum Überleben - branchenübergreifend.

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Foto: dpa-Archiv

TRIER/MAINZ. Auch nach der schrittweisen Wiederöffnung der Geschäfte in der Corona-Krise leidet der rheinland-pfälzische Einzelhandel weiter massiv unter Umsatzeinbrüchen. «Wir haben immer noch große Verluste zwischen 40 und 70 Prozent im Vergleich zu den Vor-Schließungszeiten», sagte der Geschäftsführer des Handelsverbandes Rheinland-Pfalz, Thomas Scherer, am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. Dies liege daran, dass im Moment «nur reiner Beschaffungs- und Bedarfskauf» stattfinde. «Das gemütliche Bummeln mit dem Kaufen über den Bedarf findet nicht statt.»

Scherer forderte einen Rettungsfonds: «Wir brauchen Unterstützung. Die Sofortkredite, die wir als Landesprogramm haben, reichen nicht aus.» Ein Fonds müsse branchenübergreifend – also für Einzelhandel, Gastronomie und andere betroffene Dienstleister – aufgelegt werden, sagte er. «Wir haben in den Innenstädten immer ein Wechselspiel. Das können wir nur lebendig halten, wenn das Angebot stimmt.»

Die bisherigen Verluste für den Einzelhandel in der Corona-Krise schätzte Scherer auf einen höheren dreistelligen Millionenbetrag. Normalerweise liege der Umsatz im rheinland-pfälzischen Einzelhandel bei rund 29 Milliarden Euro im Jahr.

In den Grenzregionen zu Luxemburg oder zu Frankreich komme wegen der derzeit noch geltenden Grenzkontrollen noch hinzu, dass der Einkaufstourismus wegfalle. «Das schlägt sich stark auf den Umsatz nieder», sagte Scherer.

Laut Handelsverband Region Trier wird der Anteil der Ausgaben von Luxemburger Kunden am Gesamtumsatz in Trier auf 15 bis 20 Prozent geschätzt. «Uns fehlen aber auch die vielen Touristen», sagte Geschäftsführer Alfred Thielen. «Das ist absolut spürbar derzeit. Wir generieren auch manchmal mehr als die Hälfte an Umsatz nicht mehr.»

Nach wochenlanger Zwangspause hatten am 20. April erste Geschäfte auf einer Fläche von bis zu 800 Quadratmeter geöffnet. Seit dem 4. Mai durften alle Läden unabhängig von Größe und Sortiment unter strengen Auflagen wie Maskenpflicht nachziehen. Die Gastronomie öffnet am (morgigen) Mittwoch in Rheinland-Pfalz unter Auflagen.

Im Saarland machen sich auch noch fehlende Kunden aus Frankreich und aus Luxemburg bemerkbar, wie der Hauptgeschäftsführer des Einzelhandelsverbandes Saarland, Fabian Schulz, in Saarbrücken sagte. An Wochenenden gingen normalerweise zwischen 30 und 50 Prozent der Umsätze auf das Konto von Franzosen und Luxemburgern.

Auch saarlandweit seien im Einzelhandel nach wie vor Verluste im Vergleich zu Vor-Corona-Zeiten zu verzeichnen. Anfangs hätten drei Viertel des Umsatzes gefehlt, nach der Öffnung aller Läden lägen die Einbußen bei 30 bis 50 Prozent, sagte Schulz. Bisher komme bei Kunden wohl «keine so richtige Kauflaune» auf, auch weil die Gastronomie noch nicht offen sei. Im Saarland ist die Öffnung der Gastronomie am 18. Mai geplant – auch unter strengen Auflagen.

Schulz forderte Unterstützung für Unternehmen – bei der Beantragung von Krediten oder über einen Hilfsfonds. Zudem machte er sich dafür stark, dass den Betrieben im diesjährigen Weihnachtsgeschäft mehr Raum gegeben werde, um Geld zu verdienen: Dies könnte über längere Öffnungszeiten oder grünes Licht für verkaufsoffene Adventssonntage geschehen, sagte er. «Wir müssen es dann schaffen, verlorenes Terrain wieder aufzufangen.»

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