Abschied nach über 20 Jahren – Pfarrer Guido Hepke verlässt Trier

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Diese Kirche ist kein Denkmal, sondern das Denkmal ist eine Kirche. Guido Hepke an der Konstantin-Basilika.

Trier. Der 1. November 1994 war sein erster, der 31. März 2015 wird sein letzter Arbeitstag in der Evangelischen Kirchengemeinde Trier sein: Nach rund zwanzig Jahren wechselt Pfarrer Guido Hepke die Gemeinde. Von Trier an der Mosel geht es gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin, die ebenfalls Pfarrerin ist, nach Weilburg an der Lahn. Ab dem 1. April wird unter anderem die alte, barocke Schlosskirche Weilburgs für beide die neue Wirkungsstätte sein.

Unter anderem – denn zur Gemeinde gehören auch 4 kleinere Kirchen im Umfeld der Stadt, insgesamt zählt Weilburg rund 4.500 Gemeindeglieder. Ein weites Aufgaben- und Wirkungsfeld – da gilt es zunächst, genau hinzuschauen und vor allem hinzuhören: „Wir werden erst einmal durch die Dörfer tingeln um zu horchen und zu fragen: Was ist bei Euch dran? Was ist nötig, um Menschen zueinander zu bringen? Und dann erst werden wir verabreden, wie wir die nächsten Jahre arbeiten wollen.“ Eines wird ihn jedoch auch im hessischen Weilburg begleiten: „Kulturarbeit wird mit Sicherheit ein wichtiges Thema in der Gemeinde sein“, freut sich Hepke. Und da eben die Schlosskirche zu Weilburg, 1707-1713 erbaut und Grablege der Luxemburger Großherzöge, sofern sie evangelisch waren, seine neue Heimat wird, bleibt ihm nach der Basilika auch dort der direkte Kontakt mit kirchenhistorisch bedeutsamen Gemäuer erhalten: „Es wird spannend sein, dort in die kirchenhistorische Ebene einzutauchen!“

Auf dieser Kanzel in der Schlosskirche Weilburg wird Hepke in Zukunft stehen.
Auf dieser Kanzel in der Schlosskirche Weilburg wird Pfarrer Guido Hepke in Zukunft stehen.

Township – Niederrhein – Trier

Hepke, Jahrgang 1965, absolvierte von 1990 bis 1992 sein Vikariat in Siegburg-Kaldauen. Im Anschluss daran nahm er im Rahmen eines Sondervikariates an einem so genannten Personal Exchange Programm der rheinischen Landeskirche teil und verbrachte ein Jahr als ökumenischer Gastarbeiter in Tsumeb in Namibia. Eine besonders prägende Zeit: Als „Weißer“ arbeitete er in einer „schwarzen“ Gemeinde im Township – kurz nach dem Ende der Apartheid. „Ich habe dort viel gelernt – über Alltagsrassismus, denn ich dort kennengelernt habe und dem ich versucht habe entgegenzuwirken“, beschreibt Hepke seine damaligen Erfahrungen. Von 1993 bis 1994 war er anschließend Pastor im Hilfsdienst in Waldniel am Niederrhein, bevor er 1994 zur Entlastung des damaligen Superintendenten Hahn seinen Dienst in der Trierer Gemeinde antrat.


Seit damals ist viel geschehen, aus Hepkes Sicht insbesondere eines: „Aus zwei Gemeinden ist eine Gemeinde geworden“, beschreibt er den Wandel von unterschiedlichen Bezirken und mehreren Gemeindezentren hin zu einer Gemeinde rund um die Basilika. „Heute wird die Verschiedenheit der Pfarrpersonen als Bereicherung empfunden und die Basilika als Leuchtturm. Das war ein langer Prozess, das hat sich in zwanzig Jahren geändert.“ Ein Prozess, den Hepke unterstützt und begleitet hat, nicht zuletzt mit der Erarbeitung der Gemeindekonzeption, die verschiedene Standorte beschreibt, aber stets als eine Gemeinde denkt. Dass Gemeinde aber immer im Wandel ist und bleibt, steht für Hepke außer Frage: „Die Gemeinde ist nun an einem Punkt, an dem sie sich fragen muss, ob sie sich stärker auf sich konzentriert, oder darauf, mit dem UNESCO-Welterbe der Konstantin-Basilika verstärkt Kulturkirchenarbeit zu betreiben.“

Weitere Schwerpunkte seiner Trierer Zeit sind die von ihm initiierte Partnerschaftsarbeit mit Namibia, die bis vor rund zehn Jahren ein wichtiger Bestandteil der gemeindlichen Arbeit war, sowie die Öffentlichkeitsarbeit – ob Gemeindebrief oder Pressekonferenz, Hepke weiß um die Bedeutung auch dieser Arbeit für eine jede Gemeinde: „Öffentlichkeitsarbeit ist eine Grundwesensaufgabe von Kirche. Kirche ist öffentlich, oder sie ist nicht Kirche.“ Und auch hier war es ihm immer wichtig, „Menschen in einer bunter Mischung unterschiedlicher Charaktere zusammen zu bringen“. Lachend erinnert er sich daran, wie er zu Beginn seiner Zeit den Gemeindebrief noch mit Schere und Kleber erstellt hat – heute wird dieser nicht nur digital, sondern von einem ehrenamtlichen, professionell arbeitenden Redaktionskreis erstellt und verantwortet.

Schwerpunkt Kulturkirchenarbeit

Und dann ist da eben noch die Kulturkirchenarbeit, die bereits 1996 in der Basilika mit einer ersten Ausstellung mit dem Titel „Alles Banane“ ihren Anfang nahm. Ausstellungen sind mittlerweile aus der Basilika nicht mehr wegzudenken. Ein Highlight ist sicherlich die Anne-Frank-Ausstellung 2008: Zwei Dutzend Kooperationspartner, beinahe 40 Veranstaltungen mit rund 10.000 Teilnehmern, darunter unter anderem eine Autorenlesung mit Mirjam Pressler in der Basilika, sowie Schüler, die andere Schüler durch die Ausstellung führen – ein Erfolg mit vielen Facetten. Und ein Erfolg, der unterstreicht, wie Hepke die Kulturkirchenarbeit versteht: „Kulturkirchenarbeit, dahinter steht für mich das Bestreben, Menschen in Kontakt mit Kirche, mit religiösen Fragestellungen und evangelischen Antworten, zu bringen.“ Dabei offen einladende Gemeinde zu sein und Antwortmöglichkeiten aufzuzeigen, aber nicht dogmatisch-eng Menschen zu vereinnahmen, das sei, so Hepke, entscheidend.

Das Denkmal ist eine Kirche

Über das Gebäude, über die Basilika, mit Menschen in Kontakt zu kommen: Bei all den damit verbundenen Möglichkeiten sei es ihm aber immer auch wichtig gewesen, deutlich zu machen, dass „nicht diese Kirche ein Denkmal, sondern dieses Denkmal eine Kirche ist“, erläutert Hepke. Das Projekt der neuen Hauptorgel in der Basilika habe dieses Anliegen unterstützt: „Dass die neue Hauptorgel, deutliches Zeichen der Evangelischen Kirche zum Erlöser, die gesamte Raumwirkung der Basilika nicht beeinträchtigt, ist eine echte Leistung.“

Pfarrer Guido Hepke und die neue Orgel in der Konstantin-Basilika.
Pfarrer Guido Hepke und die neue Orgel in der Konstantin-Basilika.

Für Hepke ist es nun ein Abschied mit einem lachenden und einem weinenden Auge: „Ich freue mich auf die Möglichkeiten, privat wie beruflich, die Weilburg bietet.“ Es sei jedoch kein Geheimnis, „dass ich an der Trierer Gemeinde hänge“, betont Hepke. Und so werden die Trierer und auch Trier selbst ihm durchaus fehlen: „Ich werde ganz viele liebe Menschen in dieser Stadt vermissen, bei denen ich viel Neugier und Kreativität kennengelernt habe. Und natürlich auch die Konstantin-Basilika!“

Die Evangelische Kirchengemeinde Trier lädt herzlich ein zur feierlichen Verabschiedung von Pfarrer Guido Hepke am Sonntag, 29. März 2015, um 11 Uhr im Gottesdienst in der Konstantin-Basilika mit anschließender Feierstunde im Rokokosaal des Kurfürstlichen Palais.

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