Windkraft in Trier: Landesbehörde genehmigt Flächen – der Streit um Windräder geht trotzdem weiter

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Foto: Harald Tittel/dpa

TRIER. Die Stadt Trier hat beim Thema Windenergie einen wichtigen Schritt geschafft: Die Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord hat die Teilfortschreibung des Flächennutzungsplans zur Windenergie genehmigt. Mit der Bekanntmachung im Amtsblatt am 24. März 2026 ist die Planung rechtswirksam. Damit sind im Trierer Stadtgebiet sechs Sonderbauflächen für die Windenergienutzung festgelegt. Doch trotz dieses Etappensiegs ist klar: Der politische und öffentliche Streit über Windkraft auf Trierer Höhen ist noch lange nicht beendet.

Sechs Flächen für Windenergie in Trier festgelegt

Insgesamt umfasst die genehmigte Planung sechs Sonderbauflächen mit zusammen 109,3 Hektar. Das entspricht rund 0,9 Prozent der Stadtfläche.

Konkret geht es um folgende Standorte:

  • Herresthal-SW mit 10,5 Hektar

  • Stahlem mit 12,8 Hektar

  • Wetterborn mit 54,1 Hektar

  • Schellberg mit 15,6 Hektar

  • Steigenberg mit 6,4 Hektar

  • Balmet mit 9,9 Hektar

Für zwei dieser Flächen – Stahlem und Wetterborn – laufen nach Angaben der Stadt bereits Genehmigungsverfahren bei der SGD Nord.

Genehmigung heißt noch nicht automatisch Bau von Windrädern

Wichtig ist dabei: Mit dem rechtswirksamen Flächennutzungsplan ist noch nicht automatisch der Bau von Windrädern erlaubt.

Für jede einzelne Anlage ist zusätzlich ein immissionsschutzrechtliches Genehmigungsverfahren nötig. In diesem Verfahren werden unter anderem Lärm, Schattenwurf, Natur- und Artenschutz, Bauordnungsrecht und öffentliche Belange geprüft. Zuständig dafür ist ebenfalls die SGD Nord.

Damit steht zwar nun der planerische Rahmen – die eigentliche Auseinandersetzung um konkrete Anlagen dürfte aber erst noch beginnen.

Stadt Trier sieht wichtigen Erfolg beim Thema Energiewende

Aus Sicht der Stadt ist die Genehmigung ein politischer Erfolg. Das Verfahren war bereits 2022 angestoßen worden. Der Feststellungsbeschluss durch den Stadtrat fiel am 9. Dezember 2025, die Genehmigung der SGD Nord datiert vom 24. Februar 2026.

Die Linie der Verwaltung ist klar: Trier will einen Beitrag zu den gesetzlichen Flächenzielen für Windenergie leisten und gleichzeitig einen ungeordneten Ausbau verhindern, indem geeignete Standorte planerisch gebündelt werden.

Baudezernent Thilo Becker hatte nach dem Ratsbeschluss betont, die Stadt übernehme ihre Verantwortung als Oberzentrum und schaffe einen Rahmen, in dem konkrete Bauanträge geordnet geprüft werden können.

Windkraft in Trier bleibt hochumstritten

Trotz der Genehmigung war das Verfahren von Anfang an von massiver Kritik begleitet. In der zusammenfassenden Erklärung der Stadt heißt es, dass in der Offenlage zehn Stellungnahmen Bedenken gegen die Ausweisung von Windenergiegebieten vorgetragen haben. Nur zwei Privatpersonen äußerten sich grundsätzlich positiv.

Die Bedenken richteten sich vor allem gegen die Flächen Balmet, Steigenberg, Herresthal-SW, Stahlem und Wetterborn.

Schon in der frühen Beteiligungsphase hatten Naturschutzverbände den Ausbau der Windenergie im Trierer Stadtgebiet wegen möglicher Auswirkungen auf Natur- und Artenschutz sowie auf das Landschaftsbild sehr kritisch gesehen. Hinzu kam die Sorge, dass der Ortsteil Herresthal durch Windenergieflächen übermäßig belastet werden könnte.

In Trier geht es nicht nur um Strom, sondern auch um Landschaft und Stadtbild

Der Streit um Windkraft in Trier ist auch deshalb besonders sensibel, weil hier viele Interessen aufeinandertreffen. Es geht nicht nur um Klimaschutz und Energieversorgung, sondern auch um Wald, Sichtachsen, Denkmalschutz, Naherholung, Vogelzug und die Frage, wie viel technische Infrastruktur eine historisch geprägte Kulturlandschaft verträgt.

Auch die General-direktion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz hatte sich mit Blick auf die visuelle Integrität der Welterbestätten in das Verfahren eingebracht. In Trier ist das ein besonders heikler Punkt, weil Stadtbild, Geschichte und Tourismus eng mit dem UNESCO-Erbe verbunden sind.

Daneben brachten weitere Behörden Hinweise und Einwände ein, etwa zu Luftverkehr, Richtfunk oder militärischen Belangen. In den Unterlagen tauchen unter anderem der Bauschutzbereich Trier-Föhren sowie der Zuständigkeitsbereich des Militärflugplatzes Spangdahlem auf.

Bürgerentscheid scheiterte im Stadtrat

Politisch besonders aufgeladen wurde das Thema Ende 2025 durch den Versuch, per Bürgerentscheid über die Verpachtung städtischer Flächen für Windenergie abstimmen zu lassen. Dieser Vorstoß wurde jedoch im Stadtrat mit klarer Mehrheit abgelehnt.

Auch das zeigt: Die Windkraftplanung in Trier war von Beginn an weit mehr als nur ein Verwaltungsverfahren. Sie wurde früh zu einem Symbolthema für das Verhältnis von Klimapolitik, Bürgerbeteiligung und kommunaler Steuerung.

Stadt spricht von geordnetem Verfahren – Kritiker sehen offene Konflikte

Die Stadt verweist darauf, dass der Flächennutzungsplan keine konkreten Standorte einzelner Anlagen festlegt, sondern nur Suchräume definiert. Die genauen Auswirkungen würden erst in den späteren Genehmigungsverfahren geprüft.

Dort gehe es dann um Lärm, Infraschall, Schattenwurf, Artenschutz, Wasserhaushalt, Landschaftsbild und Bürgerinteressen. Die Stadt nennt zudem Schutzabstände von 900 Metern zu Siedlungsgebieten und verweist auf die Anforderungen der TA Lärm.

Kritiker sehen gerade darin allerdings einen zentralen Konfliktpunkt. Aus ihrer Sicht werde die eigentliche Härte der Debatte in spätere Verfahren verschoben. Erst würden Flächen planerisch geöffnet, später folge dann der Streit über konkrete Auswirkungen.

Viel Streit um vergleichsweise wenig Fläche

Flächenmäßig ist der Eingriff überschaubar: 109,3 Hektar beziehungsweise 0,9 Prozent des Stadtgebiets. Politisch und gesellschaftlich hat das Thema aber enorme Sprengkraft.

Genau darin liegt die eigentliche Brisanz der Trierer Debatte: Windkraft ist hier längst kein neutrales Infrastrukturprojekt mehr, sondern eine Grundsatzfrage über Stadtbild, Lebensqualität und die Zumutungen der Energiewende.

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3 Kommentare

  1. Es sind der Egoismus und die Gier nach Geld und Macht, welche den gesunden Menschenverstand immer mehr verdrängen. Unter dem Deckmantel der Nachhaltigkeit werden Wälder, die so wichtig für die CO2 Bindung sind, abgeholt und durch Zufahrten zerstört, Lebensräume für Tiere werden vernichtet, Mensch und Tier mit Infraschall belastet, im Gegenzug wird massenhaft Buchenholz nach China exportiert, am Hamburger Hafen noch schnell ohne Rücksicht auf Verluste mit schwer klimaschädlichen Pestiziden begast, um als Billigware wieder importiert zu werden. Ich kann nur jedem raten, die Zeichen wahrzunehmen um zu handeln.

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