Triage-Neuregelung: Grüne befürchten Diskriminierung – Auswahl per Los gefordert

0
Foto: dpa

BERLIN. Für den Fall, dass die Pandemie im Herbst wieder schlimmer wird und die Intensivbetten erneut knapp werden, will die Bundesregierung sicherstellen, dass es bei einer möglichen Triage nicht zu Benachteiligungen von Hochbetagten und Behinderten kommt. Unter Triage versteht man die Priorisierung medizinischer Hilfeleistung wegen knapper Ressourcen. Es neuer Gesetzentwurf soll dies regeln, wie der Nachrichtensender ntv berichtet.

Der neue, von Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) vorbereitete Entwurf sieht vor, die Überlebenswahrscheinlichkeit als wichtigstes Kriterium zugrunde zu legen. Weitere Erkrankungen dürfen zur Einschätzung der Überlebenswahrscheinlichkeit berücksichtigt werden, nicht aber Faktoren wie Alter oder Behinderung.

Der Gesetzentwurf ist vom Bundeskabinett bereits verabschiedet, doch in der Bundestagsfraktion der Grünen regt sich Widerstand: Die für Behindertenpolitik zuständige Bundestagsabgeordnete Corinna Rüffer kritisierte laut ntv gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND), dass auch nach dem neuen Entwurf Diskriminierung weiterhin möglich sei. Die Medizin sei keine exakte Wissenschaft, daher werde es nicht möglich sein, objektive Kriterien für die Überlebenswahrscheinlichkeit zu finden. Einziger Ausweg sei daher die Anwendung von Zufallsprinzipien. Sie schlug daher das Losverfahren vor: „Im Fall knapper Ressourcen sollte das Losverfahren oder die Reihenfolge der Einlieferung in der Klinik darüber entscheiden, wer zuerst intensivmedizinisch behandelt wird“, zitiert ntv Rüffer.

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Die Redaktion behält sich vor, Lesermeinungen zu kürzen. Es besteht kein Anspruch auf die Veröffentlichung Ihrer zugesandten Meinungen. Klarname ist nicht erforderlich. Eine E-Mail-Adresse muss angegeben werden, wird aber nicht veröffentlicht.