Kirchen zu Weihnachten: Corona und Leid der Flüchtlinge im Mittelpunkt

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Foto: Jan Woitas/dpa/Symbolbild

MAINZ/LIMBURG/DARMSTADT. Die Sorgen in der Pandemie überschatten auch das «Fest der Liebe». In ihren Weihnachtspredigten sprachen die Vertreter der Kirchen über damit verbundene Nöte, auch das Leid der Flüchtlinge war Thema.

Vertreter der Kirchen haben zu Weihnachten das immer neue Leid in der Corona-Pandemie und das Schicksal von Flüchtlingen in den Mittelpunkt gerückt. Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf sieht angesichts der Pandemie noch kein Ende der gesellschaftlichen Debatten. «Wir feiern Weihnachten in einer Zeit vieler verwundeter Seelen», sagte Kohlgraf nach einem vorab verbreiteten Text seiner Weihnachtspredigt am Samstag im Mainzer Dom. Die einen seien selbst an dem Virus erkrankt, hätten Sorge um ihre berufliche und existenzielle Zukunft oder einen Menschen durch den Tod verloren. Andere fühlten sich verletzt durch ihnen nicht einsichtige Corona-Regeln, sie fühlten sich ausgegrenzt und herabgesetzt. Die Folgen seien laut wahrnehmbar.

Der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung ging in seiner Predigt ebenfalls auf die Pandemie und die Sorgen vieler Menschen ein: «Wir sind in einer Zeit, in der sehr vieles auf uns lastet. Die Pandemie macht große Sorgen. Die Nerven sind sehr strapaziert. Manche machen sich viele Sorgen um die eigene Zukunft oder auch um die Zukunft der Kinder und Enkelkinder.» Gerade jetzt brauche es viele Menschen, die nicht nur an sich selbst denken, sagte Jung.

In seiner Weihnachtspredigt betonte Jung die «magnetische Kraft» von Weihnachten. «An Weihnachten geht es im Tiefsten um das Geheimnis des Lebens», hieß es in dem vorab verbreiteten Text der Predigt am ersten Weihnachtsfeiertag. «Es ist ein Fest, an dem es um die tiefsten Fragen des Lebens geht.»

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, sprach in seiner Weihnachtspredigt über Selbstzweifel. Viele Menschen auch in privilegierten Gesellschaften wie Deutschland litten darunter, sagte der Limburger Bischof am Samstag im Limburger Dom. Er frage sich, wie es dann erst denjenigen gehen müsse, denen die Lebensgrundlagen systematisch entzogen würden. «Die flüchten müssen, weil Versteppung und Dürre, Fluten und andere Katastrophen ihren Lebensraum vernichten oder weil sie seit Kindertagen immer nur Krieg und Angst kennen – und dann an den Grenzen Europas auch noch benutzt werden im Kalkül eines autokratischen Machthabers.»

Damit spielte Bätzing auf die Lage der zwischen Belarus und Polen gestrandeten Flüchtlinge an. Weiter fragte Bätzing: «Wie kommen die mit sich selbst klar, denen man nachstellt, nur weil sie beeinträchtigt sind, eine andere Hautfarbe haben, eine andere Geschlechtsidentität, weil sie anders glauben oder einer anderen kulturellen Prägung angehören?» Der Glaube könne helfen, sich selbst zu akzeptieren, sagte Bätzing. Denn nach christlicher Überzeugung dürfe sich jeder Mensch so wie er sei von Gott angenommen fühlen.

Der Fuldaer Bischof Michael Gerber erneuerte in seiner Weihnachtspredigt seinen Impfaufruf. Wer im kalten Nebel ohne angemessene Kleidung unterwegs sei, gefährde die eigene Gesundheit, wer ohne Scheinwerfer fahre, zudem auch andere, betonte er. Präventive Schutzmaßnahmen und insbesondere die Impfung könne man auch als einen Akt der Dankbarkeit gegenüber Gott verstehen. «Schließlich hat er uns den Verstand gegeben, mit dem wir Ursachen erforschen und Gefahren abwenden können», betonte Gerber. «Das Vertrauen auf Gott ersetzt nicht einfach das Vertrauen in die Medizin.»

Die Wirkung der Pandemie scheine allen in den Poren zu stecken, sagte der Bischof nach einer vorab verbreiteten Mitteilung am Freitag bei seiner Christmette im Fuldaer Dom. Zudem sei der unterschiedliche Zugriff auf Ressourcen Ursache gegenwärtiger Konflikte. «Wer hat in unserer Welt welchen Zugang zu welchen Ressourcen? Welche Interessen und Machtspiele sind damit verbunden?», fragte Gerber. (dpa)

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