TRIER. Aufatmen bei Intendant Lajos Wenzel und allen Theater-Leuten: Der Stadtrat hat in seiner heutigen Sitzung mit der überwältigenden Mehrheit von 45 Ja-Stimmen bei vier Gegenstimmen und zwei Enthaltungen der Anmietung des Probenzentrums auf dem Energie- und Technikpark (ETP) der Stadtwerke (SWT) zugestimmt. Damit kann die geplante Generalsanierung des Trierer Kulturhauses am Augustinerhof starten – wenn auch mit erheblicher Verzögerung. Mit der heutigen Entscheidung endet eine mehr als halbjährige Debatte, die sich nach und nach zu einer politischen Schlammschlacht, die schließlich in persönlichen Attacken und der Rücktrittsforderung gegen Oberbürgermeister Wolfram Leibe gipfelte, ausgeweitet hatte. Es war vor allem an der CDU, diesem für Trier unwürdigen Schauspiel ein versöhnliches Ende zu geben.
Viel Lärm um Nichts: Alles kommt so, wie von der Verwaltung von Anfang an beabsichtigt. Mit einer Ausnahme: Die Miete für das Probezentrum, das nun von den SWT fertiggestellt werden kann, sinkt um 8.000 Euro pro Jahr. Kulturdezernent Markus Nöhl hatte dies in der vergangenen Woche mit den Stadtwerken ausgehandelt. Darauf hatte die CDU gepocht und am gestrigen Abend einen entsprechenden Änderungsantrag im Rathaus eingereicht, dem sich kurzfristig auch die Grünen anschlossen. Im Auftrag Leibes nahm Nöhl also jene Brücke, die die Union dem Stadtchef schon in der Expertenrunde am 27. April gebaut hatte. Die Zustimmung der Christdemokraten hatte sich bereits Ende vergangenen Monats zwischen den Zeilen abgezeichnet (wir berichteten).
Matthias Koster, Sprecher der Linke, brachte es auf den Punkt: „Es war falsch, dass der Stadtrat nicht schon vor Jahren zur Anmietung angehört wurde. Es war juristisch falsch, daran besteht kein Zweifel, und es war auch politisch falsch“, sagte Koster. Aber es hätte damals wie heute „keine andere Entscheidung gegeben“. Der Linke kritisierte zudem den Ton, der in der Debatte selbst, aber auch im Rat in den vergangenen Monaten vorgeherrscht habe. Vorwürfe teils absurder Art seien hin- und her geschossen worden, so Koster. „Ein solcher Umgangston, eine solche Umgangsart kann dem Miteinander hier im Rat nur schaden“, sagte der Sprecher der Linken vor allem in Richtung der Grünen.
Grundsätzlich betonten alle Redner die Notwendigkeit des Probezentrums für das Theater – mit Ausnahme von Tobias Schneider (FDP). Sein Einwurf, die Sanierung des Theaters sei „Luxus“, provozierte prompt eine Erwiderung Leibes, der diese Formulierung zurückwies. „Das ist sicher kein Luxus, was wir hier vorhaben“, sagte der Stadtchef. Es blieb an diesem Abend die einzige Replik Leibes auf einen Redebeitrag. Ansonsten nahm der Stadtchef auch die Kritik ruhig zur Kenntnis. Etwa jene von CDU-Fraktionschef Thomas Marx, der betonte, dass der Rat künftig entscheiden müsse, bevor Fakten geschaffen worden seien: „Das war kein Glanzstück der Verwaltung, wie das in den vergangenen Monaten gelaufen ist, und sollte sich demnach auch nicht wiederholen.“
Marx sagte ferner, dass auch der Standort auf dem ETP der richtige für das Probezentrum sei. „Das Theater braucht diese Probebühnen, und es braucht in der Stadt einen verlässlichen Partner“, so der Christdemokrat. Das Ergebnis hinsichtlich der Verhandlungen zur Miete soll laut Marx auch dem Haushalts- und Personalausschuss vorgelegt werden. „Wir erwarten von der Verwaltung künftig einfach mehr Transparenz“, so Marx.
SPD-Kollege Andreas Schleimer widersprach Marx in dem Punkt nicht, von einem politischen Skandal wollte der Fraktionschef der Sozialdemokraten allerdings nichts wissen. „Dieser Eindruck ist ja entstanden, aber sowohl die ADD als auch die Experten haben keine Anhaltspunkte für ein Fehlverhalten des Oberbürgermeisters gesehen“, so Schleimer. Für die Grünen, die der Vorlage der Verwaltung ebenfalls zustimmten, bedauerte Wolf Buchmann, dass dem Rat nicht frühzeitig Alternativen zum Anmietungsmodell vorgelegen hätten – etwa der Bau in städtischer Eigenregie. „Die Probebühnen selbst haben wir nie infrage gestellt“, so Buchmann.
Für Michael Frisch von den Demokraten sind Grüne und FDP „bis auf die Knochen blamiert“. Der Noch-Landtagsabgeordnete kritisierte aber auch die zögerliche Haltung der CDU bei diesem Thema. „Das war kein Ruhmesblatt für Sie, liebe Kollegen“, sagte Frisch in Richtung der Union. Dass die Unionschristen über Monate hinweg „zur Schmutzkampagne gegen den Oberbürgermeister geschwiegen haben“, sei symbolisch. „Aber zum Glück haben Sie dann ja doch noch die Kurve bekommen“, so Frisch. Ja, Fehler seien gemacht worden, sagte der Demokraten-Chef, aber es ehre alle handelnden Personen, einschließlich des OBs, dass sie sich diesen Problemen gestellt haben.
Auch Daniel Klingelmeier betonte die Notwendigkeit des Probezentrums für die Generalsanierung des Theaters. „Dass wir heute dennoch nicht zustimmen, liegt einfach daran, dass für uns immer die wirtschaftliche Betrachtung entscheidend ist“, sagte der Chef der Freien Wähler. „Mehr als 700.000 Euro pro Jahr an Miete sind einfach zu viel“, so Klingelmeier. Der Goldstandard sei hier einfach nicht angebracht. Christian Schenk von der UBT sagte, die damalige Entscheidung der Verwaltung, den Bauauftrag an die SWT zu vergeben, sei richtig gewesen. „Allein schon wegen der fehlenden personellen Kapazitäten bei der Stadt.“ Außerdem seien die Stadtwerke bei Bauprojekten „immer ein verlässlicher Partner gewesen“, so Schenk, der ebenfalls den Änderungsantrag von CDU und Grünen begrüßte.
Oberbürgermeister Leibe nutzte den Abschluss der Debatte für ein persönliches Statement. „Noch nie ist ein Thema so durchleuchtet worden wie dieses“, sagte Leibe, „und das ist für mich auch in Ordnung.“ Allerdings sei sein Handeln in den elf Jahren seiner Amtszeit auch noch nie kriminalisiert worden. „Das war neu für mich“, so der Stadtchef. „Manche hatten ja wohl schon das Bild vor Augen, wie der OB in Handschellen in die JVA einfährt.“ Grünen und FDP warf Leibe vor, dass ihnen der Mut gefehlt habe, einen Abwahlantrag zu stellen. Andererseits dankte der Sozialdemokrat jenen Fraktionen, die ihn in den vergangenen Monaten unterstützt hätten, und er schloss mit der Frage: „Wie soll unsere künftige Zusammenarbeit im Rat aussehen?“ (et)
Die gesamte Stadtratsdebatte kann hier bei Ok54 nachgeschaut werden.
Zum Thema:
Der Kommentar: Etwas mehr Bismarck wagen – Koalition aus Öl und gefrorenem Joghurt


















Rausgeworfenes Geld! relativ nah gibt es ein hervorragendes deutschsprachiges Theater! die Hälfte der Sanierungskosten in Subkultur gesteckt und den Rest einfach verballert! wäre besser investiert… die Rache des Exzellenz Haus wird fürchterlich! btw egal wo man so in Deutschland Rum kommt: das Exhaus ist bekannt. vom hervorragenden Theater in Trier würde mir noch nie berichtet lol
Es gibt nichts Wichtigeres in Trier als die Kultur. Jedenfalls könnte man das glauben, wenn man diese Berichte über Entscheidungen und Diskussionen im Stadtrat verfolgt. Eine mit über 700 Mio verschuldete Stadt leistet sich eine Theaterrenovierung, die – heute noch nicht absehbar – am Ende mit allem Drum und Dran weit über 100 Mio kosten wird. Dabei waren der Stadt vor zwei Jahren schon über 200 Mio SChulden vom Land abgenommen worden. Aber man gab sich offenbar alle Mühe, den alten Schuldenstand in kürzester Zeit wieder reinzuholen. Schon jetzt gehen die Kosten für die Vorbereitungen zur Aufrechterhaltung des Spielbetriebs in die Zig Millionen (Mieten für die Probebühne, Bau- und Renovierungskosten für andere Spielstätten wie das Wechselwerk, das eigenes dazu errichtet wird. Wenn das Theater dann in etwa fünf Jahren wieder den Spielbetrieb eröffnet, dürfte die Verschuldung der Stadt die Milliarden-SChwelle überschritten haben, wenn unsere Ratsdamen und -herren weiterhin so ausgabefreudig in Sachen Kultur sein werden. Man will es ja schön haben: schöne Kultur, schöne CO2-neutrale Plätze mit Nebelduschen für die heißen Tage.
Doch wer bezahlt dieses Wohlfühl-Denken bzw zu wessen Lasten soll es gehen? Zulasten der Lifestyle- und Kultur-SChickeria, die den Rat bevölkert und die entsprechenden Beschlüsse fasst? eher nicht. Denn wer Ratsarbeit macht, muss es sich leisten können. Nicht unbedingt finanziell, aber zeitlich. Für Schichtarbeiter ist Ratsarbeit deshalb schon mal nix. Wie viele SChichtarbeiter sitzen wohl im Trierer Stadtrat? Wie viele Kassiererinnen von Aldi, wie viele Reinigungskräfte, wie viele Handwerker, egal ob selbständig oder angestellt, haben die Zeit, sich mit den teilweise fruchtlosen und frustrierenden Diskussionen im Rat zu beschäftigen, die sich besonders durch eines auszeichnen: Abgehobenheit. Die, die dort diskutieren, leben in ihrer eigenen Welt und haben weitgehend die Bodenhaftung verloren. Das zeigen die Diskussionen und Beschlüsse. Die grundlegenden Bedürfnisse der Bevölkerung scheinen für diese Volksvertreter nicht mehr zu existieren oder sie haben – was eher zutrifft – den Kontakt dazu verloren, wenn sie ihn denn je hatten. Während OB Leibe die aufwendige Renovierung des Theaters im Gegensatz zum Vertreter der FDP nicht für Luxus hält, müssen die Tafeln in RLP bei der Firma Edeka um mehr Lebensmittelspenden betteln(TV vom 13.5.2026). Aber die Empfänger von Lebensmittelspenden sitzen auch nicht im Rat. Vllt sollten die Ratsvertreter ihre nächste Sitzung mal bei der Tafel abhalten, damit sie wieder in Kontakt zur Wirklichkeit kommen.
haha das verkaufen die jetzt ernsthaft als Erfolg und als notwendig.
8000€ weniger bei 700000€ Euro Miete pro Jahr. Applaus 👍. Kann man fast eine weitere geniale Mülltonne von kaufen😉.
Würde mich ja totlachen wenn ich und wir alle den Spaß nicht bezahlen müssten…
Der Vorgang beleuchtet ein Grundproblem unserer Demokratie: die Voten und Entscheidungen dieser Volksvertreter weichen diametral von den elementaren Bedürfnissen des Grossteils der Bevölkerung ab.
Die Frage ist halt wie lange das noch so funktionieren wird. In Anbetracht näherrückender Verteilungskämpfe dank wirtschaftlichen Niedergang vermute ich dass es nicht mehr lange so laufen wird. Diese fast perverse Klientel/Ausgabenpolitik zugunsten einer theaterbegeisterten Minderheit spricht eine deutliche Sprache.
Meine Wahrnehmung dieser Pro und Kontradiskussion zeigt lediglich dass keiner der Akteure nur ansatzweise versteht wie die Bevölkerung das mehrheitlich beurteilt. Aber wie immer im Leben: die Realität ist vorhanden und wird hoffentlich auch einige der treibenden Akteure noch spürbar einholen.