WIESBADEN/BERLIN. Die Nettozuwanderung nach Deutschland ist 2025 massiv zurückgegangen. Nach den endgültigen Zahlen des Statistischen Bundesamts kamen im vergangenen Jahr rund 235.000 Menschen mehr nach Deutschland, als das Land verließen. Im Jahr zuvor hatte der Wanderungssaldo noch bei 430.000 gelegen. Das Bundesamt spricht selbst von einer „deutlich gesunkenen“ Nettozuwanderung. Insgesamt wurden 2025 rund 1,48 Millionen Zuzüge und 1,25 Millionen Fortzüge registriert. Besonders auffällig: Die Zahl der Zuzüge sank binnen eines Jahres um rund 13 Prozent.
Deutlich weniger Menschen kamen nach Deutschland
Für den allgemeinen Leser heißt das vor allem eines: Deutschland bleibt zwar ein Einwanderungsland, aber der starke Zustrom der vergangenen Jahre hat merklich an Tempo verloren. Der wichtigste Grund dafür liegt laut Statistik in der deutlich schwächeren Nettozuwanderung aus den wichtigsten Herkunftsländern von Asylsuchenden.
Besonders stark fiel der Rückgang bei Syrien aus: Hier sank der Wanderungssaldo von 75.000 auf 25.000. Auch aus der Türkei ging die Nettozuwanderung von 41.000 auf 24.000 zurück, aus Afghanistan von 33.000 auf 19.000.
Warum die Ukraine in der Asyl-Debatte anders auftaucht
Genau hier wird ein Punkt wichtig, der in vielen Debatten schnell durcheinandergerät: Die Ukraine taucht in der klassischen Asyl-Debatte so nicht auf – obwohl sie für die Wanderungsbewegung weiter enorm relevant ist.
Der Grund: Geflüchtete aus der Ukraine müssen keinen Asylantrag stellen, sondern erhalten in Deutschland in der Regel vorübergehenden Schutz nach § 24 Aufenthaltsgesetz. In der Wanderungsstatistik erscheinen sie natürlich trotzdem. Und auch hier gingen die Zahlen erneut zurück: Die Nettozuwanderung aus der Ukraine sank von 121.000 auf 96.000 Personen. Die Ukraine bleibt damit ein zentraler Faktor der Zuwanderung – nur eben nicht über das klassische Asylsystem.
Deutschland verliert sogar Menschen an die EU
Bemerkenswert ist außerdem der Blick auf die Europäische Union. Deutschland verzeichnete 2025 einen negativen Wanderungssaldo gegenüber der EU von minus 54.000 Personen. Im Vorjahr hatte das Minus noch bei 34.000 gelegen.
Das bedeutet: Aus den EU-Staaten wanderten per saldo erneut mehr Menschen aus Deutschland ab als zu. Besonders deutlich verschlechterte sich die Bilanz unter anderem bei Polen und Bulgarien. Der positive Wanderungssaldo Deutschlands wird damit derzeit vor allem nicht von der EU getragen, sondern in erster Linie von Zuwanderung aus anderen Weltregionen.
Asien bleibt wichtigster Zuwanderungsraum
Vor allem Asien trug 2025 zur Nettozuwanderung bei. Hier lag der Saldo bei plus 158.000 Personen, gefolgt von Europa mit plus 85.000 und Afrika mit plus 54.000.
Das zeigt: Die Zuwanderung nach Deutschland bleibt hoch, verlagert sich aber in ihrer Struktur weiter. Wer nur auf die große Zahl von 235.000 schaut, sieht deshalb nur die halbe Wahrheit. Entscheidend ist, woher die Menschen kommen – und dass sich die Dynamik im Vergleich zu 2024 massiv abgeschwächt hat.
Auch viele Deutsche ziehen ins Ausland
Auffällig ist auch der Blick auf die Deutschen selbst. Bei Personen mit deutscher Staatsangehörigkeit wurde 2025 erneut eine Nettoabwanderung festgestellt – und zwar stärker als im Vorjahr. Der Wanderungsverlust deutscher Staatsbürger lag bei 97.000 Personen, nach 81.000 im Jahr 2024.
Besonders häufig zogen Deutsche in die Schweiz, nach Österreich und nach Spanien. Auch das gehört zum Gesamtbild der neuen Wanderungsstatistik.
Was die neuen Zahlen bedeuten
Unterm Strich zeigt die neue Statistik eine klare Entwicklung: Deutschland wächst weiterhin durch Zuwanderung, aber deutlich langsamer als noch im Vorjahr. Weniger Menschen kamen aus den wichtigsten Asylherkunftsländern, auch aus der Ukraine ging die Nettozuwanderung zurück, und aus der EU verzeichnet Deutschland sogar ein deutliches Minus.
Für die politische Debatte ist das brisant – und für viele Leser vor allem eine einfache Botschaft: Der große Zuzug ist nicht vorbei, aber er ist klar schwächer geworden.




















