Dino-Knochen, Kriegsschiffe, Goldschätze: RLP gräbt Sensationen aus

Dino-Knochen, Kriegsschiffe und Goldschätze machen das Bundesland zu einer archäologischen Schatzkammer. Funde begeistern Forscher weltweit.

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Die Kaiserthermen sind seit 1986 Teil des Unesco-Welterbes in Trier. (Archivbild) Foto: Harald Tittel/dpa

MAINZ. Rheinland-Pfalz gräbt sich durch seine Geschichte – und stößt auf Dinosaurier, Goldschätze und römischen Luxus. Mal kommen Knochen ans Licht, mal tonnenschwere Mauern, mal Goldstücke aus einer längst verschwundenen Welt. Das Bundesland als archäologische Wundertüte?

Der jüngste Coup: der erste Dinosaurierfund in der Geschichte von Rheinland-Pfalz. In der Südeifel entdeckten Forscher drei Zähne, zwei Fußkrallen und einen Zehenknochen eines mehr als 200 Millionen Jahre alten Urzeitjägers. Der Lophostropheus war rund vier Meter lang und bewegte sich auf zwei Beinen. Für Paläontologen ist der Fund ein kleiner Sensationsmoment.

Rheinland-Pfalz hat endlich seinen eigenen Dino

Neben dem Raubsaurier wiesen die Wissenschaftler weitere urtümliche Tiere nach. Das Gestein habe sich als «regelrechte Schatztruhe von versteinerten Zeugnissen» entpuppt, heißt es. Und noch sei erst ein Teil bearbeitet. Doch spektakulär gebuddelt wurde schon lange.

Besonders geheimnisvoll wirkt bis heute der Hortfund von Rülzheim in der Pfalz. Entdeckt wurde er 2013 von einem privaten Sondengänger, was zu einem Rechtsstreit führte. Zum Vorschein kamen Gold- und Silberobjekte aus der Spätantike – darunter Schmuck, Beschläge und Gefäße. Unbeantwortet ist bis heute die Frage, wie und warum die Gegenstände im fünften Jahrhundert an den Rhein gelangten, als das Weströmische Reich im Untergang begriffen war.

Wie ein Klappstuhl bis heute Forscher beschäftigt

Berühmt wurde der Schatz auch wegen eines prunkvollen Klappstuhls aus Metall. Solche Luxusobjekte galten als Machtzeichen hochrangiger Eliten. Wer auf einem solchen versilberten Faltstuhl mit Rückenlehne saß, hatte etwas zu sagen. Auffallend sei, sagen Experten, dass die bisher bekannten Darstellungen mit solchen Faltstühlen immer Frauen zeigen.

Foto: Harald Tittel/dpa/Archiv

Doch warum sind solche Funde für eine Gesellschaft wichtig? «Für viele Epochen unserer Geschichte fehlen Schriftquellen oder genaue Berichte antiker Autoren», sagt Stephanie E. Metz von der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz der Deutschen Presse-Agentur. Da seien archäologische Funde oft die einzige Möglichkeit, Licht ins Dunkel zu bringen.

«Für manche mag das antiker Müll sein. Aber es ist unser kulturelles Erbe, das Gedächtnis unserer Vergangenheit», betont Metz. Archäologie helfe, grundlegende, bis heute aktuelle Fragen der Menschheit zu beantworten.

Bei den Römern spielt Rheinland-Pfalz in der Champions League

Egal, in welche Epoche man blicke – von der Steinzeit über römische Villen bis zu mittelalterlichen Burgen und die Neuzeit: «Rheinland-Pfalz ist ein siedlungsgünstiges Land mit wichtigen Verkehrs- und Transportrouten», sagt Metz. «Deshalb hat die Region ein besonders reiches kulturelles Erbe durch alle Epochen hindurch.» In der Römerzeit beispielsweise spiele Rheinland-Pfalz «in der absoluten Top-Liga, nicht nur in Deutschland, sondern weltweit».

Eins der eindrucksvollsten Beispiele dafür steht in Trier: die Kaiserthermen. Über mehr als 100 Jahre hinweg fanden hier immer wieder Ausgrabungen und Untersuchungen statt. Die Anlage wirkt wie ein steingewordener Hinweis, dass Trier einst zu den wichtigsten Städten des Römischen Reiches gehörte.

Luxusobjekte wie der Klappstuhl galten als Machtzeichen hochrangiger Eliten. (Archivbild) Foto: Uwe Anspach/dpa

Wo heute Touristen durch Gewölbe laufen, schwitzten Würdenträger und Soldaten in dampfenden Hallen. Die Thermen waren aber weit mehr als nur Badehäuser. Hier wurde Politik gemacht, Geschäfte wurden besprochen und Gerüchte verbreitet. Im Grunde waren die Anlagen eine Mischung aus Wellnesscenter, Parlament und sozialem Netzwerk.

Die Sensation im eigenen Garten

Auch Mainz brachte spektakuläre Funde hervor: Dort entdeckten Archäologen in den 1980er Jahren gleich mehrere römische Kriegsschiffe im Boden nahe dem Rhein. Die Schiffe aus dem vierten Jahrhundert waren erstaunlich gut erhalten und ermöglichten neue Einblicke in die römische Militärtechnik.

Welche Funde elektrisieren die Archäologin Metz? «Oft sind es herausragende Funde wie der römische Goldschatz in Trier, die im öffentlichen Interesse stehen», sagt sie. Bei Grabungen der Landesarchäologie seien aber gerade die vermeintlich weniger sensationellen Funde wichtig. «Sie sind Teil eines großen Puzzles unserer Geschichte. Diese Gegenstände zeugen vom Alltag.»

Bis heute stoßen Bagger in Rheinland-Pfalz auf Relikte aus vergangenen Jahrhunderten: keltische Befestigungen, fränkische Gräber, Münzschätze oder alte Heiligtümer. Oft reichen wenige Meter unter die Erde, um mitten in der Geschichte zu landen. Und niemand weiß vorher, was da auftaucht. Vielleicht wartet im Garten hinter einem Reihenhaus schon der nächste Sensationsfund. (Quelle: Wolfgang Jung, dpa)

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