TBB: Die Pflicht ruft – Crailsheim kommt

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Mathis Mönninghoff wurde in Ludwigsburg schmerzlich vermisst. Gegen Crailsheim ist der A2-Nationalspieler wieder dabei.

Bildquelle: Helmut Thewalt

TRIER. Siege gegen Mitkonkurrenten sind im Abstiegskampf besonders wichtig. Wenn es zuhause gegen den abgeschlagenen Tabellenletzten geht, dann ist es sogar als Pflichtprogramm anzusehen, soll sich die eigene Lage nicht dramatisch verschlechtern. Das sind die Vorzeichen vor dem Duell der Trierer Bundesliga-Basketballer mit den Crailsheim Merlins (Freitag, 20 Uhr, Arena Trier).

Der 25. Oktober 2014 dürfte in Crailsheim als neuer Feiertag gelten: An diesem Tag des vergangenen Jahres feierten gut 2000 blendend aufgelegte Zuschauer in der Arena Hohenlohe den ersten Sieg des Aufsteigers in der BBL– gegen Trier. Die TBB erlebte an diesem Tag die bisher schwärzeste Stunde dieser Saison. Erstens ist es nie schön, einem Aufsteiger den Steigbügel zu halten, wenn er Geschichte schreibt. Zweitens darf, wenn es schon passiert, dabei „die 100“ nicht fallen. Doch am 25. Oktober kam es so: Crailsheim hatte den ersten Sieg auf dem Konto und Trier eine 84:100-Auswärtsniederlage auf dem Konto. Henrik Rödl attestierte Crailsheim einen „sehr guten Auftritt“, bei dem die Gastgeber „immer einen Schritt schneller waren“ und zudem noch das Reboundduell gewonnen hatten.

Hauptverantwortlich für den ersten von bisher nur zwei Merlins-Siegen: Jannik Freese und Sean Mosley. Der aus Oldenburg nach Crailsheim gewechselte Center Freese hatte gegen Trier deutliche Lufthoheit und nutzte diesen Umstand zu 23 Punkten (darunter den hundertsten des Spiels). Allerdings: Auftritte wie dieser weckten das Interesse von Alba Berlin, die in Freese einen willkommenen Ersatz für den langzeitverletzten Jonas Wohlfarth-Bottermann sahen. Am 4. Januar war einer der überraschendsten Transfers der Liga perfekt, Freese unterschrieb einen Zwei-Monatsvertrag in Berlin und wechselte so vom Tabellenende an den Gegenpol. Sean Mosley dagegen blieb den Merlins erhalten. Das Hinspiel gegen Trier war seine erste Partie im Crailsheimer Trikot, die Nachverpflichtung ging mit 18 Punkten vom Parkett. Im Schnitt sind es mittlerweile 13,7 – damit ist er in Crailsheim Topscorer.

Ingo Enskat, nach der Demission von Trainer Willie Young Headcoach und Sportlicher Leiter in Personal-Union musste kräftig umdisponieren. Am Kader wurde weiter gebastelt, neben Mosley kam mit Chad Timberlake bereits im Oktober ein ligaerfahrener Guard, der bereits für den MBC auf dem Parkett stand und für die Merlins 10,7 Punkte beisteuert. Und kurz vor Weihnachten stieß mit Andriy Agafonov ein ukrainischer Power Forward dazu, der mit Odessa, Kiew und Khimik renommierte Teams in seiner Vita stehen hat. Nach vier Spielen in der BBL stehen 10,5 Punkte und 6,3 Rebounds in seiner Statistik. Das neueste Teil in Enskats Puzzle scheint Guard Walter Lemon jr. zu sein — der Transfer des 22-Jährigen, der zuletzt beim ungarischen Erstligisten Egis Körmend aktiv war, ist allerdings noch nicht offiziell bestätigt.

Aktueller Schlüsselspieler der Merlins ist Garrett Sim – ein Mann, den die Merlins vom ehemaligen Konkurrenten Jena aus der Pro A holten, und der mittlerweile in der höchsten Spielklasse angekommen ist: 12,9 Punkte und 4,5 Assists belegen das.

Sims ansteigende Formkurve scheint ein wenig auf Kosten von Joshiko Saibou zu gehen: der ehemalige Trierer markiert nach perfektem Saisonstart (13 Punkte im Schnitt nach acht Spielen) mittlerweile „nur noch“ 8,4 Punkte pro Spiel, ist aber nach wie vor eine Säule im Crailsheimer Aufbau.

Nicht nur Sims Kurve ist ansteigend: Die Merlins haben zwar erst zwei Siege auf dem Konto, weil neben Trier nur noch musste der Mitteldeutsche BC dran glauben musste. Zuletzt lieferten die Schwaben allerdings mehrere extrem knappe Spiele ab – mit unglücklichem Ausgang. Wie gegen Braunschweig, als erst ein Buzzer Beater von Dru Joyce eine Niederlage der Norddeutschen verhinderte, und gegen die die Telekom Baskets Bonn. Überhaupt nicht knapp dagegen endete das Spiel, dessen Termin die Merlins am liebsten aus dem Kalender streichen würden. Am 27. Dezember konnte Crailsheim aufgrund der schneebedingten Verkehrssituation nicht bei Phoenix Hagen antreten und verlor die Partie am grünen Tisch mit 0:40 – und 50.000 Euro Entschädigung, die wegen der entgangenen Spieleinnahmen an Phoenix Hagen zu leisten waren.

TBB-Headcoach Henrik Rödl sieht ein schwieriges Spiel auf seine Mannschaft zukommen, ungeachtet jeglicher Tabellenstände und Hinspielergebnisse: „Es ist schwer zu sagen, was Crailsheims neuer Mann schon bringen kann und wie gesund die Mannschaft ist. Mit Mosley und Timberlake haben sie zuletzt sehr stark gespielt, sie waren immer sehr eng dran, auch auswärts. Wenn die Merlins gesund sind, sind sie definitiv ernst zu nehmen“, so Rödl. „Aus dem HInspiel ist nicht viel abzuleiten, die Mannschaft spielt viel strukturierter seit Ingo Enskat übernommen hat. Dazu kommen die Neuverpflichtungen. Was wir natürlich aus dem Hinspiel mitnehmen ist, dass wir mit unserer damaligen Leistung nicht zufrieden waren und jetzt die Chance auf eine Revanche zu Hause haben. Aber das ist nicht das Hauptziel für so ein Spiel. Wir wollen unbedingt gewinnen und allen ist klar, was dieses Spiel bedeutet. Ich hoffe, wir können mit den Zuschauern im Rücken unser Spiel aufziehen.“

Auch die knappe Niederlage seines Teams in Ludwigsburg ist laut Rödl kein Thema mehr: „Man fährt immer mit einem bitteren Gefühl nach Hause, wenn man bis zum Ende dran ist und dann verliert. Aber die Mannschaft hat gekämpft und war in einer Weise bis zum Schluss in diesem Auswärtsspiel drin wie seit langem nicht. Mathis Mönninghoff hat uns gefehlt, er ist wieder gesund und wir werden mit voller Energie in das kommende Spiel gegen Crailsheim gehen.“ red/wir

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1 KOMMENTAR

  1. Bei der TBB gibt es eine Tradition: Egal welche Spieler auf dem Feld stehen, die Mannschaft verliert in schöner Regelmäßigkeit gegen Aufsteiger und lässt sich teilweise sogar vorführen.
    Das Geld kann man sich morgen getrost sparen. Es sei denn, man will Crailsheim jubeln sehen.

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