Belgien vollzieht in der Atompolitik den nächsten Kurswechsel: Der Rückbau der belgischen Atomreaktoren wird vorerst gestoppt. Statt die Stilllegung weiter voranzutreiben, verhandelt der belgische Staat nun mit dem Energiekonzern Engie über eine mögliche Übernahme der nuklearen Aktivitäten. Für die Region Trier ist vor allem ein Name brisant: Tihange.
Rückbau gestoppt – Belgien hält sich alle Optionen offen
Nach aktuellen Angaben sollen laufende Stilllegungs- und Rückbauarbeiten an belgischen Atomstandorten vorerst ausgesetzt werden. Hintergrund sind exklusive Gespräche zwischen dem belgischen Staat und Engie über eine mögliche vollständige Übernahme der belgischen Kernkraft-Aktivitäten.
Damit geht es nicht nur um einzelne Reaktorblöcke, sondern um das gesamte belgische Atomgeschäft: Reaktoren, Personal, Vermögenswerte, Tochterfirmen und auch Verpflichtungen rund um Stilllegung und Rückbau.
Tihange wieder auf der politischen Landkarte
Besonders aufmerksam dürfte die Entwicklung in Deutschland verfolgt werden, weil das Atomkraftwerk Tihange bei Lüttich seit Jahren ein Symbol der grenzüberschreitenden Atomdebatte ist. Aktuell sind in Belgien nur noch zwei Reaktoren am Netz: Doel 4 und Tihange 3. Deren Laufzeit wurde bereits bis 2035 verlängert.
Fünf weitere belgische Reaktoren sind bereits stillgelegt. Dazu gehört auch der besonders umstrittene Reaktor Tihange 2, der 2023 endgültig vom Netz ging.
Kein sofortiger Neustart aller Meiler beschlossen
Wichtig ist: Ein Neustart aller abgeschalteten Reaktoren ist damit noch nicht beschlossen. Der Stopp des Rückbaus bedeutet zunächst vor allem, dass Belgien keine unumkehrbaren Schritte weitergehen will, solange über die Zukunft der Anlagen verhandelt wird.
Ministerpräsident Bart De Wever begründet den Kurswechsel mit dem Ziel einer sicheren, bezahlbaren und nachhaltigen Energieversorgung sowie mehr Kontrolle über die eigene Versorgung.
Atomausstieg politisch bereits gekippt
Belgien hatte seinen Atomausstieg bereits politisch zurückgenommen. Nun folgt die praktische Konsequenz: Der Rückbau wird nicht mehr als zwangsläufiges Ende behandelt, sondern als Prozess, der gestoppt werden kann.
Damit verschiebt sich die Debatte grundlegend. Aus der Frage, wann endgültig Schluss ist, wird wieder die Frage, wie viel Atomkraft Belgien künftig noch will – und unter wessen Kontrolle.
Diskussion dürfte weit über Belgien hinausgehen
Für Deutschland und besonders die grenznahen Regionen bleibt die Entwicklung sensibel. Tihange liegt vergleichsweise nah an der deutschen Grenze und war über Jahre Gegenstand heftiger politischer Debatten.
Klar ist schon jetzt: Die belgische Atomfrage ist zurück. Und mit ihr auch die Diskussion über Tihange.
















