Koblenz/Oberwesel. Der spektakuläre Meteoriteneinschlag in ein Wohnhaus bei Koblenz sorgt weiterhin für großes Aufsehen – nicht nur bei Anwohnern, sondern auch bei Meteoritenjägern. Einer von ihnen ist Stephan Decker aus Oberwesel, der seit Jahren seltene Gesteinsstücke aus dem All sammelt. Nachdem der Meteorit am Sonntagabend in ein Hausdach im Koblenzer Stadtteil Güls eingeschlagen war, machte sich auch der Sammler sofort auf den Weg.
Sein Eindruck von dem Fragment, das er dort sehen konnte: „Frischer geht es kaum.“
Elf Fragmente nach Einschlag entdeckt
Nach Angaben der Polizei wurden rund um das Wohnhaus insgesamt elf Gesteinsstücke gefunden. Die Fragmente wiegen zwischen 6 und 161 Gramm, das größte Stück ist etwa so groß wie ein Tennisball.
Beim Einschlag hatte der Himmelskörper ein etwa fußballgroßes Loch im Dach verursacht und landete anschließend im Schlafzimmer des Hauses. Verletzt wurde glücklicherweise niemand.
Meteorit mit glänzender Schmelzkruste
Der Meteoriten-Sammler Stephan Decker konnte eines der Fragmente kurz nach dem Einschlag begutachten. Besonders auffällig sei die Oberfläche gewesen.
„Das Fragment hatte eine schwarzglasige, glänzende Schmelzkruste“, berichtet Decker. Diese entstehe, wenn ein Meteorit mit enormer Geschwindigkeit in die Erdatmosphäre eintritt und sich durch die Reibungshitze die Oberfläche des Gesteins verändert.
Zum Zeitpunkt der Begutachtung sei der Meteorit gerade einmal einen Tag alt gewesen.
Sammler hoffen auf seltene Gesteinsart
Nach ersten Einschätzungen könnte es sich um einen sogenannten Diogeniten handeln – einen Steinmeteoriten, der möglicherweise vom Asteroiden Vesta stammt. Eine endgültige Bestätigung kann jedoch erst eine wissenschaftliche Analyse liefern.
Foto: Thomas Frey/dpa
Meteoriten, die spektakulär auf der Erde einschlagen – etwa in Gebäude – sind in der Sammlerszene besonders begehrt. Entsprechend schnell verbreitete sich die Nachricht über den Einschlag auch in internationalen Sammlergruppen im Internet.
Einige Meteoritenjäger machten sich sofort auf den Weg nach Koblenz, um möglicherweise selbst ein Fragment zu entdecken.
Wie eine Sommernacht zum Meteoriten-Hobby führte
Die Leidenschaft von Stephan Decker begann vor vielen Jahren eher zufällig. Im Sommer 1998 beobachtete er gemeinsam mit Freunden den jährlichen Sternschnuppenstrom der Perseiden.
„Wir saßen auf der Terrasse und haben 70 Sternschnuppen gesehen“, erinnert sich Decker. Der Moment habe ihn so fasziniert, dass er sich sagte: „Davon möchte ich eine haben.“
Kurz darauf kaufte er seinen ersten Meteoriten – und begann eine Sammlung aufzubauen.
Meteoritenmuseum in Oberwesel
Aus dem Hobby wurde schließlich eine Berufung. 2011 eröffnete Decker in Oberwesel ein eigenes Meteoriten-Museum, in dem heute zahlreiche seltene Gesteinsstücke aus dem All ausgestellt sind.
Die Sammlung reicht von kleinen silbrig glänzenden Fragmenten bis hin zu schwarzen Brocken in Bowlingkugel-Größe.
Meteoriten sind für Wissenschaftler besonders wertvoll. Sie stammen meist aus dem Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter und sind Überreste aus der Entstehungszeit unseres Sonnensystems – teilweise mehrere Milliarden Jahre alt.
Wertvolle Fundstücke aus dem All
Wer selbst einen Meteoriten findet, sollte vorsichtig sein. Experten raten, solche Steine nicht mit bloßen Händen anzufassen, um mögliche wissenschaftliche Spuren nicht zu verfälschen.
In Rheinland-Pfalz gehört ein Meteorit grundsätzlich dem Finder oder dem Grundstückseigentümer, auf dessen Gelände er entdeckt wird.
Seltene Exemplare können auf dem Sammlermarkt mehrere Tausend Euro pro Gramm wert sein.
Der spektakuläre Einschlag in Koblenz dürfte daher nicht nur Wissenschaftler interessieren – sondern auch Sammler weltweit.

















