Bericht: Pannen-Reaktor Cattenom soll noch länger laufen — „bis 2047 – und länger“

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Das französische AKW Cattenom bei Nacht; dpa
Das Atomkraftwerk im französischen Cattenom ist immer wieder aufgrund von "Pannen" im Gespräch und in den Schlagzeilen; Foto: dpa

CATTENOM. Wie der Volksfreund berichtet, plant Frankreich nach 2038 acht neue Atomreaktoren ans Netz zu bringen. Der neue Energieplan des Landes sehe ferner vor, dass zusätzlich bis zu acht weitere Reaktoren gebaut werden könnten.

Doch Frankreich will nicht nur neue Reaktoren bauen. Auch der alte Pannenreaktor Cattenom, unweit der Grenze zu Rheinland-Pfalz, wird weiterbetrieben. Trotz Protesten aus Rheinland-Pfalz wurde schon im vergangenen Jahr entschieden, dass der als pannenanfällig geltende Reaktor weitere 50 Jahre am Netz bleiben darf (lokalo.de berichtete).

Wie der Volksfreund unter Berufung auf den Saarländischen Rundfunk berichtet, soll dieser Zeitraum nun um nochmals zehn Jahre auf 60 Jahre verlängert werden. Verantwortliche der Betreiberfirma Électricité de France (EDF) hätten bei einer Sitzung erklärt, Cattenom könne „noch bis 2047 laufen – und länger“.

Parallel zum Ausbau der Atomenergie reduziert Frankreich seine Ausbauziele im Bereich der Photovoltaik. (Quelle: Trierischer Volksfreund)

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6 Kommentare

  1. Die Großregion darf das Risiko Cattenom nicht hinnehmen

    Dass das Atomkraftwerk Cattenom tatsächlich noch jahrzehntelang am Netz bleibt, ist keineswegs ausgemacht – Pläne aus Paris hin oder her. Es gibt zwei Szenarien, die den Betrieb der Pannenreaktoren vorzeitig beenden könnten. Das eine wäre ein Super-GAU, der – ähnlich wie in Fukushima – das Leben in unserer Großregion unmöglich machen würde. Das will niemand hoffen.

    Wahrscheinlicher ist jedoch das wirtschaftliche Scheitern: Die massiven finanziellen Probleme des Betreibers EDF und die hohe Verschuldung des französischen Staates stellen die unrealistischen Neubaupläne und Laufzeitverlängerungen grundsätzlich in Frage. Wer soll diese astronomischen Summen bezahlen?

    Zudem formiert sich breiter Widerstand: In Luxemburg haben sich zahlreiche Gemeinden gegen Cattenom zusammengeschlossen. Dies sollte ein Vorbild für das Saarland und Rheinland-Pfalz sein. Es ist gut, dass die Landesregierungen Einspruchsmöglichkeiten prüfen, doch der politische Druck muss steigen.

    Der Status quo ist bereits jetzt unverantwortlich: Wiederkehrende Pannen und Störfälle, mangelnder Schutz gegen Flugzeugabstürze und Terrorgefahren sowie die Aufheizung der Mosel im Zuge des Klimawandels und die Zerstörung des Ökosystems durch noch wärmeres Kühlwasser sind reale Bedrohungen. Dazu kommen die ungelöste Endlagerfrage und die immensen Kosten für Abriss und Lagerung, die wir kommenden Generationen unter extremer Gefahr aufbürden.
    Es ist ein ökonomischer und ökologischer Irrsinn, wenn Teile von CDU/CSU und die AfD einen Rückfall ins Atomzeitalter propagieren. Atomenergie ist bei Betrachtung der Gesamtkosten unwirtschaftlich und durch Urangewinnung sowie Brennelementeherstellung keineswegs klimaneutral. Wer eine Verlängerung dieser Risiken ablehnt, sollte dies auch an der Wahlurne bedenken.
    Cattenom-Laufzeitverlängerung? Nein danke! Hier kann man auch aktiv dazu werden: https://stop-cattenom.de/

    • Blablabla…. Ihr erzählt echt immer das Selbe…
      Fakt ist: Die Welt setzt auf Atomkraft, und wenn wir dumm genug waren unsere Reaktoren abzuschalten dann interessiert das nur diejenigen, die uns jetzt ihren Atomstrom verkaufen…
      Für alle anderen ist unsere Energiepolitik wie ein juckender Fleck am A… Kurz kratzen, dann vergessen und sich wichtigerem widmen.

  2. Es ist eine Schande, dass Deutschland im grünen Wahn seine hochmodernen Reaktoren gesprengt hat oder wird. Jetzt müssen wir alle wieder mühsam und kostspielig aufbauen um die schmerzlichen Folgern einer gescheiterte „Energiewende“ zu heilen. Die Geschichtsbücher werden diesen Irrsinn gebührend berücksichtigen.

    Japan: 15 Reaktoren im Betrieb, (trotz Fukushima)
    Frankreich: 57 Reaktoren im Betrieb
    Ukraine: 15 im Betrieb, 2 im Bau (trotz Tschernobyl)
    Spanien: 7 im Betrieb
    Russland: 27 -35 im Betrieb, 3 im Bau, 38 geplant

    Europa: 165 Reaktoren in Betrieb, 9 im Bau, weitere 8 geplant
    Nordamerika: 113 Reaktoren in Betrieb
    Südamerika: 7 Reaktoren in Betrieb
    Asien: 129 im Betrieb, 46 im Bau

    Die WNA nennt weltweit: 70+ Reaktoren im Bau, ca. 115 weitere Reaktoren geplant

  3. Cattenom ist als Pannenreaktor verschriehen, weil in Frankreich jede Störung gemeldet werden muss. Dazu gehört auch eine lockere Schraube oder ein kaputter Kaffeeautomat.
    Nichts desto trotz ist das Ding uralt. Vielleicht will man ja mal was neues probieren? Tschernobyl – menschliches Versagen, Fukushima – Naturkatastrophe, Cattenom, Doel1,2+3, sowie Tihange werden uns irgendwann wegen Altersschwäche um die Ohren fliegen. Daran wird auch keine deutsche rechtslinksgrünblauschwarzrot ökoverpeilte Regierung was ändern.

    • Der konventionelle Teil so einer Anlage beträgt ca. 90% (Kühltürme, Turbinenhalle, Hilfsgebäude). Diese sind nicht sicherheitsrelevant.
      Der eigentliche nukleare Teil ist dagegen relativ klein und wird auch in alten Anlagen ständig modernisiert.
      Der nukleare Teil eines AKW unterliegt:
      regelmäßigen Sicherheitsüberprüfungen
      Modernisierungen
      Austausch von Komponenten
      Nachrüstungen nach neuen Standards
      internationalen Vorgaben (IAEA, WENRA)
      nationalen Aufsichtsbehörden

      Ein Reaktor, der 40 Jahre alt ist, hat nicht mehr die Technik von vor 40 Jahren.
      neue Leittechnik
      neue Pumpen und Ventile
      neue Notstromsysteme
      neue Mess- und Überwachungstechnik
      Austausch großer Komponenten (z. B. Dampferzeuger)

      Der Reaktordruckbehälter selbst wird nicht ersetzt — aber alles drumherum kann modernisiert werden, und das passiert auch.

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