Ein Bett für die vergessenen Frauen – Johanniter Trier bitten um Hilfe!

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Was vom Leben übrigbleibt: Eine allein evakuierte alte Frau steht vor den einzigen zwei Plastiktüten, die sie mitnehmen konnte. Auch ihr wollen die Johanniter mit New Dawn helfen. Foto: Johanniter

TRIER –  Traumatisiert und nach Monaten unter schlimmen Bedingungen zwangsevakuiert: Verzweifelte ukrainische Familien hoffen auf ein Dach über dem Kopf mit den Trierer Johannitern. Nur in den Wohncontainern, die vom Verein New Dawn des Luxemburger Philipp Francke in Odessa aus dem Boden gestampft wurde, fehlt noch alles – vom Bett über Herd bis zur Spüle. Die Helfer brauchen Unterstützung!

Wir feiern Weihnachten, mit Glanz und Gloria. Frauen aus der ukrainischen Donezk-Region, die in diesen Wochen in Odessa ankommen, ist gar nicht weihnachtlich zumute: Sie können froh sein, wenn sie und ihre Kinder noch leben. Ihre Männer, ihr Heim und all ihr Hab und Gut haben die Meisten verloren. Ohne Freunde und Bekannte, etliche noch mit den eigenen alten Eltern im Schlepptau, hoffen sie beim Johanniter-Partnerverein New Dawn unterzukommen. „Monatelang haben sie in Kellern unter extremen Umständen überlebt – ohne Licht, ohne Heizung, mit Hunger, Gewalt, permanentem Beschuss“, erzählt Philipp Francke von der Luxemburger Johanniter Hilfsgemeinschaft. Die Frauen würden aktuell vom Militär zwangsweise aus ihren Heimatorten evakuiert, weil sie es ohne Heizung nicht mehr aushalten: Selbst ein bisschen Kaminrauch macht sie für russische Drohnen sichtbar.

Wohncontainer haben noch keine Ausstattung

Weil in den engen Vereinsräumen in Odessa kein Unterschlupf für die Geflüchteten möglich ist, haben die New Dawn-Helfer um Johanniter Francke alle verfügbaren Gelder jetzt in Wohncontainer gesteckt. Ein gemeinsamer Extraraum soll Waschmaschinen und eine große Tiefkühltruhe für alle bieten. „Die ersten modularen Häuser sind aufgebaut und angeschlossen – sichere, warme Unterkünfte“, sagt Francke: „Aber sie sind noch leer. Kein Bett, keine Küche, kein Tisch, kein Stuhl…“. Und die Gelder sind erschöpft. Deshalb beteiligen die Trierer Johanniter sich mit Patenschaften für die Behelfshäuser. Jeder Herd, jede Spüle und jedes Bett helfen einer geflohenen Familie ganz direkt.

Johanniter-Regionalvorstand Daniel Bialas war selbst schon mit einem Lkw voll in Trier gespendeter Kleidung und Weihnachtstrucker-Paketen in Odessa vor Ort und hat die Verzweiflung der Geflüchteten und die unglaubliche Arbeit von New Dawn erlebt. Daher haben die Trierer Johanniter jetzt zwei Wohneinheiten adoptiert – für je rund 2000 Euro voll ausgestattet unter explizitem Namenslabel der Trierer Johanniter und es sollen mehr werden, um mehr geflüchteten Familien Ruhe nach den schlimmen Erfahrungen zu geben.

Johanniter-Hilfe überall, wo Not ist

„Warum macht Ihr denn nicht besser etwas für Bedürftige hier?“, manchmal kämen solche Fragen an ihn, sagt Johanniter Trier-Chef Bialas. „Das tun wir“, erwidert er dann: Alle Dienste und die verschiedenen ehrenamtlichen Projekte in und um Trier und die Region seien immer da, um „vor der eigenen Haustür“ zu helfen – von trauernden oder Wohngruppen-Kindern, über Menschen, die in Kursen zur Ersten Hilfe befähigt werden bis zur Eingliederungshilfe für Behinderte, Hausnotruf-Schutz oder Tandems für alleinstehende alte Menschen. Ganz aktuell gäbe es auch vor Ort Bedachte mit den Weihnachtstrucker-Hilfspaketen oder – wieder im Verbund mit der Luxemburger Johanniter-Hilfsgemeinschaft – teilen die Trierer Johanniterhelfer wärmend wind- und wasserdichte Spezialkleidung aus, die von Obdachlosen im Frankfurter Bahnhofsviertel zum Schlafsack umgebaut werden kann.

Johanniter Philipp Francke an den ersten Wohncontainern für zwangsevakuierte Familien, die aus der kriegsgebeutelten ukrainischen Donezk-Region in Odessa ankommen. Die Trierer Johanniter wollen sie mit dem Nötigsten ausstatten. Foto: Johanniter

Nach Odessa aber käme viel zu wenig Hilfe für viel zu viele Verzweifelte: „Ich dachte, viel Leid und Elend in den letzten 3,5 Jahren gesehen zu haben, aber dies ist eine ganz andere Dimension“, sagt Johanniter Philipp Francke. Während die Welt die Frauen hier weitgehend vergessen hat, ist der Johanniter nach seinem ersten Hilfseinsatz zu Kriegsbeginn geblieben und sorgt dafür, dass jede Spende wirklich ankommt und hilft.

Unter https://betterplace.org/p168790 ist jetzt eine Spendenaktion an die Trierer Johanniter gestartet, um Betten, Küchen und Co für die Unterkünfte der kriegsgeflüchteten Frauen zu ermöglichen. „Ich hoffe sehr, dass wir hier mit Hilfe der Menschen unserer Moselregion wenigstens ein paar vor Schüssen, Bomben und Frost geflohenen Frauen in Odessa mit ihren Kindern ein Bett schenken können“, bittet der Trierer Regionalvorstand um Unterstützung.

Kinderwagen, Karton und zwei Tüten – mehr hat diese Mutter nicht mehr, als sie am Bahnhof Odessa ankommt. Sie möchte sich endlich wieder sicher fühlen. Foto: Johanniter

Am letzten Adventssonntag gibt Betterplace für jede 100 Euro-Spende 25 Euro dazu. Auch direkt an die Trierer Johanniter kann man dafür spenden: Johanniter-Unfall-Hilfe e.V., IBAN IBAN: DE04 3702 0500 0020 2180 61, BIC: BFSWDE33XXX, Verwendungszweck: Odessa (und Spenderangaben für die Zuwendungsbescheinigung)

 

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