Letzter Prozesstag in diesem Jahr – Opfer der Trierer Amokfahrt leiden unter psychischen Folgen

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«Wir gedenken der betroffenen Menschen vom 1. Dezember 2020» steht auf der Gedenk-Plakette. Foto: Harald Tittel/dpa

Das Trauma sitzt tief. Augenzeugen und Opfer der Amokfahrt in Trier schildern vor Gericht ihr Erlebtes. Die schreckliche Tat lässt etliche von ihnen nicht los. Sie haben Angst vor fahrenden Autos.

Im Prozess um die Trierer Amokfahrt vor gut einem Jahr haben Opfer und Augenzeugen über das Erlebte und die Folgen berichtet. «Ich konnte es nicht fassen. Der kam einfach auf mich zu. Es ging alles so furchtbar schnell», sagte eine 70-Jährige am Dienstag vor dem Landgericht Trier. Sie habe versucht, sich in Richtung Häuserfassade zu retten – da habe er ihr Bein erfasst. «Ich habe geschrien, aber er fuhr einfach weiter. Alles was kam, flog durch die Luft. Ich kam mir vor wie bei einer Treibjagd», sagte die Frau, die der mutmaßliche Amokfahrer als eine der ersten gezielt ansteuerte.

Auch wenn sie körperlich weitgehend geheilt sei, leide sie stark unter psychischen Folgen. «Ich war bis heute gar nicht mehr in der Innenstadt», berichtete sie. Sie habe Angst vor schnell fahrenden Autos, wache oft nachts schreiend auf. «Ich sehe immer wieder, wie sich die Reifen auf mich zubewegen.» Die Frage nach dem Warum lasse sie nicht los. «Warum sagen Sie denn nichts?», sagte sie zu dem Angeklagten im Gerichtssaal.

Der Amokfahrer war am 1. Dezember 2020 mit seinem Geländewagen fast einen Kilometer durch die Fußgängerzone gerast und hatte gezielt Menschen angefahren. Seit dem 19. August steht ein 52-Jähriger als mutmaßlicher Täter vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm fünffachen Mord und versuchten Mord in 18 weiteren Fällen vor. Zum Prozessauftakt hatte der Deutsche vor Gericht gesagt, er wolle keine Aussage machen.

Eine 64-Jährige, die vom Wagen des Amokfahrers erfasst wurde, sagte, sie bekomme heute noch Herzrasen, wenn an ihr als Fußgängerin ein Auto vorbeifahre. Sie haben Monate danach kein Auto fahren können, weil sie Panikattacken bekommen habe, wenn ihr Autos entgegenkamen. Sie war bei der Tat schwerst verletzt worden. An as schreckliche Ereignis könne sie sich nicht mehr erinnern. «Da ist eine Lücke.»

Der Amokfahrer sei mit hoher Geschwindigkeit in die Fußgängerzone eingebogen, berichtete ein 67-Jähriger. Er habe gesehen, wie eine Frau von dem Wagen erfasst und durch die Luft geschleudert worden sei. Dann sei das Fahrzeug in einem Meter Abstand an ihm vorbei gerauscht. «Und dann habe ich nur noch gehört «plopp», «plopp», «plopp», als Personen oder Gegenstände erfasst wurden.» Nach vorläufiger Einschätzung eines psychiatrischen Sachverständigen leidet der Angeklagte an einer Psychose.

Im Oktober war zudem ein 77-Jähriger gestorben, der bei der Tat schwer verletzt worden war. Ob die erlittenen Verletzungen todesursächlich waren, muss noch abschließend geklärt werden.

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5 KOMMENTARE

  1. Seit einem Jahr habe ich den Mordplatz Kornmarkt nicht mehr betreten, wo auch immer er sich diese furchtbare Tat abgeschaut hat, er ist ein grausamer Mensch, der eine hohe Strafe verdient, ich darf hier nicht schreiben, was ich schreiben möchte.

    • Es stimmt, er ist ein grausamer Mensch und war es auch schon vorher und ich hoffe selbst, dass er sich nie mehr in Freiheit aufhalten darf.

      Warum Sie allerdings den “Mordplatz Kornmarkt” nicht mehr betreten, ist mir schleierhaft, da hier (Gott sei Dank) der verhängnisvolle Fahrweg überhaupt nicht durchführte. Aber mit fehlerhaften und hetzerischen Informationen (im Deckmäntelchen von geheucheltem Interesse) kennen gerade Sie sich ja gut aus, wie andere Postings immer wieder zeigen.

      • @Erstversorger: wie wahr. Dieser Oma-Dödel ist einfach nur ein langweiliger Dummschwätzer, der sich den “Anstrich” von Seriösität und Intelligenz zu geben versucht.

  2. Meine Güte, wie lange will man denn da verhandeln? Die Beweislage ist doch recht eindeutig, das der Täter nicht ganz knusper ist, wohl auch klar – also ab nach Russland in ein Gulag ( in Deutschland sind Gefängnisse ja für manchen wie Belohnung). Meiner Meinung nach, hat der Täter sämtliche Rechte die für ihn positiv sein könnten verspielt. Harte Strafe und zwar schnell! Damit die Hinterbliebenen endlich zur Ruhe können kommen.

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