Dehoga für Modellregion: Ahrtal muss touristische Topregion werden

Die meisten Hotels und Gaststätten an der Ahr sind von der Sturzflut im Juli beschädigt oder gar zerstört worden. Ein Hotelverband blickt nach vorne: Das Rotweingebiet solle touristisch eine innovative Modellregion werden. Schnell dürfte dies nicht gehen.

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Foto: dpa

BAD NEUENAHR-AHRWEILER. Das von Hochwasser stark betroffene Ahrtal mit Hunderten beschädigten oder zerstörten Hotels und Gaststätten soll nach Ansicht ihres Verbandes eine touristische Topregion werden.

«An der Ahr muss die beste Touristendestination in Rheinland-Pfalz geschaffen werden», sagte der Präsident des Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga in dem Bundesland, Gereon Haumann, am Montag in Bad Neuenahr-Ahrweiler.

In dem beekannten Rotweingebiet gehe es um einen innovativen Aufbau von Hotels und Gaststätten mit erneuerbaren Energien und moderner Digitaltechnik, flankiert von E-Mobilität in der Umgebung. Das Ahrtal müsse eine Modellregion werden. Mit Blick auch auf die Lage vieler Touristikbetriebe direkt an dem malerischen Nebenfluss des Rheins forderte Haumann für die Zukunft den «weltbesten Hochwasserschutz». Hierzu beizutragen, sei die «verdammte Pflicht» des Staates, ergänzte der Verbandspräsident im teilzerstörten Vier-Sterne-Hotel Villa Aurora an dem Fluss.

Nach Angaben des Verbandes Ahrtal-Tourismus waren von den rund 600 touristischen Betrieben in dem engen Flusstal 75 bis 80 Prozent von der Flutkatastrophe am 14. und 15. Juli betroffen. Viele sind inzwischen entkernt worden und gleichen teils einem Rohbau. Laut dem Verband Ahrtal-Tourismus wollen rund zehn Prozent der Hotels und Gaststätten nicht wieder öffnen.

134 Menschen waren bei der Sturzflut nach extremem Starkregen getötet, Hunderte verletzt und Tausende Gebäude zerstört oder beschädigt worden. Die Hauptgeschäftsführerin des Dehoga-Bundesverbandes, Ingrid Hartges, sagte in Bad Neuenahr-Ahrweiler: «So schlimm habe ich mir das jetzt nicht vorgestellt.» Es sei eine Jahrhundertkatastrophe gewesen: «Fast jeder kennt hier jemanden, der in den Fluten ums Leben gekommen ist.»

Mit Blick auf die Politik und das Ahrtal ergänzte Hartges, es müsse Druck gemacht werden, «dass man nicht so lange von der Landkarte verschwunden ist» – der Tourismus sollte hier «schnell und gründlich» wieder angekurbelt werden. Haumann sagte, zudem hätten auch unbeschädigte Hotels in der Ahrregion und sogar in anderen Gebieten des Landes «bis in die Pfalz hinunter» nach der Wasserflut eine Flut von Stornierungen erlebt – wegen geografisch falscher Annahmen von Touristen.

Der Dehoga-Landeschef erläuterte, bislang hätten dankenswerterweise Tausende freiwilliger Helfer Hoteliers und Gastronomen im Ahrtal beim Entkernen ihrer Betriebe geholfen. Beim künftigen Wiederaufbau seien aber professionelle Firmen gefragt. Der bundesweite Fachkräfte- und Baustoffmangel mache diese neue Phase nicht einfacher.

Der Inhaber des Hotels Villa Aurora, Christian Lindner, sagte, sein Familienbetrieb in vierter Generation hoffe, bis Weihnachten 2022 wiedereröffnen zu können. Noch müssten in den historischen Gebäuden – drei verbundene Villen – lange die Bautrockner laufen, weil bei zu frühem Wiederaufbau Schimmel und damit erneute Entkernung drohten.

Auch Lindner betonte, wie wichtig künftig ein hervorragender Hochwasserschutz sei. Die Gäste dürften keine Angst bei Starkregen haben. Auch wenn Experten angesichts des Klimawandels mehr Überschwemmungen in Mittelgebirgen voraussagen, zeigte sich Lindner nicht allzu besorgt: Das vorletzte wirklich extreme Hochwasser im Ahrtal sei bereits 111 Jahre her.

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