Innenminister unter Druck: „Lage in der Katastrophennacht im Ahrtal war unübersichtlich“

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oger Lewentz (SPD), Innenminister von Rheinland-Pfalz. Foto: Andreas Arnold/dpa

MAINZ. Der wegen der tödlichen Sturzflut im Ahrtal unter Druck geratene rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz (SPD) hat die Katastrophennacht auf den 15. Juli als völlig unübersichtlich geschildert.

Die Orte und das Ausmaß der Zerstörungen seien erst am folgenden Morgen klar geworden, sagte der oberste Katastrophenschützer des Landes am Montag in Mainz.

Zwar sei Starkregen angekündigt worden – aber wo genau, sei vorerst unklar geblieben. «Das hat gedauert, bis das Lagebild einigermaßen vollständig war», erklärte Lewentz. Bei dem nächtlichen Hochwasser nach extremem Starkregen waren im Ahrtal 133 Menschen getötet worden. Der dortige Katastrophenalarm soll trotz deutlich früherer behördlicher Wetterwarnungen erst nach 23.00 Uhr ausgelöst worden sein. Viele Anwohner sollen im Schlaf überrascht worden sein.

Lewentz wiederholte, er habe am 14. Juli eine Landtagssitzung in Mainz verlassen, sei nach Bad Neuenahr-Ahrweiler gefahren und habe dort abends bei einem Besuch im Krisenstab den Eindruck gehabt, dass «ruhig und konzentriert gearbeitet» worden sei. Alle Plätze seien besetzt gewesen. Er habe sich nach Hause in sein privates Büro begeben und sei dort auch noch nach Mitternacht über die extreme Wetterlage informiert worden, sagte der Innenminister nun. Am Morgen des 15. Juli habe er sich «in aller Herrgottsfrühe» weitere Entwicklungen von der Einsatzleitung der Polizei berichten lassen.

Zunächst habe er von Hochwasser im Raum Mayen in der Osteifel gehört, das aber nicht ganz so gravierend gewesen sei. Die extremen Verwüstungen im Ahrtal inklusive der dortigen Zerstörungen der Kommunikationsnetze seien erst nach und nach bekannt geworden.

Details der Katastrophennacht werden von der Staatsanwalt Koblenz unter die Lupe genommen. Lewentz verwies auch auf die voneinander unabhängigen Ankündigungen der CDU- und AfD-Opposition im Landtag, bald einen Untersuchungsausschuss zu beantragen, um die Abläufe der Flutnacht zu klären und politische Verantwortlichkeiten zu prüfen.

Bei den staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen gegen den Landrat des Kreises Ahrweiler, Jürgen Pföhler (CDU), und ein weiteres Mitglied des Krisenstabes geht es um den Anfangsverdacht der fahrlässigen Tötung und fahrlässigen Körperverletzung durch Unterlassen am 14. Juli – und damit um die Frage, ob mit früheren Warnungen oder Evakuierungen Menschenleben hätten gerettet werden können.

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