Innenminister Lewentz fordert verpflichtende Elementarschadenversicherung

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Roger Lewentz (SPD), Innenminister von Rheinland-Pfalz. Foto: Andreas Arnold/dpa/Archivbild

MAINZ. Nach der Flutkatastrophe gibt es nach Einschätzung von Innenminister Lewentz kein Argument mehr gegen eine Elementarschadenversicherung für alle. In der aktuellen Krise zeige sich zudem der Wert der kommunalen Strukturen.

Der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz fordert nach der Flutkatastrophe die Einführung einer verpflichtenden Elementarschadenversicherung für alle Hausbesitzer. «Da muss es Klarheit für ganz Deutschland geben. Wir haben Starkregenereignisse von Bayern bis Norddeutschland», sagte der SPD-Landeschef der Deutschen Presse-Agentur in Mainz. «Es gibt für mich überhaupt kein Argument mehr gegen eine flächendeckende Einführung.» Lewentz lobte zudem das Engagement der Kommunen: «In dieser Krise zeigt sich der Wert der traditionellen kommunalen Strukturen in Rheinland-Pfalz.»

«Die Versicherungswirtschaft muss die finanziell tragfähigen Bedingungen einer solchen Solidarversicherung berechnen, damit aus den Beiträgen aller Hausbesitzer auftretende Schäden möglichst abgedeckt werden können», sagte Lewentz zur Elementarschadenversicherung. «Wir haben es nach vorläufigen Erhebungen mit einem Schadensbild von über 20 Milliarden Euro zu tun – das entspricht ungefähr dem gesamten Landeshaushalt von Rheinland-Pfalz», sagte Lewentz. «Die Bewältigung der Folgen ist eine riesige Solidaraufgabe, der wir uns alle zu stellen haben.»

«Ich bin sehr froh, dass wir in jedem Dorf eine eigene Verantwortlichkeit haben, dass wir beispielsweise in Dernau, Rech und Mayschoß, aber auch in den anderen Ortschaften, ehrenamtliche Ortsbürgermeister haben, die dann anpacken», sagte Lewentz, der selbst mehr als zehn Jahre Ortsbürgermeister in seiner Heimatgemeinde Kamp-Bornhofen am Mittelrhein war. Dorfgemeinschaft funktioniere auch nach einer solchen bedrückenden Erfahrung der Zerstörung und gebe auch im Chaos Orientierung. «Wir sehen das auch an Kirchen, die wieder im besten Sinne zum Mittelpunkt einer Gemeinde geworden sind, als Warenlager wie als Kommunikationszentrum.»

«Beim Wiederaufbau wollen wir dem Ahrtal weder etwas überstülpen noch es alleine lassen», betonte der Minister. «Der Aufbau muss in enger Abstimmung mit den Kommunalverantwortlichen erfolgen, diese dürfen nicht das Gefühl haben, dass über sie hinweg entschieden wird.»

Federführend für die Fragen der Wasserwirtschaft ist das Umweltministerium. Es werde Vorschläge für die Landesregierung zur Abstimmung mit den Kommunen erarbeiten, um den Wiederaufbau nach Hochwasserkriterien zu organisieren. «Viele haben Angst, wieder nah am Fluss aufzubauen. Aber es kann auch nicht sein, dass wir unsere Fluss- und Bachtäler entvölkern. Daher müssen frühzeitig Rückhaltebecken eingeplant werden, alles, was zur Hochwasservorsorge dazugehört», sagte Lewentz. «Dann kann das Ahrtal schließlich zu einer Modellregion werden für hochwasserangepasstes Bauen. So können die Dörfer wieder eine Zukunftsperspektive bekommen.»

Lewentz sagte, er sei fest davon überzeugt, dass diese Katastrophe im kollektiven Gedächtnis bleiben werde. «Es ist wichtig, dass wir die dabei gemachten positiven Erfahrungen wie die unglaublich große Solidarität annehmen und uns in welcher Form auch immer erhalten.» (dpa)

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