2018 gründeten Josef Fleischmann und zwei Mitgründer die Isar Aerospace, um den Zugang zur Raumfahrt günstiger zu machen. Anfang 2022 soll es endlich soweit sein.
Das Start-up Isar Aerospace aus München konnte sich kürzlich eine Finanzierung von 75 Mio. Euro dank des harten Einsatzes von COO Josef Fleischmann und seines Teams sichern. Verwendet werden soll das Geld für den Bau eines sogenannten Mikrolaunchers, einer kleinen Trägerrakete für den Transport von Kleinsatelliten, die in der Herstellung viel billiger ist als die Schwergewichte größerer Unternehmen. Isar Aerospace will die erhaltenen Mittel für Forschung, Entwicklung und Produktion seines Mikrolaunchers für Satelliten verwenden. Schon Anfang 2022 soll der erste Demonstrationsflug abheben.
Erster Kleinträger seiner Art
Das innovative Design des Mikrolaunchers von Isar Aerospace ist einzigartig und wird den Markt aufmischen. Wenn der geplante Start erfolgreich verläuft, wird Isar Aerospace das erste Raumfahrtunternehmen Europas sein, das eine Trägerrakete für Satelliten baut, die auf dem größeren globalen Satellitenmarkt konkurrenzfähig ist.
Investoren der Start-up-Finanzierung
Start-ups auf der Suche nach Investoren für ihre Geschäftsideen erobern momentan die Luft- und Raumfahrtindustrie Europas. Gründer ihrer eigenen Luftfahrtunternehmen sind schon dafür bekannt geworden, dass sie Jobangebote von Großkonzernen ablehnen zugunsten einer Finanzierungsrunde für ein kleines Start-up. Bei der Isar Aerospace war es genauso: Josef Fleischmann, Daniel Metzler und Markus Brandl gründeten ihr eigenes Unternehmen in München.
Neben verschiedenen Auszeichnungen, die das junge Start-up schon erhalten hat, konnte Isar Aerospace sich in einer einzigen Finanzierungsrunde Kapital in Millionenhöhe sichern. Davon können andere Unternehmen in der europäischen Raumfahrttechnologie nur träumen. Die von Lakestar angeführte Serie-B-Finanzierungsrunde erhielt auch Mittel von folgenden Personen und Organisationen:
– Airbus Ventures
– Ann-Kristin und Paul Achleitner
– Aperion, geleitet von Christian Angermeyer
– Bülent Allen, der ehemalige Vizepräsident von SpaceX
– Earlybird
– HV-Kapital
– Vsquared Ventures
Isar Aerospace erhielt schon im Dezember 2019 ein Millionen-Investment. Die Investoren Earlybird und Vsquared Ventures waren für diese Runde verantwortlich, die 15 Mio. Euro einbrachte. Die jüngste Serie-B-Investitionsrunde in Höhe von 75 Mio. Euro begann am 9. Dezember 2020.
Erhöhte Nachfrage nach Satellitentechnik
Die Unternehmen der Industrieländer wünschen sich Satellitentechnologie, die nichts mit der Weltraumforschung zu tun hat. Während noch vor einer Generation die Nachfrage nach Satelliten lediglich von Telekommunikationsunternehmen und Regierungsorganisationen ausging, benötigen jetzt zahlreiche Branchen jene Art von Daten, die nur im Weltraum möglich ist, wie etwa:
– die Agrarwirtschaft
– das Globale Positionsbestimmungssystem (GPS) und andere Kartierungssysteme
– Internetfirmen
– Medienunternehmen
Raumfahrtunternehmen sind in den Markt eingestiegen, um die steigende Nachfrage nach High-Speed Datenzugriff zu befriedigen. Isar hat sich in diesem Bereich als besonders nützlich erwiesen, da bestehende Angebote nicht ausreichten, um den Bedarf zu decken. Trägerraketen sind normalerweise sehr groß und starten zu selten, was keine wirklich praktische Lösung für diese Art von Unternehmen darstellt. Bei großen Trägern besteht immer das Risiko, dass der Start aufgrund von Wetterbedingungen oder technischen Störungen nicht wie geplant erfolgt.
SpaceX war das erste Unternehmen, das sich diesem Nachfrageschub stellte und mehr Raketen baute. Die Kosten für die Herstellung einer einzigen Rakete können unerschwinglich teuer sein, ganz zu schweigen von den zusätzlich benötigten Startrampen. Isar Aerospace hat eine andere Lösung in Form einer kleineren und kostengünstigeren Rakete und einer anderen Art von Startrampe entwickelt. Das Unternehmen freut sich über die Unterstützung von SpaceX. Einige ehemaligen Führungskräfte haben sogar zur Gründungsfinanzierung beigetragen.
Niedrigere Kosten ermöglichen mehr Satellitenstarts
Isar hofft, dass der von ihnen angebotene niedrigerer Preispunkt im Vergleich zu SpaceX und ähnlichen Unternehmen es mehr Kunden ermöglicht, sich Satellitenstarts zu reservieren. Das Ziel des Unternehmens ist es, für seine Kunden eine Nutzlast von mindestens 1.000 Kilogramm zu befördern. Was die von Isar Aerospace gebauten Raketen einzigartig macht, ist, dass für deren Triebwerke ein viel leichterer Flüssigtreibstoff eingesetzt wird als bei herkömmlichen Mikro-Raketen.
Mitgründer Daniel Metzler zufolge wird ein Preispunkt von 10.000 US-Dollar pro Kilogramm Nutzlast angestrebt. Eine erhebliche Ersparnis, wenn man bedenkt, dass andere Raumfahrtunternehmen für den Start größerer Raketen 30.000 bis 40.000 US-Dollar verlangen. Obwohl der erste Start erst in einem Jahr stattfindet, hat Isar Aerospace bereits vorläufige Zusagen für Starts von mehr als 500 Millionen US-Dollar gebucht, sobald das Unternehmen startbereit ist.
Isar sucht bereits nach Möglichkeiten, die vielen Aufträge vor dem Start im kommenden Jahr abzuarbeiten. Die Geschäftsleitung ist sich bewusst, dass es Kunden gibt, die jede Woche ins All wollen, und dass das Timing dafür andere Herausforderungen mit sich bringt als die Planung von Starts mehrere Jahre im Voraus. Das Unternehmen nimmt sich auch des Themas Nachhaltigkeit an. Kehrt eine Rakete nicht zur Erde zurück, um von einem anderen Kunden genutzt zu werden, wird sie aufgrund der Konstruktion in der Atmosphäre zerbrechen und verbrennen. Das Design des Mikrolaunchers stellt sicher, dass keine Spur davon in der Erdatmosphäre verbleibt
Über Isar Aerospace
Raketenbauer Isar Aerospace entwickelt fortgeschrittene Lösungen für Satellitenlaunchs mit einem Betriebsbudget von 20,5 Mio. US-Dollar. Die drei Mitgründer planen, zum Jahresende die jetzige Mitarbeiterzahl von 13 auf 17 zu erhöhen.
Die auf Raumfahrttechnologie gerichtete Vision des Unternehmens ist simpel: Einen nachhaltigen und erschwinglichen Zugang zum Weltraum für Satellitenkonstellationen zu bieten. Neben den drei Gründern kann Isar Aerospace auf ein engagiertes Team von Beratern zurückgreifen. Dazu gehören:
– Bülent Altan, Vice President of Avionics, Guidance, Navigation, and Control bei SpaceX; Vice President of Digital Transformation and Innovation bei Airbus Defence and Space; und Vorstandsmitglied bei Mynaric
– Clemens Kaiser, Leiter Programmentwicklung bei EUMESTAT, Geschäftsführer und COO bei Kayser-Threde sowie CTO bei KLEO Connect
– Lin Kayser, Technischer Direktor bei Abode und CEO bei Hyperganic
– Robert Schumaker, Leiter Entwicklung bei Bayern-Chemie und Professor für Raumfahrttechnik an der Technischen Universität München
Das von Isar Aerospace entwickelte Hauptprodukt sind Antriebssysteme, die in Mikrolaunchern eingesetzt werden. Isar verwendet ein Kohlenwasserstoff-Gemisch mit flüssigem Sauerstoff und Kerosin als Treibstoff für seine Raketen. Das Treibstoffgemisch ist eine Verbesserung gegenüber dem konventionellen Hydrazin, mit dem Raketen üblicherweise von einer Startrampe abheben. Unglücklicherweise ist Hydrazin ein gefährliches Umweltgift.
Isar Aerospace schafft es auf die Business-Insider-Liste der 20 vielversprechenden Start-ups
Earlybird Partner Hendrik Brandis war einer von zwei Risikokapitalgebern, die Isar Aerospace für die diesjährige von „Business Insider“ veröffentlichte Watchlist 2021 nominierte. Der andere Risikokapitalgeber war Klaus Hommels von Lakestar. Brandis drückte seine Begeisterung so aus: “Ein erster erfolgreicher Start wäre ein Paukenschlag für die Europäische Raumfahrt und würde nicht nur das spannende Marktsegment des nahen Erdorbits für kommerzielle Zwecke erschließen, sondern Europa auch größere Unabhängigkeit im Zugang zu zukünftigen Infrastruktur Technologien und Anwendungen ermöglichen.”
Hommels entschied sich, das Projekt zu unterstützen und zu nominieren, weil er in den drei Gründern großes Potenzial sieht. Er ist von ihrer Software und den Hardware Engineering-Techniken beeindruckt, die es Isar erlaubt, seine Produkte schneller und billiger zu entwickeln als die etablierten Raumfahrtunternehmen. Hommels begrüßt es, dass Isar in Europa produziert und seine Mitarbeiter in Europa rekrutiert.
Über Josef Fleischmann
Josef Fleischmann und seine Mitgründer Markus Brandl und Daniel Metzler haben alle ein Ingenieurstudium an der Technischen Universität München Maschinenbau absolviert. Das Trio lernte sich bereits im Studium kennen, wo die Idee für das Unternehmen entstand. Josef Fleischmann war damals Teil des TUM-Teams, das am Siegerfahrzeug für den jährlich in den USA stattfindenden „Hyperloop-Pod“-Wettbewerb mitbaute.
Aufgrund seines Engagements bei Hyperloop wurden Luft- und Raumfahrtunternehmen in den USA und in Deutschland auf Josef Fleischmann aufmerksam. Er und seine Teamkollegen gewannen im Juli 2018 zum dritten Mal in Folge den Hyperloop-Pod Wettbewerb. Das Rennen fand in Los Angeles statt, wo Fleischmanns Fahrzeug den Sieg mit einer Geschwindigkeit von 463 km/h für sich entscheiden konnte. Obwohl insgesamt 18 Teams antraten, konnte keines mit der Agilität und Geschwindigkeit des Fleischmann-Teams mithalten. Das zweitplatzierte Team erreichte nur die Hälfte dessen, was die TUM-Ingenieure schafften.
Josef Fleischmann erhielt noch während der Teilnahme am Hyperloop-Wettbewerb in den USA ein Jobangebot von einem renommierten Unternehmen aus der Luft- und Raumfahrtindustrie. Er lehnte es jedoch ab und entschied sich, nach Deutschland zurückzukehren. Kurz danach begannen Fleischmann, Brandl und Metzler die Gründung ihres eigenen Unternehmens, Isar Aerospace, in die Wege zu leiten.
Josef Fleischmann und sein Team nahmen ein von Elon Musk signiertes 3D-Modell der Röhre mit einer angehängten Kapsel entgegen. Außerdem wurden sie mit dem Innovationspreis für das Design ihres schnellen Pods sowie eines zweiten Pods ausgezeichnet. Mit diesem demonstrierte das Team am Tag vor dem Rennen ein selbst entwickeltes Schwebesystem.
Fleischmann machte 2015 seinen Abschluss als Diplom-Ingenieur an der Technischen Universität München. Seit August 2017 ist er als COO und Mitgründer bei Isar Aerospace tätig, das Anfang 2018 an die Börse ging.





















