Parlament untersucht Missbrauchsskandal in Klinik

Schock und Entsetzen - das war die erste Reaktion auf den Missbrauchsskandal in der Uniklinik des Saarlandes. Nun wollen Parlamentarier klären, was alles schiefgelaufen ist. Und warum.

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SAARBRÜCKEN. Nach einem Missbrauchsskandal im saarländischen Universitätsklinikum Homburg hat das Landesparlament einen Untersuchungsausschuss eingesetzt. Der Ausschuss soll nach einstimmigem Beschluss vom Mittwoch untersuchen, wie die zuständigen Stellen mit Verdachtsmomenten und Anhaltspunkten für Missbrauch umgegangen sind.

Abgeordnete aller Fraktionen zeigten sich entsetzt über den Kindesmissbrauch – aber auch darüber, dass die Eltern der Opfer nicht informiert und auch die Öffentlichkeit zu lange nicht unterrichtet worden sei. «Es liegt jetzt in unserer Verantwortung, für größtmögliche Transparenz zu sorgen», sagte die SPD-Abgeordnete Martina Holzner. Nach ersten Informationen über die Vorgänge fasste sie die Reaktion der Abgeordneten zusammen: «Wir waren sprach- und fassungslos.» Ihre Kollegin Jutta Schmitt-Lang (CDU) sagte: «So etwas darf sich nie wiederholen.»

Ende Juni war bekannt geworden, dass ein inzwischen gestorbener Assistenzarzt der Kinder- und Jugendpsychiatrie von 2010 bis 2014 mehrere Kinder sexuell missbraucht haben soll. Der Untersuchungsausschuss soll auch klären, warum die Klinikleitung die Eltern nicht informierte, nachdem sie den Arzt entlassen hatte.

«Es gibt eine solche Dichte von Fehlentscheidungen, dass man sich nur wundern kann», sagte der Fraktionsvorsitzende der Linken, Oskar Lafontaine. Es sei «erstaunlich», dass die Jugendämter nach Bekanntwerden erster Verdachtsmomente nicht tätig geworden seien. Er könne nicht verstehen, warum nicht der Gesundheitsminister informiert worden sei: «Das ist kein Routinefall.» Zu klären sei auch, wann der Aufsichtsrat des Klinikums informiert worden sei, dessen Vorsitzender der Chef der Staatskanzlei sei.

Warum nicht wenigstens die Staatsanwaltschaft die Eltern informiert habe, nachdem sie Ermittlungen begonnen hatte, könne er ebenso wenig verstehen wie die Tatsache, dass das Verfahren nach dem Tod des Arztes eingestellt worden sei, fügte er hinzu. Und schließlich habe auch das Klinikum die Öffentlichkeit erst informiert, nachdem das APD-Fernsehmagazin «Monitor» mit Recherchen begonnen habe. «Das ist kein Ablauf, mit dem wir zufrieden sein können», sagte Lafontaine

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