Trier: „Rollatorführerschein“ – Seniorinnen und Senioren erobern den Linienbus zurück

0
Foto: SWT

TRIER – Den Rollator sicher beherrschen, in den Bus einsteigen, einen freien Platz finden, entspannt mitfahren und wieder aussteigen – klingt einfach, ist für viele ältere Menschen mit Mobilitätseinschränkungen aber eine echte Hürde.

Genau hier setzt ein gemeinsames Rollatortraining an, das das Seniorenteam „Die flotten Älteren“ rund um Gundula Braun gemeinsam mit den Verkehrsbetrieben der Stadtwerke Trier (SWT) im Pfarrzentrum St. Matthias durchgeführt hat.

Mit großem Erfolg: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben nicht nur ihren „Rollatorführerschein“ erworben – sie haben auch direkt am und im Linienbus trainiert. Dabei haben sie spürbar an Sicherheit gewonnen und ein Stück Mobilität zurückgewonnen. „Wir freuen uns sehr, dass wir mit diesem Training einen konkreten Beitrag leisten konnten. Barrierefreiheit bedeutet für uns nicht nur, dass unsere Busse technisch zugänglich sind – sondern auch, dass sich Menschen mit Mobilitätseinschränkungen sicher und willkommen fühlen. Genau dafür bilden wir unsere Fahrerinnen und Fahrer im Umgang mit mobilitätseingeschränkten Fahrgästen aus und schulen sie darin, Hilfestellung zu leisten“, erklärt Daniel Walther, Abteilungsleiter Fahrbetrieb bei den SWT.

Foto: SWT

Im praktischen Teil des Trainings stand ein neuer SWT-Elektrobus im Mittelpunkt. Die Teilnehmenden übten in Kleingruppen, wie man mit dem Rollator sicher einsteigt, sich einen Platz sucht, während der Fahrt entspannt und sicher sitzt und am Ziel wieder stressfrei aussteigt. Dabei standen das Seniorenteam und Reinhold Mergen aus der SWT-Fahrdienstbetreuung und Lars Pesch, ausgebildete Fachkraft im Fahrbetrieb bei den SWT, ihnen mit Rat und Tat zur Seite. Die wertvollen Tipps konnten sofort ausprobiert und so lange geübt werden, bis sie sich ganz selbstverständlich anfühlten. Für viele der Anwesenden war es eine ganz besondere Erfahrung: Einige sind seit Jahren nicht mehr mit dem Bus gefahren – aus Angst vor einem Sturz oder davor, von den automatisch schließenden Türen eingeklemmt zu werden. Das Training ist diesen Ängsten konkret und praktisch begegnet. „Es war wieder sehr bewegend zu sehen, wie die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nach dem Training mit einem völlig anderen Gefühl in den Bus gestiegen sind als vorher. Diese neu gewonnene Sicherheit bedeutet für viele von ihnen echte Freiheit und Selbstständigkeit im Alltag – das ist unbezahlbar“, erläutert Trainerin Gundula Braun vom Seniorentreff.

Auch Fahrdienstbetreuer Reinhold Mergen sparte erneut nicht mit Praxistipps. Er gibt ein einfaches Beispiel: „Wenn Sie sich beim Aussteigen unsicher fühlen oder Sie Angst haben, drücken Sie einfach auf die Haltewunsch-Taste mit dem Rollstuhl- oder Kinderwagen-Symbol. Die Türen schließen dann nicht automatisch, sondern die Kollegin oder der Kollege am Steuer schaut im Spiegel, ob Sie sicher ausgestiegen sind. Erst dann werden die Türen manuell geschlossen und der Bus fährt los.“

Das Training macht deutlich, wie wichtig niedrigschwellige Angebote sind, die älteren und mobilitätseingeschränkten Menschen den Zugang zum öffentlichen Nahverkehr und dessen Nutzung erleichtern. Wer mobil bleibt, bleibt unabhängig und kann am gesellschaftlichen Leben teilhaben. Die SWT-Verkehrsbetriebe und Gundula Braun planen, das Angebot fortzuführen und weiteren Interessierten zugänglich zu machen. Wer am nächsten Rollatortraining teilnehmen möchte, kann sich bei Frau Braun per E-Mail an [email protected] oder telefonisch unter 0170 6875759 informieren.

Ausführliche Tipps für mobilitätseingeschränkte Fahrgäste und Informationen zur Barrierefreiheit haben die Stadtwerke Trier auf ihrer Internetseite zusammengefasst: https://www.swt.de/seite/tipps-und-tricks-fur-fahrgaste-und-informationen-zur-barrierefreiheit

Auch das Team im SWT Stadtbus-Center an der Trevirispassage hilft gerne mit Ratschlägen weiter: persönlich von montags bis freitags zwischen 9 und 17 Uhr oder telefonisch unter 0651 717-273.

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Die Redaktion behält sich vor, Lesermeinungen zu kürzen. Es besteht kein Anspruch auf die Veröffentlichung Ihrer zugesandten Meinungen. Klarname ist nicht erforderlich. Eine E-Mail-Adresse muss angegeben werden, wird aber nicht veröffentlicht.