Corona und Krieg: Wenige Feiernde an Weiberfastnacht auf den Straßen unterwegs

Am Donnerstag vor Rosenmontag ist normalerweise närrisches Treiben auf den Straßen zu beobachten. In diesem Jahr verhindert das nicht nur Corona. Auch die zugespitzte Lage in der Ukraine macht sich am Altweiberdonnerstag in den Fastnachtshochburgen von Rheinland-Pfalz und dem Saarland bemerkbar.

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Foto: dpa

MAINZ/SAARBRÜCKEN/GENSINGEN/MÜLHEIM-KÄRLICH. In den Hochburgen der Weiberfastnacht in Rheinland-Pfalz und im Saarland ist es das zweite Jahr in Folge ungewöhnlich ruhig geblieben.

Mit wilden Straßenfesten und Stürmen auf Rathäuser hielten sich die Närrinnen am Altweiberdonnerstag aber nicht nur coronabedingt stark zurück – auch der russische Angriff auf die Ukraine dämpfte die Stimmung spürbar. So berichtete das Polizeipräsidium in Mainz am Nachmittag von einer ruhigen Lage. Am Mainzer Schillerplatz, wo sonst ab 11 Uhr 11 die große Party steigt, hätten sich 50 bis 80 Närrinnen und Narren in kleinen Grüppchen versammelt. Auch die verstärkten Kontrollen durch Polizeistreifen an den traditionellen Hotspots in der Landeshauptstadt verliefen demnach friedlich.

In der Wilde-Weiber-Hochburg Mühlheim-Kärlich bei Koblenz hat man die närrischen Aktionen coronabedingt ins Internet verlegt. In der Stadt residiert der nach eigenen Angaben «größte Möhnenverein Deutschlands». Hier saßen Vereinsmitglieder und Aktive am Altweiberdonnerstag in der Kurfürstenhalle bei Prosecco und Berlinern zusammen und schauten sich eine voraufgezeichnete Fastnachtssitzung an, die am Karnevalssamstag für alle Narren-Begeisterte per Live-Stream zu sehen sein soll. Die Vorsitzende des Vereins mit rund 800 weiblichen Mitgliedern, Kornelia Punstein, sagte angesichts der angespannten Lage in Europa: «Wir machen das heute trotzdem, wir haben wegen Corona schon auf so viel verzichten müssen und schon alles eingekauft. Wir schmeißen hier ja keine Riesenparty.»

Der symbolische Rathaussturm in Saarbrücken hätte am Altweiberdonnerstag unter Corona-Bedingungen stattfinden sollen. Angesichts der Eskalation in der Ukraine entschieden sich die Verantwortlichen der Saarbrücker Fastnachtsvereine und die Landeshauptstadt aber gegen die traditionelle Besetzung des Rathauses durch die Narren. «Ein Krieg mitten in Europa. Wir fühlen mit den Menschen in der Ukraine und können heute nicht Frohsinn walten lassen», erklärte Saarbrückens Oberbürgermeister Uwe Conradt am Donnerstag (CDU).

Der Nachrichten aus der Ukraine brachten auch die Veranstalter der geplanten Open-Air-Fastnacht in der Nahetal-Arena in Gensingen im Landkreis Mainz-Bingen dazu, das Narren-Fest am kommenden Sonntag abzusagen. «Wir haben auch eine Verantwortung für das Ansehen der Meenzer Fassenacht. In der aktuellen Lage wird niemand verstehen, wenn wir einfach weitermachen und Fastnachtslieder durch die Arena singen, wenn in Europa gerade kriegerische Handlungen durchgeführt werden», sagte Organisator Jeremy Frei am Donnerstag.

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