Gedenken an den 8. Mai 1945: Zeitzeugengespräche machen NS-Verbrechen greifbar

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Gebäude des Konzentrationslagers Theresienstadt. Foto: dpa

BERLIN/MAINZ. Anlässlich des Gedenkens an den 8. Mai 1945, dem Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus, haben die Landesvertretung Rheinland-Pfalz sowie die Stiftung „Denkmal für die ermordeten Juden Europas“ am 30. April 2026 zu einem Zeitzeugengespräch mit der Holocaust-Überlebenden Ingeburg Geißler in die Landesvertretung in Berlin eingeladen.

Die Bevollmächtigte des Landes Rheinland-Pfalz beim Bund und für Europa und Medien, Staatssekretärin Heike Raab, betonte die besondere Bedeutung des persönlichen Erinnerns: „Die Begegnung mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen ist von unschätzbarem Wert. Sie macht Geschichte greifbar und erinnert uns eindringlich an die Verantwortung, die wir heute für Demokratie, Menschlichkeit und ein friedliches Miteinander tragen.

Im Gespräch mit Uwe Neumärker, Direktor der Stiftung Denkmal für die ermorderdeten Juden Europas, berichtete Ingeburg Geißler eindrucksvoll von ihrer Kindheit im Nationalsozialismus, der Ausgrenzung und Verfolgung sowie ihrer Deportation im Alter von zwölf Jahren nach Theresienstadt. „Ich habe in diesem Zug meinen Glauben an Gott verloren. Da wurde ich sozusagen Atheistin“, schilderte sie ihre Erfahrungen. Ebenso sprach sie über ihre Befreiung am 8. Mai 1945 und ihren weiteren Lebensweg in der DDR, der von Neuanfang und dem Versuch geprägt war, trotz erlittener Traumata ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

Hintergrund

Ingeburg Geißler wurde 1932 als einziges Kind eines jüdischen Vaters und einer christlichen Mutter in Erfurt geboren. Im Juni 1933 wanderte die Familie nach Palästina aus, kehrte jedoch einige Monate später nach Deutschland zurück. Um Mutter und Kind vor Zwangsmaßnahmen der nationalsozialistischen Machthaber zu schützen, ließen sich die Eltern scheiden. 1938 wanderte der Vater nach Schanghai aus. Ingeburg lebte bei ihrer Tante in Marbach, einem Ortsteil von Erfurt. Noch im Januar 1945 wurde das Mädchen, ohne weitere Angehörige, nach Theresienstadt deportiert und erst im Mai befreit. Nach der Rückkehr in ihre Heimatstadt Erfurt machte sie trotz der verpassten Schuljahre mit Hilfe ihrer Mutter das Abitur, studierte später und zog nach Berlin. Ihren Vater, der inzwischen in den USA lebte, sah sie erst 1959 wieder. Als Zeitzeugin setzt sie sich insbesondere in der Arbeit mit Schülerinnen und Schülern für eine aktive Erinnerungskultur ein. (Quelle: Staatskanzlei Rheinland-Pfalz)

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