BIRRESBORN. Während in Mainz über Machtwechsel und neue Mehrheiten gesprochen wird, ist die Stimmung in einem kleinen Eifelort schon jetzt ziemlich eindeutig: Birresborn freut sich über Gordon Schnieder. Der wohl künftige CDU-Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz kommt aus der Ortsgemeinde an der Kyll – und dort wird sein Wahlerfolg mit Stolz, Hoffnung und einer guten Portion Eifel-Humor aufgenommen. Oder wie es augenzwinkernd heißt: „Wir sind Ministerpräsident.“
Ein kleiner Eifelort plötzlich ganz groß im Fokus
Birresborn hat rund 1.100 Einwohner und liegt in der Vulkaneifel. Vielen außerhalb der Region dürfte der Ort bislang kaum ein Begriff gewesen sein. Doch das könnte sich jetzt ändern. Denn Gordon Schnieder, der wohl nächste Regierungschef in Rheinland-Pfalz, kommt genau von hier.
Im Ort kennt man die Familie Schnieder seit Jahren. Viele freuen sich nicht nur über den politischen Aufstieg von Gordon Schnieder, sondern auch über die Rolle seines Bruders Patrick, der Bundesverkehrsminister ist.
Stolz auf den wohl künftigen Ministerpräsidenten
Im „Café Blasius“, das in der Region für Brot und Torten bekannt ist, ist Gordon Schnieder kein Unbekannter. Verkäuferin Mäggi sagt, er kaufe dort auch schon mal ein, wenn er im Ort sei. Zu seinem Wahlsieg sagt sie schlicht: „Ich habe mich für ihn gefreut.“
Foto: Harald Tittel/dpa
Auch andernorts im Dorf ist der Stolz deutlich zu spüren. Sigrid Monix sagt: „Natürlich bin ich stolz, ich bin hier geboren.“ Zugleich verbindet sie mit Schnieders Aufstieg auch Hoffnung für den Ort und verweist darauf, dass es früher einmal fünf Lebensmittelgeschäfte in Birresborn gab.
Hoffnung auf neue Impulse für die Eifel
Dass ein Mann aus Birresborn bald an der Spitze des Landes stehen könnte, weckt im Ort auch Erwartungen. Frank Heinen, ein alter Schulkamerad von Patrick Schnieder, hofft, dass die Brüder etwas bewirken können.
Viele Wünsche klingen dabei ziemlich bodenständig: mehr Geschäfte, bessere Verkehrsanbindung und insgesamt mehr Aufmerksamkeit für die Eifel.
Ortsbürgermeisterin sieht Birresborn gut aufgestellt
Ortsbürgermeisterin Christiane Stahl beschreibt die Infrastruktur des Ortes als insgesamt gut. Sie zählt auf: Grundschule, Kita, Bahnhof, eine praktische Ärztin, Physiotherapie, Gaststätte „Krone“, Tattoo-Studio und ein Geschenke- und Dekolädchen mit SB-Service.
Foto: Harald Tittel/dpa
Dazu kommen Pizza, Döner und Schnitzel bei „Khaled’s“, außerdem Handwerksbetriebe wie Autowerkstätten, Elektriker, Weißbinder, Sägewerk und Schreiner.
Ein Zahnarzt fehlt allerdings seit Ende vergangenen Jahres, weil keine Nachfolge gefunden wurde.
Stahl fasst die Situation so zusammen: „Im Vergleich zu anderen auch größeren Dörfern ist hier richtig was los.“
BMX, Fliegenfischen und Eishöhlen
Birresborn hat neben seiner Lage in der Eifel auch touristisch einiges zu bieten. Eine besondere Rolle spielen die Eishöhlen, einst Abbaustätte für Mühlsteine aus Basalt und im Sommer besonders kühl. Im Zweiten Weltkrieg hätten Menschen dort Schutz gefunden.
Hinzu kommen mehr als 100 Betten in Ferienwohnungen und im Gasthof „Krone“. Auch das Fliegenfischen an der Kyll lockt Besucher an. Vier Niederländer aus der Nähe von Rotterdam waren an diesem Vormittag genau deshalb im Ort.
Eine weitere Besonderheit ist der Fahrradladen mit Schwerpunkt auf BMX Freestyle. Die deutsche Meisterschaft soll Ende Juli/Anfang August in Birresborn ausgetragen werden.
Mehr Busse, bessere Bahn, Lückenschluss der A1
Was sich viele Menschen in Birresborn dennoch wünschen, ist eine bessere Mobilität. Genannt werden vor allem der Lückenschluss der Autobahn 1, mehr Busse und häufigere Zugverbindungen nach Köln.
Gabi Wirtz, die als Verkäuferin in einem anderen Ort arbeitet, bringt es auf den Punkt: „Ohne Auto ist es hier schlecht.“ Sie wünscht sich außerdem die von der CDU versprochene Abschaffung der Straßenausbaubeiträge. Gordon Schnieder beschreibt sie als „sympathisch, bodenständig und offen“.
„Ein Strahlemann“ – und einer, der an die Eifel denken soll
Auch im Gasthof „Krone“ ist die Freude groß. Inhaberin Simone Göres sagt über Schnieder: „Es ist super, was die ganze Familie leistet, auch der Patrick.“ Gordon Schnieder sei „so bodenständig“ und „ein Strahlemann“.
Sie hofft, dass der neue Ministerpräsident bei seiner Politik auch an die Eifel denkt. Gleichzeitig macht sie klar: „Er kann nicht die Welt drehen.“
Der erstaunliche Wahlzettel aus der „Krone“
Eine fast schon legendäre Geschichte aus Birresborn dreht sich um den Wahlsonntag selbst. Beim Mittagessen in der „Krone“ soll Gordon Schnieder das Wahlergebnis nahezu exakt vorausgesagt haben: 31 Prozent für die CDU, 26 Prozent für die SPD.
Foto: Harald Tittel/dpa
Diese Prognose wurde auf einem Zettel notiert, in einen Briefumschlag gesteckt und durfte erst um 20 Uhr geöffnet werden. Am Ende lag das tatsächliche Ergebnis bei 31,0 Prozent für die CDU und 25,9 Prozent für die SPD.
Der Zettel soll nun Teil einer Collage werden.
„Wenn jetzt hierher gepilgert wird, nehmen wir Eintritt am Ortsschild“
Für Birresborn ist der politische Aufstieg Schnieders auch emotional etwas Besonderes. Ortsbürgermeisterin Stahl spricht von einer Ehre. Sie war seine erste Beigeordnete, als Schnieder von 2014 bis 2019 Ortsbürgermeister war.
Eine ehemalige Nachbarin der Familie sagt über ihn: „Er ist, wie er im Fernsehen war.“ Er sei ein offener, bodenständiger Familienmensch vom Land. Und mit Blick auf den möglichen Besucheransturm fügt sie scherzhaft hinzu: „Wenn jetzt hierher gepilgert wird, nehmen wir Eintritt am Ortsschild.“
(Quelle: dpa)














