MALBORN. Der Autor Enrico Gröbel, der im Hunsrück lebt, hat ein ehrenamtliches Projekt initiiert, das es Menschen ermöglichen soll, Gedanken, Erinnerungen und persönliche Worte zu bewahren und einem Empfänger per Brief zu einem späteren Zeitpunkt zukommen zu lassen. Es richtet sich v. a. an ältere oder schwer kranke Menschen und heißt „Brief in die Zukunft“. Weitere Mitstreiter sind hochwillkommen.
Von Alexander Scheidweiler
Enrico Gröbel ist den Leserinnen und Lesern von lokalo.de als Autor eines märchenhaften und phantasievollen Podcasts für Kinder um einen Jungen aus einer fernen Welt bekannt, der den Titel „Irifibi und seine Abenteuer“ trägt. Später veröffentlichte Gröbel, der bereits deutschlandweit bei Poetry Slams und „Kunst gegen Bares“ aufgetreten ist, ein auf dem Podcast basierendes Kinderbuch über Irifibi, das den Untertitel „Wie alles begann“ trägt.
Trost, Trauer, Dank bewahren und weitergeben
Nun hat der umtriebige Autor aus Malborn im Hunsrück ein völlig anderes, ehrenamtliches Projekt initiiert: Es heißt „Brief in die Zukunft“ und soll es Menschen ermöglichen, „persönliche Briefe an einen zukünftigen Zeitpunkt zu verfassen“, so heißt es auf der zugehörigen Internetseite www.briefindiezukunft.com. Inhalt könnten „Erinnerungen …, Gedanken, Hoffnungen, Dankbarkeit oder auch Abschiedsworte“ sein. Das Projekt werde die Briefe „vertraulich, respektvoll und würdevoll“ aufbewahren und dem gewünschten Empfänger „dann übergeben, wenn der zuvor festgelegte Zeitpunkt erreicht ist.“
Der Gedanke, dieses ehrenamtliche Projekt zu initiieren, hat auch persönliche Hintergründe, wie Gröbel erläutert: Die Mutter einer Freundin von Gröbels Tochter verstarb an Krebs, als die Jugendliche 16 Jahre alt war. Der tragische Todesfall wurde für Gröbel zum Denkanstoß: Wenn es die Möglichkeit gegeben hätte, einen vertraulichen „Brief in die Zukunft“ zu verfassen, hätte die Mutter der Tochter postum, etwa zum 18. Geburtstag, noch Gedanken mitteilen können, vielleicht einfach nur, wie stolz sie auf ihre Tochter war. „So ist die Idee entstanden, dass man sich um Menschen bemüht, z. B. schwer kranke oder ältere Menschen, die noch etwas sagen möchten, sei es Trost, Trauer, Dank oder irgendwelche Dinge, die aus bestimmten Gründen ungesagt geblieben sind, die man aber trotzdem noch mitteilen möchte“, so Gröbel.
Auf der Internetseite finden Interessierte eine einfache Anleitung in vier Schritten. Der Briefschreiber druckt die dort herunterladbare Versandvereinbarung aus und legt diese zusammen mit seinem verschlossenen „Brief in die Zukunft“ in einen weiteren Umschlag, den er dann an Gröbel schickt. Dort wird der Originalbrief in einen edlen Umschlag verpackt, mit dem „Brief in die Zukunft“-Siegel versehen, sicher verwahrt und zum gewünschten Zeitpunkt an den angegebenen Empfänger verschickt. „Ich bin sozusagen ein Zwischenpostamt“, sagt Enrico Gröbel.
Weitere Engangierte willkommen
Für sein Projekt sucht Gröbel weitere Mitstreiter, „eine Handvoll“ sei schon zusammengekommen. Wer ehrenamtlich mithelfen möchte, kann sich ebenfalls über die Internetseite melden. Zudem freut Gröbel sich über die Unterstützung der Verbandsgemeinde Thalfang sowie der Gemeinschaftspraxis Dr. Monika Parth & Dr. Karin Gutmann-Feisthauer in Trier-Ehrang. „Das macht einen natürlich glücklich, wenn man Leute findet, die sagen: ‚Ich finde das gut. Ich will das unterstützen’“, meint Gröbel. Die Anfragen, die er bereits über seine Seite erhalten habe, zeigten, dass es einen Bedarf gebe.
Seniorenheime, Hospize, Palliativstationen seien nahliegende Kooperationspartner. Auch an die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin in Berlin hat Gröbel sich daher gewandt. Er sei vorsichtig optimistisch, dass auch diese renommierte Institution das Projekt unterstützen könnte.
Perspektivisch schwebt Gröbel vor, einen Verein zu gründen, um das Projekt zu tragen. Dann könne man z. B. auch Spendenquittungen ausstellen bzw. im Namen des Vereins Anträge stellen. Zu den Aufgaben künftiger Ehrenamtler bei „Brief in die Zukunft“ könnte z. B. auch gehören, Briefe für Menschen aufzuschreiben, die aufgrund ihres hohen Alters oder ihres schlechten Gesundheitszustandes nicht mehr selbst in der Lage sind zu schreiben.
Ähnliche Projekte gebe es zwar schon, aber mit anderen Schwerpunkten. Doch manchmal gebe es Dinge, die zu Lebzeiten ungesagt bleiben müssen oder die zu sagen die betreffende Person nicht den Mut finde, obwohl sie sie trotzdem mitteilen möchte, sagt Enrico Gröbel nachdenklich. Dafür sei sein Projekt gedacht. Wenn genug Leute zusammenkommen, die mitmachen wollen, könne man mit Unterstützung der Verbandsgemeinde Thalfang vielleicht einmal ein gemeinsames Treffen auf dem Erbeskopf organisieren: „Das hätte was. Was Freies.“


















