“Gefühlt meistens anders”: Zahl der Straftaten in Rheinland-Pfalz zurückgegangen

Sinkende Fallzahlen, eine höhere Aufklärungsquote: Die Polizeiliche Kriminalstatistik zeigt für Rheinland-Pfalz eine grundsätzlich positive Entwicklung, was teils mit der Corona-Pandemie zu tun hat. Aber es gibt auch Delikte mit steigenden Zahlen.

0
Symbolbild "Festnahme"; Foto: dpa

MAINZ. Die Polizei in Rheinland-Pfalz hat 2021 erneut weniger Straftaten registriert als im Vorjahr. Die Gesamtzahl sank um 5,6 Prozent auf 217.305 Fälle, wie aus der neuen Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) hervorgeht, die am Montag in Mainz vorgestellt wurde.

Die Aufklärungsquote stieg demnach von 66,2 im Vorjahr auf 66,7 Prozent, laut Innenministerium ist dies der höchste Wert seit 50 Jahren. Wie bereits im Vorjahr sei die Statistik von den Auswirkungen der Corona-Pandemie geprägt, erläuterte Innenminister Roger Lewentz (SPD).

Mit dem Zurückfahren des öffentlichen Lebens habe es bestimmte Tatgelegenheiten weniger gegeben. Als Beispiel nannte der Minister unter anderem Wohnungseinbrüche. Die sinkenden Zahlen bei solchen Delikten könnten auch damit zu tun haben, dass die Menschen im Lockdown mehr zuhause waren. Laut PKS wurden im vergangenen Jahr 1874 Wohnungseinbrüche registriert. Das sind 753 oder 28,7 Prozent weniger als 2020. «Das ist ein historischer Tiefststand», erklärte Lewentz. Allerdings sinke die Zahl schon seit 2015 kontinuierlich – also auch schon vor der Pandemie.

«Es ist damit ein Trend, der nicht allein auf die Pandemie zurückzuführen sein dürfte, sondern auch auf intensive Bemühungen des Landeskriminalamtes und der Polizeipräsidien, diese Taten zu bekämpfen und zu verhindern», sagte Lewentz.

In anderen Kriminalitätsfeldern sorgte die Pandemie 2021 dagegen für steigende Zahlen. Als Beispiel nannte Lewentz den Subventionsbetrug. «Ganz wesentlich waren hier Straftaten im Zusammenhang mit der Beantragung und Auszahlung von Corona-Soforthilfen.» Daneben habe sich die Polizei zunehmend mit gefälschten Impfpässen befassen müssen.

Im zurückliegenden Jahr wurden 1553 Straftaten gegen Polizeibeamte und Polizeibeamtinnen registriert, 162 weniger als im Vorjahr. Zu diesen Fällen werden auch Widerstandshandlungen gezählt. Angehörige von Rettungsdiensten wurden laut Statistik 114 Mal angegangen, Feuerwehrleute vier Mal. Trotz der insgesamt gesunkenen Zahlen betonte der Minister, dass «jeder Fall ein Fall zu viel» sei und erinnerte an die tödlichen Schüsse auf eine Polizistin und einen Polizisten dieses Jahr im Kreis Kusel.

Die Zahl der Sexualstraftaten stieg 2021 im Vergleich zum Vorjahr um knapp 28 Prozent. Dieser deutliche Sprung auf 5162 Fälle resultiert vor allem aus vielen Strafverfahren zu Bildern und Videos von Kindern mit pornografischen Inhalten. Die meisten Hinweise dazu kommen von einer US-amerikanischen Organisation, die soziale Medien und Messengerdienste auf Missbrauchsbilder prüft und an die Behörden weitergibt, wie Lewentz erläuterte.

Der Präsident des Landeskriminalamtes, Johannes Kunz, erwartete, dass die Zahl solcher Hinweise des «National Center for Missing and Exploited Children» (NCMEC/«Nationales Zentrum für vermisste und ausgebeutete Kinder») weiter wächst. Allein diesen Februar seien 199 Meldungen eingegangen.

Mit Sorge blickte Kunz auf Geldautomatensprengungen. Zwar sei 2021 die Zahl der Fälle auf 23 gesunken (2020: 35), sagte der LKA-Präsident. Kritisch sei jedoch, dass zunehmend Festsprengstoffe eingesetzt würden – und das bei inzwischen knapp 80 Prozent der Taten. «Damit reagieren die Täter auf eine veränderte Sicherungstechnik», erklärte Kunz. Die Kriminellen riskierten jedoch nicht nur ihre eigene Sicherheit, sondern auch die von Anwohnern oder Passanten.

Bei den Tätern handele es sich vorrangig um Gruppen, die aus den Niederlanden nach Deutschland kämen. Die Fallzahlen stiegen aktuell wieder an, sagte Kunz. Auch gebe es bereits Nachahmer, die den professionellen Tätern nacheiferten. Innenminister Lewentz regte an, die Zugänge zu Bankautomaten nachts zu schließen. Die Anzahl der Geldabhebungen sei in den Nachtstunden meist überschaubar.

Der CDU-Landtagsabgeordnete Christof Reichert appellierte, trotz der insgesamt positiven Entwicklung bei den Anstrengungen für die Innere Sicherheit nicht nachzulassen. Die Corona-Pandemie habe sicherlich zu der positiven Entwicklung etwa bei den Wohnungseinbrüchen beigetragen, erklärte er.

Die Gewerkschaft der Polizei in Rheinland-Pfalz gab zu Bedenken, dass nur solche Straftaten gezählt werden, die der Polizei bekannt sind. Ein großes Dunkelfeld gäbe es etwa bei Rauschgiftdelikten, kritisierte der stellvertretende Landesvorsitzende Sven Hummel. Auch die die Folgen einer zunehmenden Digitalisierung von Kriminalität werde nicht abgebildet. Handelt der Täter vom Ausland aus oder ist der Tatort nicht eindeutig festzumachen, dann werde ein Fall nicht in der PKS erfasst.

Vorheriger Artikel++ Ungewisse Corona-Lage! Erstes Weinfest an der Mosel ABGESAGT ++
Nächster ArtikelEinfach nur mies! Opferstock in Osburger Pfarrkirche aufgebrochen – Hinweise gesucht

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

Die Redaktion behält sich vor, Lesermeinungen zu kürzen. Es besteht kein Anspruch auf die Veröffentlichung Ihrer zugesandten Meinungen. Klarname ist nicht erforderlich. Eine E-Mail-Adresse muss angegeben werden, wird aber nicht veröffentlicht.