Studie: Anstieg von Kindesmisshandlung und Missbrauch während Lockdown ausgeblieben

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Symbolbild; Foto: dpa

MAINZ. Der befürchtete Anstieg von Kindesmisshandlung, Vernachlässigung und sexuellem Missbrauch während des Corona-Lockdowns ist in Rheinland-Pfalz einer Studie zufolge ausgeblieben.

Von Januar bis August seien 4597 Verdachtsmeldungen auf Gefährdung eines Kindeswohls eingegangen, etwa genauso viele wie im gleichen Zeitraum 2019 (4747), sagte Familienministerin Anne Spiegel (Grüne) am Freitag in Mainz.

«Der Kinderschutz in Rheinland-Pfalz funktioniert», sagte Heinz Müller vom Institut für Sozialpädagogische Forschung in Mainz, das die Studie durchgeführt hat. Einige problematische Familien seien sogar gerade im Lockdown gut zurechtgekommen, «weil der Schulstress weg war». Zwar bilde die Studie das Hellfeld ab, er gehe aber nicht von einem großen Dunkelfeld aus.

«Die Hilfesysteme in Rheinland-Pfalz haben in der Krise funktioniert, waren stabil und verlässlich», sagte Spiegel. Die bundesweit einmalige Notbetreuung für Kinder während der Schließung der Kitas und Schulen habe dazu sicherlich beigetragen. «Wir hatten auch nicht den harten Lockdown mit Ausgangssperren wie andere Länder.» Spiegel hat zudem einen Wandel in der Gesellschaft ausgemacht, «Dinge nicht mehr so unter den Teppich zu kehren»: Nachbarn, Fußgänger und Arbeitskollegen sähen stärker hin, wie es Kindern gehe.

«Der Kinderschutz geht nicht unter», sagte der Geschäftsführende Direktor des Landkreistages, Burkhard Müller (SPD) zu den Studienergebnissen. Damit sei Rheinland-Pfalz gut gerüstet für die zweite Welle der Pandemie.

Allerdings würden jetzt viele Jugendamtsmitarbeiter zur Unterstützung der Gesundheitsämter abgezogen, mahnte Forscher Heinz Müller. Die Digitalisierung der Jugendämter müsse zudem voran gebracht werden, weil die Behörden nicht über WhatsApp oder Instagram mit den Familien Kontakt halten dürften.

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