Interventionsstelle Trier (IST) kritisiert mangelnde finanzielle Unterstützung durch Kreis

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Foto: dpa-Archiv

TRIER. Die Interventionsstelle Trier (IST), die Frauen bei Gewalt in engen sozialen Beziehungen und bei Stalking berät und informiert, hat in ihrem Jahresbericht 2019 das Missverhältnis zwischen Beratungszahlen und Finanzierung durch den Kreis Trier-Saarburg kritisiert.

Wie es in der Pressemitteilung heißt, zeigt der Jahresbericht die wichtige Arbeit der Beratungsstelle für von Gewalt in engen sozialen Beziehungen (GesB) und Stalking betroffene Frauen – offenbart aber auch die mangelnde finanzielle Unterstützung durch den Kreis Trier-Saarburg.

Im Gegensatz zu anderen Beratungsstellen, an die sich Hilfesuchende wenden können, arbeitet die Interventionsstelle in erster Linie pro-aktiv, d.h. betroffene Frauen werden nach einem Polizeieinsatz von den Mitarbeiterinnen der IST kontaktiert, wenn sie dazu ihr Einverständnis gegeben haben. Von Gewalt betroffene Frauen können sich aber auch direkt an die Interventionsstelle wenden.

In der Beratung geht es vor allem um schnelle Hilfe und Krisenintervention. „Für viele Frauen sind erstmal Informationen zu Schutzmöglichkeiten, wie z.B. dem Gewaltschutzgesetz ganz wichtig“, berichtet die Mitarbeiterin der Interventionsstelle. Aber auch Überlegungen, wie es nun weitergehen kann, stehen in der kostenfreien und ergebnisoffenen Beratung im Vordergrund. Meist ist es nicht das erste Mal, dass die Frauen Gewalt erlebt haben. „Mein Eindruck ist, dass viele Frauen froh sind, dass wir sie verstehen, da wir um die Dynamik in Gewaltbeziehungen wissen und ihnen erzählen können, dass sie nicht alleine mit dem Thema sind“, berichtet die Mitarbeiterin weiter. Laut einer Bundesstudie von 2004 erlebt jede vierte Frau Gewalt in engen sozialen Beziehungen.

87% der von Gewalt betroffenen Frauen, die von der IST im vergangenen Jahr beraten wurden, haben psychische Gewalt erfahren wie ständige Bedrohungen und Erniedrigungen durch den Partner oder Ex-Partner. Zusätzlich erlitten 69% der Frauen auch körperliche Gewalt. Von Stalking durch den Ex-Partner waren 18% der Beratenen betroffen.
Im Jahr 2019 war mit insgesamt 290 Meldungen bei der IST der zweithöchste Stand seit der Gründung im Jahr 2004 erreicht.
Obwohl die Interventionsstelle als Beratungs- und Fachstelle zum Thema Gewalt in engen sozialen Beziehungen in der Stadt Trier angesiedelt ist, ist sie auch zentrale Anlaufstelle für Frauen des Landkreises Trier-Saarburg.

Klientinnen nehmen dabei zum Teil lange Wege auf sich, um das Beratungsangebot in Anspruch zu nehmen. Dabei hat sich die Inanspruchnahme von Klientinnen aus dem Kreis in den vergangenen Jahren deutlich gesteigert. Der aktuelle Jahresbericht zeigt, dass 129 Frauen (44%) aus dem Landkreis Trier-Saarburg beraten wurden, wohingegen der Anteil aus der Stadt Trier auf 36% (105 Frauen) zurückgegangen ist.

„Die Inanspruchnahme unseres Beratungsangebotes durch Klientinnen aus dem Kreis Trier-Saarburg spiegelt sich leider in der Finanzierung nicht wieder. So stehen die Beratungszahlen in einem mehr als deutlichen Missverhältnis zu unserer Finanzierungssituation“ schildert eine Mitarbeiterin der IST. So erhält die Einrichtung lediglich eine institutionelle Förderung von 4.000€ jährlich durch den Kreis, dies entspricht einem Anteil von ca. 4% der Gesamtkosten der Beratungsstelle. Bisherige Bemühungen der IST Trier eine höhere institutionelle Förderung durch den Kreis zu beantragen, haben keinen Erfolg gezeigt

Verschärft wird die ohnehin prekäre finanzielle Situation nun noch dadurch, dass durch die Coronakrise Eigenmittel aus Honoraren, Spenden und Zuweisungen von Geldbußen weggebrochen sind.
Die Arbeit der Interventionsstelle wird vom Landesamt für Soziales, Jugend und Versorgung des Landes Rheinland-Pfalz, der Stadt Trier und zu einem geringen Anteil dem Landeskreis Trier-Saarburg gefördert.
Der Trägerverein S.I.E. – Solidarität, Intervention, Engagement für von Gewalt betroffene Frauen und Mädchen e.V. macht darauf aufmerksam, dass die Interventionsstelle für die Aufrechterhaltung des gewohnten Beratungsangebots weiterhin auf Spenden angewiesen ist.

Spendenkonto: Sparkasse Trier, BLZ 58550130, Kto.Nr. 448530.

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