Gastro-Öffnungszeiten, 10-er Regel, Chöre, Blasmusik: Die Lockerungen im Überblick

Wieder nur eine Neu-Infektion mit dem Coronavirus - diese positive Entwicklung ermutigt die Landesregierung zur früheren Lockerung der Corona-Regeln. In der gebeutelten Gastronomie- und Tourismusbranche dürfte das für vorsichtiges Aufatmen sorgen.

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Foto: dpa-Archiv

MAINZ. Längere Öffnungszeiten für die Gastronomie, Treffen von bis zu zehn Menschen und Chor-Proben: Die rheinland-pfälzische Landesregierung hat eine Reihe der Corona-Beschränkungen früher gelockert als geplant. Stichtag für alle neuen Regelungen ist der 10. Juni. Ermöglicht haben das die niedrigen Infektionszahlen.

SCHNELLERE LOCKERUNGEN:

Künftig dürfen sich «zu jedem Anlass» bis zu zehn Personen treffen, egal aus wie vielen Hausständen. Ebenfalls neu: Chöre dürfen unter strengen Auflagen wieder proben. Bei Außenveranstaltungen und Veranstaltungen in Innenräumen, wie Gottesdiensten, Theater, Kinos, muss am Platz keine Maske mehr getragen werden. Die Reservierungspflicht in der Gastronomie wird aufgehoben, die Notwendigkeit der Kontakterfassung bleibt aber bestehen. Die Schließzeit der Gastronomie wird unter Beachtung der sonstigen Sperrzeiten bis Mitternacht ausgedehnt. Bus- und Schiffsreisen sind auch bereits ab dem 10. Juni wieder möglich. Die Wellnessbereiche in Hotels und die Freizeitparks dürfen dann ebenfalls wieder aufmachen.

DIGITALER UNTERRICHT

Für moderne digitale Unterrichtsformen – wie im neuen Schulgesetz vorgesehen – brauchen die Schulen nach Einschätzung von Lehrern und Eltern mehr Unterstützung. Funktionierende Technik, technischer Support und mehr Entlastungsstunden für die Lehrer seien notwendig, sagte die Landesvorsitzende des Philologenverbands, Cornelia Schwartz, am Dienstag bei einer Schalte des Bildungsausschusses des Landtags mit Blick auf die Erfahrungen aus der Corona-Krise. «Es kann nicht sein, dass jede Unterrichtsstunde doppelt vorbereitet werden muss, für den Fall, dass die Technik läuft und für den Fall, dass sie nicht läuft.» Sie forderte einen Techniker pro größerer Schule. Video-Konferenzen seien für Schüler zudem nur einmal pro Woche oder alle zwei Wochen als Ergänzung zum Präsenzunterricht sinnvoll. Wichtig sei dabei ein und nicht mehrere Systeme pro Schule.

WIRTSCHAFT LEIDET

Die Landesvereinigung Unternehmerverbände (LVU) Rheinland-Pfalz sieht die Wirtschaft in der schwersten Krise seit Bestehen des Landes. «Wir rechnen damit, dass die Wirtschaft erst wieder 2022 das Niveau von vor der Krise erreichen wird», sagte LVU-Präsident Gerhard Braun am Dienstag nach einer Videokonferenz mit der Landesregierung zur Corona-Krise. Von der Krise seien alle Branchen und fast alle Unternehmen betroffen, viele Existenzen seien bedroht. «In solch einer Situation ist der Austausch zwischen Wirtschaft und Politik noch wichtiger als in normalen Zeiten», betonte Braun.

DIGITALISIERUNGSSCHUB BEI PSYCHOTHERAPIEN

Teils nur dank Videotechnik haben sich in der Corona-Krise Psychotherapien fortsetzen lassen. So hat die Pandemie zu einem regelrechten Digitalisierungsschub bei rheinland-pfälzischen Psychotherapeuten geführt. Vorher hätten vielleicht fünf Prozent der Kollegen auf Video-Sprechstunden gesetzt, mittlerweile böten sie ungefähr zwei Drittel an, sagte die Präsidentin der Landespsychotherapeutenkammer Rheinland-Pfalz, Sabine Maur, der Deutschen Presse-Agentur in Mainz. Lange Zeit hätten sich Praxen nicht bewegen müssen, die Patienten seien so oder so gekommen. Nun seien sehr viele neue Erfahrungen mit neuen Formaten gemacht worden.

NEUSTART

Nach rund zweimonatiger Corona-Zwangspause hat die dänische Airline DAT am Dienstag ihren Flugbetrieb zwischen dem Flughafen Saarbrücken und Berlin wieder aufgenommen. «Wir freuen uns, endlich wieder abheben zu können», sagte der Chef der Danish Air Transport (DAT), Jesper Rungholm, zum Start der ersten Maschine in Saarbrücken. «Nachdem wir die Strecke erst kurz vor Beginn der Corona Krise starten durften, ist es umso wichtiger für uns, nun voll durchzustarten.» Zunächst werde es täglich, außer samstags, einen Hin- und Rückflug geben. DAT hatte wegen der Corona-Pandemie die Flüge am 31. März vorübergehend ausgesetzt.

OPEL-PRODUKTION IN RÜSSELSHEIM LÄUFT WIEDER AN

Der Autobauer Opel fährt nach gut zwei Monaten coronabedingter Pause die Produktion im Stammwerk Rüsselsheim wieder hoch. «Es geht am kommenden Montag wieder los, nachdem wir ein sehr umfassendes Sicherheitsprotokoll umgesetzt haben», teilte ein Sprecher des Autobauers am Dienstag mit. Bis zu den Werksferien würden wichtige Kundenaufträge abgearbeitet. Im Werk Eisenach werde die Produktion zudem an diesem Mittwoch wieder aufgenommen. Der Standort Kaiserslautern, wo Komponenten und Motoren gefertigt werden, hatte die Corona-Pause bereits Mitte Mai beendet.

WIEDER NUR EINE NEU-INFEKTION

In Rheinland-Pfalz ist wie schon am Vortag auch am Dienstag nur eine neue Corona-Infektion gemeldet worden. Damit stieg die Zahl der bestätigten Infektionen innerhalb eines Tages auf 6700 (Stand Dienstag 10.10 Uhr), wie das Gesundheitsministerium in Mainz mitteilte. Die Zahl der Todesfälle in Verbindung mit Covid-19 seit Beginn der Pandemie Ende Februar blieb weiter unverändert bei 230. Aktuell infiziert seien 224 Menschen, 22 weniger als am Tag zuvor. 6246 Menschen gelten als genesen, 23 mehr als am Pfingstmontag.

WIEDER WENIGER VERSTÖßE:

Die Verstöße gegen die Corona-Regeln waren aus Sicht der Polizei am Pfingstwochenende erneut rückläufig. 278 Verstöße seien am Pfingstsamstag und -sonntag registriert worden. «Hiervon entfällt der größte Teil auf unzulässige Personenansammlungen im öffentlichen Raum», sagte der Sprecher des rheinland-pfälzischen Innenministeriums, Joachim Winkler. Das seien 19 weniger gewesen als am Wochenende zuvor.

2 KOMMENTARE

  1. Und das haben die komm. Spitzenverbände weitestgehend auf den 10.06. blockiert. Die Landesregierung wollte das schon eine Woche früher. Alles überzogene, nicht mehr zu rechtfertigende Maßnahmen. Armes RLP

  2. Macht nichts, in Österreich fallen die ganzen Beschränkungen viel früher, ebenso in der Schweiz und auch in Frankreich. Urlaub im Ausland wie jedes Jahr, da gibts wenigstens keine Spassbremsen.
    Hätte man von vorneherein nur Risikogruppen wie Alte und chronisch Kranke abgeschirmt, aber auf freiwilliger Basis, hätte man sich das alles ersparen können.

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