Mit Präzision an die Weltspitze

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Christian Junk nimmt Maß bei den Deutschen Meisterschaften 2015 in Salzgitter.

Bildquelle: Mike Killadt

TRIER. Kegeln assoziieren die meisten Menschen mit (feucht-)fröhlichen Stunden unter Freunden. Dass es auch einen regulären Ligabetrieb sowie Deutsche und Weltmeisterschaften gibt, ist dagegen weniger bekannt. Ein ganz Großer in dieser anspruchsvollen Sportart ist Christian Junk, der im städtischen Jugendamt arbeitet.

Mit seinen 26 Jahren ist der achtfache Weltmeister Junk eine feste Größe in der deutschen Sportwelt. Im Juni holte er bei der Weltmeisterschaft auf Scherenbahnen im Saarland Gold mit der Herrenmannschaft und Silber im Sprint und Mixed. Eine Woche zuvor wurde er bereits Deutscher Meister im Einzel und im Tandem Mixed mit Yvonne Ruch. „Seit ich denken kann, kegele ich“, erzählt Junk der Rathaus Zeitung. Praktischerweise lag sein Elternhaus in Daun-Weiersbach direkt gegenüber einer Kegelbahn.

Richtig durchgestartet ist er mit elf Jahren bei der JSG Mosel, der Talentschmiede der Region. Mit Hilfe von Videoanalysen übt er dort den perfekten Anlauf. Mit 15 Jahren wechselt er zurück zu seinem Heimatverein KSC Daun-Weiersbach, trainiert zwei- bis dreimal die Woche und spielt am Wochenende Meisterschaften. 2004 ist er das erste Mal bei den Deutschen Jugendmeisterschaften dabei, 2005 sichert ihm dort der dritte Platz im Einzel die Aufmerksamkeit des Nationaltrainers, der ihn ins Deutschlandteam aufnimmt. Bei der Jugend-WM 2006 in Holland gewinnt er schließlich mit Patrick Dichter seinen ersten Weltmeistertitel im Tandem. Ab diesem Zeitpunkt geht es stetig aufwärts, er sammelt weitere nationale und internationale Titel. 2014 holt er in der Kategorie U 24 drei WM-Titel und stellt drei Weltrekorde im Einzel, Tandem Mixed und Team Doppel auf.

Seit 2015 spielt Junk für die KF Oberthal, die gerade zum 15. Mal Deutscher Meister wurde. Dort trainiert er einmal die Woche, zusätzlich läuft er. „Das reicht“, erklärt der Sportler, denn „Kegeln ist absolute Kopfsache und eine Präzisionssportart wie Bogenschießen“. Das macht für ihn auch die Faszination aus. Die Bahnen unterscheiden sich in ihrer Ausrichtung nur minimal, was aber einen großen Effekt hat. Mit seiner Erfahrung benötigt er zwei bis drei Würfe, um zu wissen, wie man auf einer Bahn alle Neune wirft. Körperlich anstrengend ist das Sportkegeln dazu: In einem Turnier muss ein Spieler 120 Würfe nacheinander werfen, was 50 bis 60 Minuten dauert. Sehr gute Kegler erreichen damit um die 900 Punkte, bei circa 70 „Neunen“.

Ein besonderes Highlight war für Junk bislang die Teilnahme an der Weltmeisterschaft 2010 in Brasilien. Deutsche Auswanderer hatten ihren Sport in die Neue Welt mitgebracht, die Spieler hießen Hermes, Schmitt oder Immendorf und ihre Großmütter sprachen noch Hunsrücker Platt.

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