TRIER. Auf den Tag 50 Jahre nach ihrem Pflegeexamen trafen sich zwölf der damaligen Absolventinnen und Absolventen im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Trier. Es wurde ein Wiedersehen mit Freude, doch geriet der von Markus Leineweber, Direktor Unternehmenskultur, geführte Rundgang über Gelände und durch Gebäude auch zu einer spannenden Reise zurück in eine Zeit, in der im Brüderkrankenhaus nur wenige Dutzend Ärzte arbeiteten, angehende Krankenpfleger und -schwestern in Mehrbettzimmern nächtigten und Schüler bei Frauenbesuch ihre Bleibe im Wohnheim riskierten.
„Das war für uns damals verboten“, scherzt Cordula Papp und erntet kollektives Gelächter aus der Runde. Sichtlich amüsiert steht die Gruppe vor dem Gebäude St. Rochus, in dem einst das Wohnheim für Pflegeschüler des Brüderkrankenhauses untergebracht war. Für angehende Krankenschwestern war der Trakt verbotenes Terrain, schließlich durften sie die Zimmer offiziell nicht betreten. Taten sie es doch, konnten die Folgen schwerwiegend sein, wie einer der damaligen Schüler zu berichten weiß: Seine heutige Frau hatte ihn besucht, was nicht unentdeckt blieb – woraufhin er sich kurzerhand ein neues Zimmer jenseits des Krankenhausareals suchen musste. „Und bald feiern wir Goldene Hochzeit“, erzählt er ein halbes Jahrhundert danach lachend.
Im Frühjahr 1973 starteten 33 junge Menschen ihre Ausbildung in der Krankenpflegeschule – zwei Drittel Männer, ein Drittel „Fräulein“, wie man seinerzeit noch sagte. Erst fünf Jahre zuvor hatten in der Pflege des Brüderkrankenhauses Frauen Einzug gehalten, zuvor war dieser Bereich ausschließlich Männern vorbehalten; damals waren auch noch zahlreiche Barmherzige Brüder in der Pflege tätig. Anfang der 1970er gab es im Brüderkrankenhaus rund 35 Ärzte und 150 Pflegekräfte, erinnert Karl-Heinz Stolz, der damals schon in der Krankenpflegeschule arbeitete und das besondere Klassentreffen nun begleitete. Heute arbeiten allein im Pflegesektor rund 1.100 Menschen, die Zahl der Ärztinnen und Ärzte im Brüderkrankenhaus hat sich auf über 300 verzehnfacht.
Überhaupt scheint gegenwärtig nur noch wenig vergleichbar mit jener Zeit, als Michael Altmeyer-Lange und Veronika Heid-Berberich, das damalige Klassensprecher-Duo, ihre Ausbildung absolvierten. Einige der Mitschüler von damals sind schon verstorben, spontan gedenkt man ihrer in der Kloster- und Krankenhauskirche – ein bewegender Moment. Kurz darauf stellt sich die Gruppe zum Gemeinschaftsfoto vor der Maria-Hilf-Kapelle auf, wie beim offiziellen Examensbild vom 16. März 1973 soll es wirken. Doch weil die Kapelle und vor allem deren Fassade baulich verändert wurden, stutzen einige der Ehemaligen ob des Anblicks.
So auch Dr. Eberhard Eisenbarth, der aus der Pfalz angereist ist. Gleich nach seinem Pflegeexamen machte er Abitur, studierte Fortwirtschaft und promovierte. In der Uniklinik Freiburg schob er noch die ein oder andere Nachtschicht, um sich zum Studium etwas hinzuzuverdienen, dann verabschiedete er sich aus dem Pflegeberuf. Anders als Mitschülerin Helene Mirtennutz-Metrich, die bis zu ihrem Ruhestand auf der Wahlleistungsstation des Brüderkrankenhauses arbeitete.
Michael Altmeyer-Lange schwärmt von den Kursfahrten, welche die Brüder für die angehenden Pflegekräfte organisierten. Bis nach Bremerhaven oder ins schweizerische Einsiedeln führten die Ausflüge. Im Fernsehzimmer des Schülerwohnheims schaute man gemeinsam Boxkämpfe und Fußballweltmeisterschaften, und überhaupt: Jenseits des Unterrichts wurde viel gefeiert und nicht wenig getrunken. Ein Name fällt immer wieder in den Gesprächen: der von Bruder Albert Wollscheid, der fast zwei Jahrzehnte als Lehrer und Leiter die Pflegeschule prägte und später in führender Funktion die Weiteentwicklung des Brüderkrankenhauses maßgeblich mitbestimmte. Ein durchaus strenger Ordensmann sei dieser gewesen, erzählen seine ehemaligen Schüler, doch habe Bruder Albert, der 2015 starb, auch „Herz und Humor“ gehabt.
Als Michael Altmeyer-Lang seinen früheren Lehrer nach Jahrzehnten wiedertraf, wusste dieser noch spontan, wo er in der Klasse gesessen hatte: „vorne ganz links“, habe Bruder Albert gesagt. Wie er sich das hatte merken können? Bruder Alberts Sitzordnung folgte nach dem Alphabet. (Quelle: BBT Gruppe)















