KIEW. Laut Medienberichten verschlechtert sich die humanitäre Lage in der Ukraine mit Andauern der Kampfhandlungen zusehends. Am Montag soll sich der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen damit befassen. Die amerikanische UNO-Botschafterin erklärte, russische Truppen näherten sich dem zweitgrößten Atomkraftwerk der Ukraine. Laut der ukrainischen Armee arbeitet die russische Seite an der Umzingelung der beiden größten Städte des Landes.
Laut dem amerikanischen Nachrichtensender CNN erklärte die UNO-Botschafterin der USA, Linda Thomas-Greenfield, am gestrigen Freitag, russische Truppen bewegten sich auf das zweitgrößte Kernkraftwerk der Ukraine zu. Die Anlage befindet sich in der Stadt 40.000-Einwohner-Juschnoukrajinsk im Süden des Landes. Die russischen Verbände seien nur noch 20 Meilen entfernt. Thomas-Greenfield kritisierte, dass bei dem Beschuss des größten AKWs der Ukraine in Saporischschja in der Nacht zum Freitag eine Katastrophe nur knapp vermieden werden konnte. Russische Truppen hatten das Kernkraftwerk Saporischschja erobert. Bei dem Beschuss geriet ein Gebäude, das zu Ausbildungszwecken genutzt wird, in Brand.
Wie CNN ferner berichtet, will Russland im Ukraine-Krieg weitere Söldner zur Unterstützung seiner regulären Verbände einsetzen. CNN beruft sich auf einen namentlich nicht genannten, hochrangigen Geheimdienstmitarbeiter. Hintergrund des Einsatzes weiterer 1000 Söldner sei der Umstand, dass der rund 64 Kilometer lange Militärkonvoi nördlich von Kiew seit Tagen nicht vorankommt. Dies liege möglicherweise an schlechter Kampfmoral der Truppen. Allerdings hätten auch die bisher von russischer Seite eingesetzten Söldner eher schlechte militärische Leistungen erbracht, wenn der Widerstand, auf den sie trafen, stärker war als erwartet. Er befürchte in den kommenden Tagen stark ansteigende, zivile Opferzahlen, da Russland versuchen werde, ukrainische Städte durch massive Bombardierung für eine Eroberung sturmreif zu schießen, so der Geheimdienstmitarbeiter.
Die der deutsche Nachrichtensender n-tv in der zurückliegenden Nacht gemeldet hat, steht der strategisch wichtige Hafen Mariupol am Asowschen Meer unter Blockade. Der Bürgermeister der Stadt, Wadym Boitschenko, sprach von „rücksichtslosen“ Angriffen. Er forderte „einen humanitären Korridor …, um Lebensmittel und Medikamente in die Stadt zu bringen. Wie der Deutschlandfunk am heutigen Morgen berichtet, spitzt sich die humanitäre Lage in vielen ukrainischen Städten zu, da Wasser und Lebensmittel knapp werden. Auch die beiden größten Städte, Kiew und Charkiw, seien stark betroffen.
Der Migrationsforscher Gerald Knaus sagte nach n-tv-Angaben, im gegenwärtigen Ukraine-Krieg müsse mit bis zu zehn Millionen Flüchtlingen gerechnet werden. Dies entspricht rund einem Viertel der ukrainischen Bevölkerung. Knaus begründete seine Einschätzung damit, dass die Kriegführung des russischen Präsidenten Putin auch im Tschetschenien-Krieg dazu geführt habe, dass ein Viertel der Bevölkerung die Flucht ergriff. Zum jetzigen Zeitpunkt sind nach Angaben der Vereinten Nationen 1,2 Millionen Menschen aus der Ukraine geflohen, die meisten von ihnen nach Polen.
Am Montag soll sich der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen laut Deutschlandfunk mit der humanitären Lage in der Ukraine befassen. Über den genauen Wortlaut des Resolutionsentwurfs gebe es noch Diskussionen unter den westlichen Staaten. Es gehe um die Frage, ob Russland namentlich erwähnt werden solle. Es gibt Befürchtungen, dass Russland in diesem Fall sein Veto einlegen würde.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj wird heute im Rahmen einer Videoschalte mit US-Senatoren sprechen. Hintergrund ist, dass der Kongress in Washington derzeit über ein Nothilfe-Paket für die Ukraine in Höhe von zehn Milliarden Dollar berät.
Wie n-tv unter Berufung auf das ukrainische Militär berichtet, sind Kiew und Charkiw nach wie vor Hauptangriffsziele der russischen Offensive. Die beiden Städte sollten eingekreist werden. Zudem versuchten die Separatisten im Osten der Ukraine weiterhin, einen Landkorridor zwischen den von ihnen kontrollierten Gebieten und der von Russland annektierten Halbinsel Krim zu erobern.
















