Region: Bruno Comes holt Silber bei Schachweltmeisterschaft der Amateure

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Bruno Comes (r.) mit Mikael Svensson (M.) und Daniel Pomerantz (l.) bei der Siegerehrung auf Kos. Foto: privat

BERNKASTEL-KUES/KOS. Bereits im vergangenen Jahr gewann Bruno Comes bei der Schachweltmeisterschaft der Amateure auf der griechischen Insel Kos die Bronzemedaille – und wurde mit dem Pokal für die schönste Partie ausgezeichnet. In diesem Jahr konnte er den Erfolg sogar noch übertreffen.

Von Alexander Scheidweiler

Obwohl Comes, der Pfarrer der Pfarrei St. Matthias Rechts und Links der Mosel im Pastoralen Raum Bernkastel-Kues ist, vor einem Jahr schlecht in das Turnier gekommen war, gelang ihm eine Aufholjagd. In einem fünfstündigen Schachduell um die Bronzemedaille bezwang er seinen Gegner, einen Schweizer, und wurde Dritter. Obwohl er am Ende mit dem Erst- und Zweitplatzierten gleichauf lag, was die gewonnenen Partien anging, entschied die Feinwertung über die Platzverteilung. „Ich bin trotzdem total glücklich und freue mich ungemein über diesen dritten Platz“, so Comes damals. Ein lettischer Schachgroßmeister schenkte ihm sogar ein Buch mit persönlicher Widmung.

Einfach nur gut spielen

Ein Erfolg, der nicht zu toppen ist? Könnte man meinen. Doch weit gefehlt. Beim diesjährigen Turnier auf Kos, organisiert von der Amateur Chess Organization (ACO), konnte der umtriebige Geistliche, der sich auf seinem YouTube-Kanal CO-MESsage zu den verschiedensten Themen aus christlicher Perspektive äußert, seine Leistung nochmals steigern.

„Ich bin eigentlich hingefahren, um einfach nur gut zu spielen. Ganz nach dem Motto: Eine Medaille habe ich ja letztes Jahr schon gewonnen. Gewissermaßen nach dem olympischen Motto ‚Dabeisein ist alles’. Passt ja ganz gut zu Griechenland“, sagt Comes augenzwinkernd. In das Turnier, das über neun Runden ging und an dem 120 Spieler aus 20 Nationen teilnahmen, startete Comes mit einem soliden Remis. In der zweiten Runde gelang ihm dann ein Sieg über den späteren Weltmeister, Mikael Svensson aus Schweden. „Der war damit erstmal so ein bisschen raus aus dem Titelrennen“, meint Comes schmunzelnd.

Ein glücklicher Vize-Weltmeister. Foto: privat

Sieg durch hochkomplexe Verteidigung

Doch auf diesen Sieg folgte eine Serie von Remisen, durch die er aus der Spitzengruppe abrutschte. „Aber da ich völlig ungeschlagen war, bin ich nicht komplett abgerutscht“, so Comes. Denn da im Schachsport ein Sieg einen Punkt, ein Remis einen halben Punkt und eine Niederlage Null Punkte einbringt, ist der Abstand zwischen Sieg und Unentschieden wertungsmäßig geringer als bspw. im Fußball. Auch mit der Remisen-Serie lag der Pfarrer aus Osann-Monzel also noch immer ganz gut im Rennen.

In der letzten Runde traf Comes mit Schwarz dann auf den Tabellenführer, den Kanadier Daniel Pomerantz. Dabei war klar: Würde Comes diesen schlagen, würde er mit Pomerantz nicht nur gleich-, sondern sogar an ihm vorbeiziehen, da Comes im bisherigen Turnierverlauf die etwas besseren Gegner gehabt hatte. Tatsächlich gelang Comes der Sieg über Pomerantz, und zwar mit der als hochkomplex geltenden Najdorf-Variante der Sizilianischen Verteidigung, die nach dem argentinischen Schachgroßmeister Miguel Najdorf benannt ist.

„Und dann haben einige andere Mitbewerber für mich günstig gespielt, so dass klar war: Es wird wieder eine Medaille, und es wird sogar Silber oder Gold“, erzählt Comes. Doch Mikael Svensson gewann die allerletzte Partie des Turniers und behauptete damit den Platz vor Comes – hauchdünn mit nur einem halben Punkt Vorsprung!

Ein bewegender Moment

Als die Silbermedaille feststand, sei das Gefühl gleichwohl „überwältigend“ gewesen: „Es war ein bewegender Moment, nochmal auf dem Treppchen zu stehen und zu hören: ‚Silver Medal: Representing Germany: Bruno Comes‘.“

Ein solcher Erfolg fällt selbstverständlich nicht vom Himmel, sondern erfordert viel Training: Fünf- bis sechsmal pro Woche spiele er, so Comes, sei es am Computer, sei es, dass er Trainingsspiele gegen andere menschliche Spieler absolviert. Comes, der seit seiner Kindheit Schach spielt, ist fünfmaliger Stadtmeister von Wittlich. „Die unglaubliche Vielfalt, die diese wenigen Figuren auf das Brett zaubern können“ sei es, die ihn an dem Spiel fasziniere. „Mich reizt das Knobeln, das Herausfinden, das Berechnen – und natürlich auch der Zweikampfcharakter“, führt der frischgebackene Vize-Weltmeister aus. Aber auch das Generationenübergreifende schätze er sehr, fügt er hinzu: „Dass ein 60-Jähriger wie ich sich mit einem 25-Jährigen genauso messen kann wie mit einem 85-Jährigen oder sogar einem Kind“, sei einfach toll. Das Schachspiel führe Menschen zusammen und verbinde Generationen, und das sei sehr schön.

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