KOBLENZ/KAUB. Mitten im Schlaf geweckt werden: Für viele Menschen ärgerlich, doch meist gut zu verkraften. Bei Fledermäusen hingegen sieht das ganz anders aus. Werden sie aus ihrem Winterschlaf gerissen, der in etwa von November bis März dauert, dann fährt ihr Stoffwechsel hoch und sie verbrauchen viel Energie.
Das ist problematisch, denn im Winter finden Fledermäuse, die sich von Mücken, Käfern und anderen Insekten ernähren, keine Nahrung – sie drohen zu verhungern. Im Blüchertal bei Kaub hat die SGD Nord deshalb in ihrer Funktion als Obere Naturschutzbehörde ein Projekt finanziert, bei dem vier ehemalige Bergbaustollen so umgebaut wurden, dass die Fledermäuse, die dort seit vielen Jahren leben, in Ruhe überwintern können.
„Stollentourismus“ verhindern
Denn in der Vergangenheit haben sich immer wieder Personen illegal Zutritt zu den unterirdischen Bauwerken verschafft, in denen einst Schiefer abgebaut wurde. Für die per Gesetz streng geschützten Fledermäuse, zu denen Arten wie das Große Mausohr sowie Bart-, Fransen-, Bechstein- und Wasserfledermäuse zählen, stellte dieser „Stollentourismus“ ein echtes Risiko dar – nicht nur wegen der Ruhestörung.
Denn wird zusätzlich ein Feuer entzündet, kann der Ruß an den Wänden dafür sorgen, dass Fledermäuse den Stollen für viele Jahre meiden. Um das zu verhindern und den Fledermäusen ein sicheres Winterquartier zu bieten, hat die SGD Nord in Kooperation mit der Biotopbetreuung des Rhein-Lahn-Kreises die Stollen so verschließen lassen, dass ab sofort nur noch tierische Bewohner Zutritt haben.
Auch Amphibien profitieren
Den Auftrag für die Umsetzung erhielt nach öffentlicher Ausschreibung die Fachfirma „Frank Staudt GalaBau“ aus Bad Kreuznach. Diese entfernte zunächst Schlamm und Geröll aus den Stolleneingängen und errichtete danach vier fledermausgerechte Stollenverschlüsse aus Metall, Holz und Beton. Die Verschlüsse verfügen über Ein- und Ausflugschlitze, die so dimensioniert sind, dass Fledermäuse, aber keine Menschen hindurchpassen. Von den neuen „Schlafzimmertüren“, die im Sommer 2025 fertiggestellt wurden, profitieren jedoch nicht nur Fledermäuse: Denn in den Stollen leben auch Amphibien, wie etwa die ebenfalls stark gefährdeten Bergmolche und Feuersalamander. Auch sie freuen sich über die Ruhe.
Viele Projekte – viele Ehrenamtliche
Neben dem aktuellen Projekt in Kaub koordiniert und finanziert die SGD Nord im nördlichen Rheinland-Pfalz diverse weitere Maßnahmen zum Schutz von Fledermäusen – und das seit vielen Jahren. So wurden auch andernorts bereits zahlreiche Stollen verschlossen, beispielsweise bei Mendig im Kreis Mayen-Koblenz sowie bei Elkenroth und Schutzbach im Kreis Altenkirchen.
Hinzu kommen das regelmäßige Reinigen und Sanieren der sogenannten Wochenstuben, in denen Fledermäuse ihren Nachwuchs großziehen. Einen wichtigen Beitrag leisten aber auch die zahlreichen Ehrenamtlichen, mit denen die SGD Nord zusammenarbeitet und die sich vor Ort für den Schutz der Tiere einsetzen.
Welttag des Artenschutzes
Der Welttag des Artenschutzes wurde im Jahr 2013 durch die Generalversammlung der Vereinten Nationen ins Leben gerufen. Er soll an die Unterzeichnung des Washingtoner Artenschutzabkommens am 3. März 1973 erinnern, das den internationalen Handel mit geschützten Tieren und Pflanzen reguliert und überwacht. Am Welttag des Artenschutzes sind Institutionen weltweit dazu aufgerufen, auf die Bedeutung der Artenvielfalt aufmerksam zu machen.
Weitere Informationen zu den Aufgaben der SGD Nord im Bereich des Naturschutzes sind unter folgendem Link zu finden www.sgdnord.rlp.de/themen/naturschutz. (Quelle: SGD Nord)















