Zustand der Trierer Brücken: Sehr gut bis kritisch

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Unter der Adenauer-Brücke gibt es bunte und zum Teil künstlerisch wertvolle Graffiti, im Bauwerk aber auch einige Schäden, die bald genau untersucht werden sollen. Foto: Trierer Rathaus Zeitung

TRIER. Es war ein Schock für die Stadt Dresden und sorgte bundesweit für Schlagzeilen: Der unerwartete Einsturz der Carolabrücke über die Elbe hat Fragen zum allgemeinen Sanierungsstau bei Brücken aufgeworfen. In Trier sind aktuell alle 150 städtischen Brückenbauwerke verkehrssicher.

Dennoch gibt es dringenden Handlungsbedarf – vor allem beim wichtigsten Moselübergang.

Das berichtet die Trierer Rathaus Zeitung in ihrer aktuellen Ausgabe vom heutigen Dienstag.

Baudezernent Dr. Thilo Becker nahm das Unglück in Dresden zum Anlass, um einen Bericht über den Zustand der Trierer Brücken auf die Tagesordnung seines Ausschusses zu setzen. Der Schwerpunkt des Vortrags von Julian Lehnart, Leiter der Abteilung Verkehrswege und Gewässer im Amt StadtRaum Trier, lag auf den drei Moselbrücken.

Für die Sicherheitsüberprüfungen von Brücken gibt es genaue Vorschriften: Jedes Jahr gibt es eine Sichtprüfung, alle drei Jahre eine genauere ingenieurtechnische Untersuchung. Nach unerwarteten Ereignissen können Sonderprüfungen veranlasst werden – in diesem Jahr zum Beispiel nach dem Pfingsthochwasser an der Kaiser-Wilhelm-Brücke und nach dem schweren Verkehrsunfall auf der Napoleonsbrücke. Bei den Prüfungen werden Noten von 1 bis 4 vergeben, wobei die Note 3,5 bereits einen ungenügenden Bauzustand beschreibt und die sofortige Sperrung zur Folge hat.

Aktuell alle Trierer Brücken verkehrssicher

„Aktuell sind alle Trierer Brücken verkehrssicher“, betonte Becker mit Blick auf die letzten Prüfungsergebnisse. Von den 150 Brücken in der Verantwortung der Stadt Trier befinden sich demnach 70 Prozent in einem sehr guten bis befriedigenden Zustand. Allerdings: Die restlichen 30 Prozent müssen möglichst bald instandgesetzt werden. Zehn Brücken erhielten zuletzt sogar das Prädikat „kritischer Bauzustand“ mit Noten zwischen 3,0 und 3,4.

Instandsetzung der Konrad-Adenauer-Brücke besonders dringlich

Besonders dringlich ist die Instandsetzung der Konrad-Adenauer-Brücke, die als einzige der Trierer Moselbrücken für Schwerlastverkehr von über 40 Tonnen freigegeben ist. Sie besteht aus elf Einzelbauwerken, von denen nur eines als befriedigend bewertet wird. Sechsmal wurde die Note „noch ausreichend“ vergeben, bei vier Teilen ist der Zustand bereits kritisch. Lehnart beschrieb die Schäden: „Das Bauwerk ist zum Teil durchfeuchtet, es gibt Korrosion, Lagerverschiebungen und freiliegende Bewehrungen.“

Täglich befahren rund 44.000 Fahrzeuge die Brücke, davon allein 2000 Schwerlastzüge. Damit die wichtige Verkehrsader nicht kurzfristig gesperrt werden muss, sollen die dringendsten Instandsetzungen an den Fahrbahnübergängen 2025 erledigt werden. Entsprechende Haushaltsmittel seien eingeplant, so Lehnart. Mittelfristig sei jedoch eine Generalsanierung der Konrad-Adenauer-Brücke mit Kosten im zweistelligen Millionenbereich unumgänglich. Als ersten Schritt plant StadtRaum Trier für das kommende Jahr eine detaillierte Schadensanalyse.

Bei den beiden anderen Moselbrücken in städtischer Trägerschaft sieht es nicht viel besser aus. Von den fünf Teilbauwerken der Kaiser-Wilhelm-Brücke wurden zuletzt vier als „noch ausreichend“ und eines als „kritisch“ bewertet. Die Kosten für eine Sanierung werden auf 12,5 Millionen Euro geschätzt. Der Bauzustand der Römerbrücke gilt seit 2020 insgesamt als kritisch. Hier muss bei einer Sanierung deren Status als Weltkulturerbe berücksichtigt werden. „Es besteht Handlungsbedarf, für den wir die Unterstützung des Stadtrats brauchen“, fasste Becker die Situation zusammen.

(Quelle: Trierer Rathaus Zeitung / Ralph Kießling, Ausgabe vom 15.10.24)

5 Kommentare

  1. Ach alles halb so wild!
    Da wenden wir das ultimative trierer Hausmittel an und stellen Schilder mit „Straßenschäden“ und „30“ auf! Dann ist das wieder gut!

  2. Für die Sicherheitsüberprüfungen von Brücken gibt es genaue Vorschriften: Jedes Jahr gibt es eine Sichtprüfung, alle drei Jahre eine genauere ingenieurtechnische Untersuchung.

    und dann plötzlich so „oh oh.. da muss was repariert werden!!“

    diese Schäden müsste doch der Ingenieur schon vor 3 Jahren festgestellt haben und was veranlasst haben?

    wurde hier am falschen Ende gespart?

    die Römerbrücke ist seit 2020 in einem desolaten Zustand .. Liebe Stadt – dann macht was dagegen.

    4 Jahre sind seit dem vergangen?

    was macht ihr so den ganzen Tag ?

  3. Am liebsten würde ich nicht mehr über diese Brücken fahren, geht aber praktisch leider nicht. Daher kann man nur jedes Mal hoffen, dass alles gut geht, in anbetracht der Prüfergebnisse und seit wann bereits der Zustand der Brücken als kritisch eingestuft wird. Die Behebung der Schäden kann dauern wie man sieht….hoffentlich ist es dann nicht zu spät irgendwann.

  4. @Marie: wenn was passieren sollte, müssen alle Beteiligte dafür haftbar gehalten werden,
    ob unser Verkehrsdezernent – der Ingenieur – alle die an diesem „Unglück“ schuld sind.

    wenn das nicht passiert , verstehe ich die Welt nicht mehr!

    Wie du schon sagtest der Zustand der Brücke ich nicht neu…

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