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Die meisten Länder mit niedrigem Einkommen stehen am Rande einer veritablen Schuldenkrise, ein Fakt, der seit langem schon Ängste vor einer globalen Auusbreitung schürt. Deshalb hielt der Präsident Sambias, Hakainde Hichilema, eine Rede vor mehreren führenden Persönlichkeiten der Welt, darunter der US-Finanzministerin Janet Yellen und dem Chef der Weltbank Ajay Banga. Ziel des Treffens war es, Ideen und Strategien zur Verhinderung einer weltweiten Schuldenkrise zu entwickeln.
Steht eine globale Schuldenkrise bevor
Eine beträchtliche Anzahl von Entwicklungsländern mit niedrigen Staatseinnahmen befindet sich derzeit in einer Schuldenkrise oder steht kurz davor. Dies geschieht zu einer Zeit, in der in den USA und China, den größten Volkswirtschaften der Welt, ebenfalls ein Anstieg ihrer Staatsverschuldung erwartet wird, der sogar das Niveau vor der Pandemie übertreffen wird.
Im Jahr 2022 gerieten Ghana und Sri Lanka an den Rand der Zahlungsunfähigkeit und konnten ihre Auslandsschulden nicht mehr bedienen und traten damit in die Fußstapfen Sambias, das zwei Jahre zuvor in gröberen Zahlungsverzug geriet. Neben diesen Ländern stehen auch Ägypten und Pakistan am Rande der nationalen und internationalen Zahlungsunfähigkeit. Um den enormen politischen und wirtschaftlichen Druck jedoch etwas zu verringern, hat Pakistan mit dem Internationalen Währungsfonds eine vorläufige Vereinbarung über ein Finanzierungsabkommen über drei Milliarden US-Dollar treffen können.
Obwohl es gegenüber den Schuldenhöchstständen während der Covid-19-Pandemie einen Rückgang gab, ist die weltweite Staatsverschuldung immer noch bedrohlich hoch. Genauer gesagt, erreichte es bis Ende 2022 92 % des BIP. Auch wenn die steigende Verschuldung in Ländern mit niedrigem Einkommen besorgniserregend ist, gibt es glücklicherweise noch keine Anzeichen für eine globale Ausbreitung, die eine weltweite Krise auslösen könnte.
Allerdings arbeiten Ökonomen und Experten für Schuldenmanagement hart daran, eine Wiederholung einer Schuldenkrise zu verhindern, die viele Entwicklungsländer in den 1980er Jahren erlebten. Aus diesem Grund binden sie neue Gläubiger wie China ein, um die wirtschaftliche Erholung zu beschleunigen.
Ein weltweiter Kollaps
Die Covid-19-Pandemie hat die Weltwirtschaft stark beeinträchtigt und zu einem deutlichen Rückgang der Wirtschaftstätigkeit geführt. Die Regierungen reagierten mit einer Erhöhung ihrer Ausgaben, um die negativen Auswirkungen der Konjunkturabschwächung und des Verlusts von Arbeitsplätzen zu vermeiden. Infolgedessen kam es zu einem starken Anstieg der weltweiten Staatsverschuldung, die den höchsten Stand seit Jahren erreichte.
Genauer gesagt stieg die Schuldenquote von 84 % Ende 2019 auf 100 % Prozent im nächsten Jahr an. Aus diesem Grund waren Länder mit niedrigem Volkseinkommen, die besonders von der Gesundheitskrise betroffen waren, stärker auf externe Kredite angewiesen, um die schwierige und herausfordernde Zeit zu meistern.
Ohne realistische Lösungen veränderten die Menschen ihre alltäglichen Arbeitsgewohnheiten und Hobbys und widmeten sich Aktivitäten, die kein Geld kosten, wie zum Beispiel mehr Zeit in der Natur zu verbringen und Sport zu treiben. Außerdem begannen sie, sich für kostenlose Unterhaltung anstelle von kostenpflichtigen Optionen zu entscheiden, wie zum Beispiel das Spielen auf Casinoseiten mit einem Bonus ohne Einzahlung, anstatt Geld in die Glücksspieltempel einzuzahlen, oder die Konsumation von YouTube-Videos, anstatt Netflix zu streamen.
Derzeit gelten etwa 60 % der Länder mit niedrigem BIP als Staaten mit hohem Risiko in eine Schuldenkrise zu geraten. Dieser Prozentsatz ist gegenüber den 40 % vor der Pandemie enorm gestiegen. Mehr noch, der Einmarsch Russlands in die Ukraine verschlimmerte diese Situation zusätzlich und führte zu einem Anstieg der Lebensmittel- und Rohstoffpreise.
Infolgedessen erhöhten die großen Zentralbanken die Zinssätze, eine Tatsache, die für Länder mit niedrigem und mittlerem Staatseinnahmen eine große Herausforderung darstellt. Während der Krisen wird der Wert des US-Dollars voraussichtlich steigen. Dies wird das Leben für ärmere Länder noch teurer machen und schwieriger, ihren Schuldenverpflichtungen nachzukommen, da ein großer Teil der grenzüberschreitenden Kredite und internationalen Schulden an den US-Dollar gebunden sind.
Darüber hinaus verursachte die Abwertung von staatlichen Währungen, wie zum Beispiel die des Ghanas Cedi, für zusätzliche Schuldenlasten. Zwischen Januar und Oktober 2022 erlebte Ghana einen Wertverlust seiner Währung um mehr als 50 %. Dadurch stiegen seine Schulden um sechs Milliarden US-Dollar. Dann, im Dezember 2022, geriet Ghana mit der Begleichung eines Großteils seiner Auslandsschulden in Verzug und tendiert nun dazu, die Rückzahlung seiner Auslandsschulden um 20 Milliarden US-Dollar in den nächsten drei Jahren um die Hälfte zu reduzieren. Um dies zu erreichen, beantragte es beim IWF einen Kreditvereinbarung über mehr als drei Milliarden US-Dollar.
Um wessen Geld handelt es sich?
In der Vergangenheit liehen sich Länder mit niedrigem BIP bestimmte Geldsummen vom sogenannten „Pariser Club“, dem wohlhabendere Nationen wie die USA, Großbritannien, Australien und Deutschland angehören, ausgeliehen. Dazu gehörten auch andere Finanzinstitutionen wie die Weltbank, der IWF oder die Afrikanische Bank für Entwicklungsfragen.
Allerdings sind in den letzten 20 Jahren China und private Anleihegläubiger an die Stelle des Pariser Clubs getreten. Mittlerweile hält beispielsweise China mehr als die Hälfte der Auslandsschulden Sambias. Um Gläubiger wie China in den Schuldenerlassprozess einzubeziehen, hat der G20-Schuldendienst einen gemeinsamen Rahmen geschaffen, der die Schuldenbehandlung für Länder mit niedrigem BIP koordinieren und lenken soll.
Es bleibt daher abzuwarten, ob dies der Weltwirtschaft hilft und dazu beiträgt, ein Übergreifen der Schuldenkrise auf globale Ebene zu verhindern.
























