Mega-Schau in der „Fondazione Prada“: Einband des Ada-Evangeliars nach Mailand verliehen

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Einband des Trierer Ada-Evangeliars mit Konstantin-Kameo im Zentrum (Wissenschaftl. Bibliothek der Stadt Trier, zu Hs 22). Foto: Alexander Scheidweiler

TRIER. Einen spektakulären Ortswechsel erlebt der Einband des Trierer Ada-Evangeliars. Das kostbare Stück aus der Schatzkammer ist für drei Monate nach Mailand verliehen worden, wo eine Ausstellung mit weiteren erlesenen Exponaten stattfindet, wie die Stadt Trier mitteilt.

In Mailand organisiert die „Fondazione Prada“ eine Ausstellung zum Thema „Recycling Beauty“, zu Deutsch: „Die Wiederverwendung des Schönen“. Thema der Präsentation ist die bewusste Wiederaufnahme griechischer und römischer Kunstwerke aus der Antike in den Epochen von Mittelalter bis Barock. Die Ausstellung möchte vor Augen führen, dass die Vergangenheit kein abgeschlossenes Gebilde ist, sondern die Kraft ständiger Entwicklung in sich trägt.

Zu den gut 50 erlesenen Stücken, die ausgestellt werden, gehört auch der Einband des Trierer Ada-Evangeliars. Damit rangiert die Trierer Schatzkammer neben so bedeutenden Häusern wie dem Louvre in Paris, den Vatikanischen Museen in Rom oder den Uffizien in Florenz. Im Einband des Ada-Evangeliars befindet sich ein geschliffener Stein aus der späten Antike. Er zeigt Kaiser Konstantin und seine Familie in einem Zustand der Vergöttlichung. Im Mittelalter wurde der Stein an der Hofschule Kaiser Karls des Großen wiederverwendet. Er fand Eingang in den Prunkdeckel des Ada-Evangeliars. Karl der Große betrachtete sich als Nachfolger Kaiser Konstantins und Erbe des Weströmischen Reiches.

Ebenfalls in Mailand zu sehen sind verschiedene Fragmente einer Kolossalstatue Kaiser Konstantins. Die Statue gilt als eines der wichtigsten Werke der antiken Bildhauerkunst. Der Kopf und der linke Fuß waren 2007 als Abgüsse Teil der großen Konstantinausstellung in Trier. In Mailand werden linker Fuß und rechte Hand erstmalig wieder zusammengeführt und die Statue wird als Kopie vollständig rekonstruiert. Nach Beendigung der Ausstellung geht die Rekonstruktion an die Kapitolinischen Museen, wo auch die Originalfragmente liegen.

Weitere spektakuläre Objekte der Ausstellung sind eine aus hellenistischer Zeit stammende Skulptur zum Thema „Ein Löwe attackiert ein Pferd“, ein Grabrelief aus der Casa Santacroce (erstes Jahrhundert nach Christus) oder der „Farnese Cup“ (2. Jahrhundert vor Christus), der größte geschliffene Stein der Antike. Allen genannten Stücken wurden von den nachfolgenden Epochen Bedeutung und neues Leben eingehaucht. Sie bezeugen das Phänomen der Wiederverwendung des Schönen unter veränderten zeithistorischen Umständen.

Die „Fondazione Prada“ ist eine Gründung des Mailänder Modehauses Prada aus dem Jahr 1993. Auf einer ehemaligen Industriebrache am Lago Isarco entstand ein riesiger Museums- und Ausstellungskomplex, der nach zehnjähriger Bauzeit am 20. April 2018 eröffnet werden konnte. Eine Nebenstelle befindet sich in Venedig. Das architektonisch hoch ambitionierte Projekt verbindet historische Gebäudesubstanz mit neuartigen Elementen, etwa dem 60 Meter hohen Museumsturm. Die Planungen lagen in Händen des niederländischen Architekten Rem Koolhaas. Er zeichnete auch für die architektonische Gestaltung der Ausstellung „Recycling Beauty“ verantwortlich.

Die Ausstellung läuft noch bis zum 27. Februar 2023. Ein begleitender Katalog in Englisch beschreibt die Exponate und liefert wichtige Hintergrundinformationen. Er enthält auch einen Beitrag über den Einband des Trierer Ada-Evangeliars aus der Feder von Professor Michael Embach, Leiter der Wissenschaftlichen Bibliothek Trier und des Stadtarchivs.

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