Hamsterkäufe: Wie knapp sind Mehl und Speiseöl wirklich?

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Foto: Lokalo.de (se)

BERLIN. Die Ukraine gilt als Kornkammer Europas, auch Russland ist ein großer Agrarproduzent. Befürchtungen, dass Krieg und Sanktionen zu Lieferengpässen bei Lebensmitteln führen könnten, bewirken in ganz Deutschland Hamsterkäufe. Wurde zu Beginn der Pandemie v.a Toilettenpapier gehortet, leeren sich nun, angesichts des Kriegs in der Ukraine, vielerorts die Regale für Speiseöl und Mehl.

Nach einem Bericht der Süddeutschen Zeitung bestätigt der Handelsriese EDEKA, „dass es bei bestimmten Produkten zu Engpässen kommen könne.“ Bereits Anfang des Monats warnte der Verband der ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland (OVID) mit Sitz in Berlin vor einer Verknappung der Versorgung mit Speiseölen und Eiweißfutter für Nutztiere: „Die Ukraine und Russland sind wichtige Lieferanten von Sonnenblumen, Raps, Lein und Soja. Der Konflikt dürfte die bereits angespannte Lage an den Märkten weiter anheizen“, hieß es in einer Pressemitteilung des Verbandes. Die Ukraine und Russland seien mit 51% bzw. 27% mit Abstand die wichtigsten Produzenten von Sonnenblumenöl weltweit.

Der Krieg könne aber „auch Einfluss auf die heimische Versorgung mit Eiweißfuttermitteln aus Sonnenblumen, Raps oder Soja für Rind, Schwein und Geflügel haben“, so OVID weiter. Bei Lein- und Rapssaaten liege der Anteil Russlands an den EU-Importen bei 37%, derjenige der Ukraine immerhin bei 5%. Die in der EU verarbeiteten Leinsaaten werden zu 90% importiert.

Doch auch bei Mehl ist eine verstärkte Nachfrage zu beobachten. In einer aktuellen Pressemitteilung appelliert der ebenfalls in Berlin ansässige Verband der Getreide-, Mühlen- und Stärkewirtschaft (VGMS) fast flehentlich an die Verbraucher: „Nicht Hamstern! Deutschland importiert kein Brotgetreide aus der Ukraine und Russland.“ Der Selbstversorgungsgrad der Bundesrepublik betrage bei Weizen 130%. Peter Haarbeck, Geschäftsführer des VGMS, warnt sogar davor, dass Hamsterkäufe die Lage verschlimmern könnten: „Die bereits angespannte Logistik wird durch das Hamstern zusätzlich belastet, was wiederum zu leeren Regalen führt. Das ist vollkommen unnötig.“

Scharfe Kritik übt Haarbeck am Lebensmitteleinzelhandel. Aktionsangebote für Mehl setzten völlig falsche Signale: „Sie verleiten die Menschen dazu, mehr als üblich einzukaufen und das ist kontraproduktiv“, so Haarbeck.

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