„Teilhaben an einem historischen Schatz“: Kooperation von Stadt und Universität Trier trägt Früchte

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Prof. Dr. Michael Embach, Prof. Dr. Lukas Clemens, Markus Nöhl und Dr. Simone Fugger von dem Rech bei der Präsentation des Projekts (v.l.n.r.). Foto: Alexander Scheidweiler

TRIER. Im Juli wurde das richtungsweisende Kooperationsabkommen zwischen der Stadt und der Universität Trier unterzeichnet. Nun wurde im Lesesaal der Wissenschaftlichen Bibliothek das erste gemeinsame Großprojekt präsentiert: Tausende Fotos aus den Beständen des Stadtarchivs werden digitalisiert und im Rahmen einer Datenbank mit historischen Karten zusammengeführt – ein Meilenstein, sowohl für die Forschung wie auch für die allgemeine Öffentlichkeit.

Von Alexander Scheidweiler

Rund 3000 Karten und Pläne lagerten in den Beständen des Trierer Stadtarchivs, so Dr. Simone Fugger von dem Rech, Leiterin des Archivs beim gestrigen Pressetermin im Lesesaal der Wissenschaftlichen Bibliothek der Stadt am Weberbach. Rund 100.000 Fotos und Ansichtskarten befänden sich außerdem in den Beständen, so Fugger von dem Rech weiter, lediglich 7.000 seien bisher digitalisiert. Dies zeige, welche Potentiale durch weitere Digitalisierung noch gehoben werden können. Sie freue sich daher, so die neue Archivleiterin, die am 1. September ihre Stelle in Trier antrat, mit einem großen Projekt zu starten.

Bei diesem Großprojekt handelt es sich um die Erstellung eines historisch-geographischen Informationssystems zur Stadtgeschichte Triers, durch Verknüpfung eines digitalen Stadtplans mit den Karten- und Fotobeständen des Archivs, im Rahmen eines Gemeinschaftsprojekts des Stadtarchivs und der Universität Trier, basierend auf dem im Juli unterzeichneten Kooperationsabkommen zwischen Stadt und Universität (Lokalo berichtete).

Das klingt nun etwas technisch und trocken, ist es aber gar nicht, wie die Präsentation des Historikers Prof. Dr. Lukas Clemens von der Universität Trier deutlich machte. Clemens, der das Projekt leitet und mit seinem Team vorstellte, erklärte, dass das erste Modul des Projekts, in dessen Rahmen rund 6.000 Fotos aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert mittels der an der Universität Trier entwickelten Datenbank FuD mit historischen Karten verknüpft werden, im nächsten Jahr fertig sein wird.

Ein Mehrwert für die wissenschaftliche Nutzung ergibt sich unmittelbar, wenn die analog verstreuten Archivalien samt zugehörigen Informationen (z.B. was auf einem Bild zu sehen ist, wer der Fotograf war oder wo sich das ggf. nicht mehr vorhandene Bauwerk befunden hat) digitalisiert, vernetzt und über eine Datenbank erschlossen werden. Zudem kann auf digitalisierte Bestände sehr viel leichter zugegriffen werden, und zwar ohne dass die empfindlichen Originale hervorgeholt werden müssen, was unter Erhaltungsgesichtspunkten einen enormen Gewinn darstellt, den auch Fugger von dem Rech in einem Interview am 25.10. angesprochen hatte.

„Bessere Frequentierbarkeit“ nannte dies Markus Nöhl, Kulturdezernent der Stadt Trier. Als Historiker freue er sich nicht nur über die Kooperation von Stadt und Universität, die Bestand und Expertise zusammenführe, sondern auch darüber, dass das Projekt es ermögliche, die Geschichte im wahrsten Sinne des Wortes „anschaulich“ darzustellen: „Wir aktivieren einen Quellenbestand, der sonst schwer zugänglich wäre“, so Nöhl. Sind historische Fotos und historische Stadtpläne erst einmal digital verknüpft, ist beispielsweise auch die Nutzung für jedermann über eine Handy-App vorstellbar, so dass etwa über QR-Codes an verschiedenen Orten der Stadt aufgerufen werden könnte, wie das betreffende Gebäude bzw. der betreffende Straßenzug in der Vergangenheit ausgesehen hat. Das Projekt ermögliche daher „einen völlig neuen Blick auf unsere Stadt, auf die historische Topographie“, und zwar nicht nur für ein Fachpublikum, sondern perspektivisch auch für die allgemeine Öffentlichkeit: „Man kann im ganz normalen Leben teilhaben an diesem historischen Schatz“, so Nöhl, der bereits bei der Präsentation des Konzepts „Museum für alle“ im Simeonstift am 6.10. hervorgehoben hatte, dass er die Förderung der kulturellen Teilhabe in der Breite als ein Hauptziel seiner Arbeit ansieht (Lokalo berichtete).

Wie dies im wahrsten Sinne des Wortes „aussehen“ kann, demonstrierte Michael Grün, Geograph vom Forschungszentrum Europa der Universität Trier, anhand des Prototyps einer interaktiven Karte, die im Internet bereitgestellt werden könnte und so leicht bedienbar ist wie die Karten von Google Maps. Nur bietet diese Karte die Möglichkeit, in einer Layer-Struktur historische Karten Triers bis zurück in die Zeit Napoleons über eine Open-Source-Karte der heutigen Stadt zu legen und die erfassten 6000 Fotos aufzurufen – die geschichtlichen Veränderungen der Stadttopographie und der Bausubstanz werden so erfahr- und nachvollziehbar. Neben den technischen Herausforderungen, auf die Grün hinwies und die sich aus der hohen Datenintensität ergeben – „Da braucht man einen starken Server“, so der Geograph – sind auch rechtliche Aspekte der Bereitstellung der digitalisierten Materialien zu klären, bevor „live“ gegangen werden kann. Alle beteiligten Partner müssten hier zu ihrem Recht kommen, erklärte Prof.Dr. Clemens. Eventuell müsse mit einem digitalen Wasserzeichen gearbeitet werden, über die Details werde man aber noch sprechen.

In jedem Falle werde es spannend sein zu sehen, wie auf die Daten künftig zugegriffen werde, so Prof. Dr. Michael Embach, Leiter der Wissenschaftlichen Bibliothek. Das Projekt adressiere die große Zukunftsaufgabe seines Hauses, die Überführung der Bestände aus den analogen in die digitalen Welten. Zur Bewältigung dieser Aufgabe sei die Partnerschaft mit der Universität, die die Quellenbestände und die Kompetenz zur wissenschaftlichen Auswertung bündele, zentral: „Dieses Projekt ist der Eisbrecher“, freute sich Embach.

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