Universität Trier und Wissenschaftliche Bibliothek der Stadt unterzeichnen richtungsweisendes Kooperationsabkommen

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Bürgermeisterin Elvira Garbes und Universitätspräsident Prof. Dr. Michael Jäckel bei der Unterzeichnung. Im Hintergrund: Bibliotheksdirektor Prof. Dr. Michael Embach, die Germanistin Prof. Dr. Claudine Moulin und der Historiker Prof. Dr. Lukas Clemens (v.l.n.r.). Foto: Alexander Scheidweiler

Am gestrigen Montag wurde in der Schatzkammer der Wissenschaftlichen Bibliothek der Stadt Trier ein richtungsweisendes Kooperationsabkommen zwischen der Stadt und der Universität feierlich unterzeichnet. Ziel ist die Digitalisierung der kulturell herausragenden Bestände der Bibliothek.

Ein Bericht von Alexander Scheidweiler

Prof. Dr. Michael Embach ist zufrieden. Zwei Partner mit spezifischen Stärken hätten sich zusammengefunden und intensivierten ihre bereits bestehende Zusammenarbeit. Die Wissenschaftliche Bibliothek der Stadt Trier, deren Direktor Embach ist, verfüge über Bestände, die bis in die Karolinger-, ja teilweise sogar in die Merowingerzeit zurückreichen; die Universität Trier bringe die wissenschaftlichen Fähigkeiten ein, diese Bestände auszuwerten und zu erschließen. Vielfach sei dies in der Vergangenheit bereits geschehen: Zahlreiche Dissertationen, die an der Universität entstanden sind, befassten sich mit den Beständen der Bibliothek, verfasst von Vertretern der verschiedensten Disziplinen: Historiker, Germanisten, Kunsthistoriker haben über die Bestände Doktorarbeiten verfasst. Nun aber werde ein neues Kapitel aufgeschlagen, das er als „Einschnitt in der Geschichte des Hauses“ bezeichnen würde, so Embach.

Embach steht in der Schatzkammer der Wissenschaftlichen Bibliothek, zwischen mächtigen historischen Globen und schönen mittelalterlichen Codizes. Er ist erschienen, um gemeinsam mit Universitätspräsident Prof. Dr. Michael Jäckel eine Kooperationsvereinbarung zu unterzeichnen, deren Ziel ist, die kulturgeschichtlich so bedeutenden Bestände der Bibliothek digital zu sichern und sie so der wissenschaftlichen, aber auch der allgemeinen Öffentlichkeit leichter zugänglich zu machen. Embach bedankt sich bei Jäckel für den „sorgfältigen Prozess der Herbeiführung“ der Zusammenarbeit, bei Bürgermeisterin Elvira Garbes für die Unterstützung, die das Vorhaben durch die Stadtspitze erfahren habe, und lobt seine Stellvertreterin Dr. Eva Seidenfaden für die Betreuung der technischen Aspekte des Projekts.

Universitätspräsident Jäckel schließt sich in seinem Statement an, was die bisherige Zusammenarbeit angeht. Diese sei bereits ausgesprochen fruchtbar gewesen: So wurden mit dem virtuellen Skriptorium St. Matthias die Bestände der traditionsreichen Trierer Benediktinerabtei im Netz unter https://stmatthias.uni-trier.de zugänglich gemacht. Gemeinsam habe man zudem erst unlängst eine wichtige wissenschaftliche Tagung zu den karolingischen Handschriften der Bibliothek organisiert. Und auch die vom Land Rheinland-Pfalz geförderte Website der Cultural Heritage Studies Trier sei aus der Zusammenarbeit von Bibliothek und Universität hervorgegangen (https://www.chest.uni-trier.de). Insofern sei die neue Kooperation lediglich „die konsequente Finalisierung einer Zusammenarbeit, die schon seit Jahren gut funktioniert hat.“

Das Projekt sei aber auch für die Zukunft von großer Bedeutung, erläutert Jäckel, da die „Digital Humanities“ im Kommen seien. Auch andere Universitäten rüsteten in diesem Bereich auf. Das wissenschaftliche Anliegen der Universität sei zunächst einmal das „Generieren von Forschungsdaten“, die von vielen Nachnutzern verwendet werden können. Jäckel freut sich, dass es gelungen ist, das Projekt unter dem Dach der Wissenschafts-Akademie Trier zu verwirklichen, die für weitere Kooperationspartner offen sei. Er selbst, so Jäckel, werde ich für die Zukunft im Rahmen der Universität der Großregion, zu der neben der Universität Trier die Universitäten Kaiserslautern, Saarbrücken, Lüttich, Metz und Luxemburg gehören, dafür einsetzen, dass die Sicherung des kulturellen Erbes zum Schwerpunktthema gemacht wird.

Bürgermeisterin Garbes verleiht auch seitens der Stadt der Freude über das Zustandekommens des Projekts Ausdruck. Hierzu habe das gute Vertrauensverhältnis aller Beteiligten wesentlich beigetragen, das nicht zuletzt der überschaubaren Größe der Strukturen in Trier geschuldet sei. Der Stadt sei besonders wichtig gewesen, dass die Digitalisierung dazu führt, dass die Bestände ihrer Bibliothek genutzt werden können, ohne dass die wertvollen und empfindlichen Exponate das Haus verlassen müssen. Auch dass die Digitalisierung es erleichtert, die kulturell so bedeutenden Werke nicht nur Forschenden, sondern auch interessierten Laien zugänglich zu machen, freut Garbes.

Der Historiker Prof. Dr. Lukas Clemens schildert die Verknüpfung von historischen Stadtplänen mit fotographischem Material als aussichtsreiches Projekt für die Zukunft: Allein für die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg stünden rund 14.000 Fotografien zur Verfügung. Diese sollen digital mit historischen Stadtplänen aus dem 19. Jahrhundert zusammengebracht werden, so dass ein virtuelles Bild Triers aus der Zeit vor den Verheerungen des Zweiten Weltkriegs entsteht. Hieraus könne sogar eine App entwickelt werden, mit der Besucher einen virtuellen Rundgang durch das historische Trier unternehmen können. Auch mit dem Stadtmuseum Simeonstift sei die Entwicklung neuer Medien-Stationen für die Dauerausstellung geplant.

Die Germanistin Prof. Dr. Claudine Moulin erklärt, man wolle an das virtuelle Skriptorium St. Matthias anknüpfen und auch die Skriptorien der anderen Trierer Klöster digitalisieren. Die Erfahrung habe außerdem gezeigt, dass in der Öffentlichkeit ein starkes Interesse bestehe, wenn es möglich gemacht werde, an Medienstationen in historischen Codizes zu blättern. Schließlich müsse man sich die Vorteile der Digitalisierung vor Augen führen: So sei es etwa möglich, im Digitalisat Randbemerkungen und Benutzerspuren zu dokumentieren und zugänglich zu machen, die teilweise mit dem bloßen Auge im Original gar nicht erkennbar seien.

Zu Recht sind sich die Anwesenden am Ende einig, dass das Projekt der wissenschaftlichen und der allgemeinen Öffentlichkeit auf vielfältige Weise sehr zugutekommen wird. Die Kooperationsvereinbarung kann unterschrieben werden. Im Anschluss gibt es ein Gläschen Sekt.

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