Stadtmuseum Simeonstift: Museum für alle und Gemäldegalerie für Trier

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Alexandra Orth MA (wissenschaftliche Mitarbeiterin), Dr. Dorothée Henschel (Leiterin der Abteilung kulturelle Bildung) und Dr. Elisbeth Dühr (Direktorin des Stadtmuseums Simeonstift, v.l.n.r.) vor dem Gemälde "Alexander und Diogenes" von Januarius Zick (1730-1797). Foto: Alexander Scheidweiler

TRIER. Durch seine hervorragende Vermittlungsarbeit, die alle Gruppen in der Gesellschaft im Blick hat, spielt das Trierer Stadtmuseum Simeonstift in der „Bundesliga“, so Kulturdezernent Markus Nöhl. In der Tat hält das Museum eine beeindruckende Vielfalt an Angeboten für alle und jeden bereit. Und mit der neuen Ausstellung „Eine Gemäldegalerie für Trier“ öffnet man das „Schatzkästchen“.

Von Alexander Scheidweiler

Lange Zeit sei der wichtige Begriff der Barrierefreiheit zu eng gefasst worden, erläuterte Dr. Elisabeth Dühr, Direktorin des Stadtmuseums Simeonstift, im Pressegespräch am gestrigen Mittwoch. Lange Zeit habe er v.a. etwas mit der Frage zu tun gehabt, wie man Menschen mit Einschränkungen, etwa Rollstuhlfahrern, das Museum zugänglich machen kann. Das ist wichtig, aber es ist bei weitem nicht erschöpfend. Es sei daher ein Lernprozess gewesen, auch für sie und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, zu verstehen, dass es ganz unterschiedliche Barrieren gibt, die Menschen davon abhalten können, Schönheit und Vielfalt der Kultur zu erleben, so Dühr. Die wichtigste sei dabei die Sprache.

Denn der Gipfelpunkt der akademischen Ausbildung sei es ja, so Dühr ironisch, sich so auszudrücken zu lernen, dass möglichst niemand mehr mitkommt. Dass das aber aber für die Vermittlung der Kultur an eine breitere Öffentlichkeit fatal ist, liegt auf der Hand, wie ihr und ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern u.a. auch durch Fortbildungen des Museumsverbandes klar wurde. Deshalb gilt im Trierer Stadtmuseum Simeonstift: „Barrierefreiheit wird bei uns im Haus ganz groß geschrieben.“ Dies drückt sich in einem vielfältigen Begleitprogramm aus öffentlichen und buchbaren Angeboten aus: Es beginnt bei dem Begleitheft „Kunst anschauen – Stadtgeschichte verstehen“, das die Dauerausstellung in leichter Sprache erschließt, setzt sich fort in Krabbelgruppen für Säuglinge, umfasst Führungen in leichter Sprache, Kunst-Workshops für Erwachsene und reicht bis zur Veranstaltungsreihe „Reif für die Kunst“, die sich an die Älteren richtet. Ein „Museum für alle“ eben.

Auch Markus Nöhl, Kulturdezernent der Stadt Trier, hatte in seinen einleitenden Ausführungen betont, dass es ihm ein wichtiges Anliegen sei, die „kulturelle Teilhabe“ in der Stadt zu stärken: „Jeder soll herangeführt werden und die vielfältigen Formen der Kultur kennenlernen“, so Nöhl. Dazu bedürfe es aber fundierter Vermittlungsarbeit und unkomplizierter Zugänge, denn nicht jeder ist schon von Haus aus kulturaffin. Mit rund 400 öffentlichen und gebuchten Veranstaltungen pro Jahr leiste das Stadtmuseum Simeonstift in diesem Bereich ganz herausragende Arbeit, hob der Kulturdezernent hervor: „Unser Museum spielt in der Bundesliga.“

Die „Gemäldegalerie für Trier“ wird im selben Gebäudeteil gezeigt wie die Ausstellung „Orte jüdischen Lebens in Trier“. Foto: Alexander Scheidweiler

Auch zur anstehenden Sonderausstellung „Eine Gemäldegalerie für Trier“, die am 10. Oktober eröffnet wird, gebe es „ein sehr durchdachtes Begleitprogramm“, sagte Nöhl. Die 2008 erstmals gezeigte Gemäldegalerie vereint hochkarätige Gemälde und Skulpturen des 18. und 19. Jahrhunderts aus der städtischen Kunstsammlung. Nach 13 Jahren wird sie mit einigen Ergänzungen erstmals wieder im Neubau des Simeonstifts gezeigt. „Man öffnet ein bisschen das Schatzkästchen“, resümierte Nöhl.

Dr. Dorothée Henschel, Leiterin der kulturellen Bildung am Stadtmuseum, unterstrich, wie sehr die Konzepte der kulturellen Bildung und des Museums für alle Hand in Hand gehen. Dabei verfolge man das Ziel, alle Altersgruppen anzusprechen, Menschen mit besonderen Bedürfnissen zu erreichen und auch Kitas, Schulen und Horten Angebote zu machen – die für diese Institutionen im Übrigen kostenfrei sind, damit der Museums-Eintritt nicht zur Hürde etwa beim Klassenausflug wird.

Einen Schwerpunkt bilden dabei Kinder und Familien: Neben den bereits erwähnten Krabbeldecken, mit denen bereits ein- bis zweijährige Kinder mit Liedern, Geschichten und einfachen Spielideen auf ihre erste Entdeckungsreise durch Trier gehen können, werden Führungen für Eltern mit Kleinkindern angeboten, es gibt Bastelstunden für Kinder ab drei, die „Museumsdetektive“ für Kinder ab fünf, Zeichenkurse für Kinder ab acht und schließlich den „Jugendclub“ ab 12, in dem die Jugendlichen die Möglichkeit haben haben, den Museumsalltag mitzuerleben, den Kuratoren und Restauratoren über die Schulter zu schauen und neue Ausstellungen von der Planung bis zum Aufbau zu begleiten. Diese Altersgruppe bilde gewissermaßen „die Königsdisziplin“, so Henschel, denn erstaunlich viele Jugendliche interessierten sich grundsätzlich für Kunst und Kultur. Dennoch sei gerade diese Altersgruppe nicht ganz einfach zu erreichen.

Steinmetz Henning Wirtz restauriert eine Sphinx mit Putte von Ferdinand Tietz (1708-1777). Foto: Alexander Scheidweiler

Alexandra Orth M.A., wissenschaftliche Mitarbeiterin am Stadtmuseum, führte aus, dass die beliebte Weihnachtsausstellung des Museums in diesem Jahr unter dem Titel „O Tannenbaum“ auch als Familienausstellung gestaltet wird, die den Kindern Bräuche und Traditionen rund um die weihnachts- und Winterzeit näherbringend soll. Dabei werden „weihnachtliche Grundfragen“ gestellt, die Kinder am Fest der Feste besonders interessieren, z.B. wer eigentlich die Geschenke bringt – das Christkind? Der Nikolaus? Oder vielleicht der Weihnachtsmann? Das muß man ja wissen, damit man seine Briefe für die optimale Geschenk-Ausbeute auch richtig adressieren kann.

Zur Schau aus dem von Nöhl so benannten „Schatzkästchen“, der am 10.10. eröffnenden Ausstellung „Eine Gemäldegalerie für Trier“, die sich noch im Aufbau befindet, erläuterte Orth, dass die Auswahl von Gemälden und Skulpturen den Kontrast zwischen bzw. Übergang von der höfischen Kunst im Auftrag der Trierer Kurfürsten-Erzbischöfe im 18. zur Kunst des 19. Jahrhunderts veranschaulicht, in der Persönlichkeiten des Trierer Bürgertums als Mäzene hervortraten und sich verewigen ließen. Dementsprechend wird die Schau ein breites, kunstgeschichtliches Spektrum abdecken: Von den barocken Historienbildern eines Januarius Zick, deren Formate zu erkennen geben, dass sie für die fürst-erzbischöflichen Schlösser bestimmt waren, über die Werke des Jacques-Louis David-Schülers Johann Anton Ramboux, der in Trier sogar Fresken für Weinhandlungen schuf, sowie die von Mittelalter und Renaissance inspirierte Kunst des zur Gruppe der Nazarener gehörenden Josef Settegast spannt sich der Bogen bis zu frühmoderner Landschaftsmalerei, die auf das 20. Jahrhundert vorausweist. Eine Auswahl faszinierender Skulpturen, etwa die Sphingen des Rokoko-Bildhauers Ferdinand Tietz, werden die Schau abrunden.

Informationen zum umfangreichen Begleitprogramm der Ausstellung sowie zu allen anderen Angeboten des Stadtmuseums Simeonstift gibt es auf der Homepage des Museums: https://www.museum-trier.de/startseite/.

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