Nach Giseh, Machu Picchu und Trier: Welterbetitel für Bad Ems

Nun hat auch Bad Ems die begehrte Auszeichnung als Unesco-Welterbe. Baden-Baden, Bad Ems und Bad Kissingen haben zusammen mit acht anderen europäischen Kurorten als «Große Bäder Europas» den begehrten Titel.

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Boote liegen vor dem Kurhaus von Bad Ems. Foto: Thomas Frey/dpa/Archivbild

FAZHOU/BAD EMS. Bad Ems in Rheinland-Pfalz kann sich künftig in einem Atemzug etwa mit den Pyramiden von Giseh in Ägypten, der Inka-Stadt Machu Picchu in Peru und den Monumentalbauten in Trier nennen.

Die UN-Organisation für Bildung, Wissenschaft, Kultur und Kommunikation (Unesco) zeichnete Baden-Baden, Bad Ems und Bad Kissingen am Samstag zusammen mit acht anderen europäischen Kurorten als «Große Bäder Europas» als Welterbe aus. Auch die Künstlerkolonie Mathildenhöhe in Darmstadt ist seit Samstag Welterbe. Das zuständige Komitee der Unesco traf die Entscheidungen auf seiner 44. Sitzung in der chinesischen Stadt Fuzhou. Mit dem begehrten Titel werden nur Kultur- und Naturstätten von herausragendem universellen Wert ausgezeichnet.

«Wir nehmen die damit verbundene Verantwortung gerne an und freuen uns, wenn bald viel mehr Menschen dieses elegante Kleinod an der Lahn entdecken», teilte die Staatssekretärin im Innenministerium, Nicole Steingaß, nach der Entscheidung mit. «Welterbe bedeutet für uns gleichermaßen Chance und Verpflichtung. Wir haben nunmehr die Verantwortung für ein Gut, welches die Unesco als Teil des kulturellen Erbes der Menschheit anerkannt hat», sagte Oliver Krügel, Stadtbürgermeister von Bad Ems. Rheinland-Pfalz hat in der kommenden Woche noch mit zwei weiteren Bewerbungen die Chance auf einen Welterbetitel.

Die «Großen Bäder Europas» sind Kurorte, die vom späten 18. Jahrhundert bis ins frühe 20. Jahrhundert internationale Bedeutung erlangten. Natürliche Thermalwasser sind Grundlage einer Epochen übergreifenden Tradition der europäischen Badekultur. Zu den elf Kurstädten, die den Welterbetitel erhielten, zählen auch Spa (Belgien), Vichy (Frankreich), Bath (Vereinigtes Königreich) sowie Karlsbad, Franzensbad und Marienbad aus der Tschechischen Republik. Im Stadtbild zeichnen sich die Kurorte bis heute mit Bauten aus, die auf medizinische, therapeutische und gesellschaftliche Funktionen ausgerichtet sind.

Mit Bad Ems hat Rheinland-Pfalz nun den fünften Welterbetitel. 1981 hat das Welterbekomitee schon den Dom zu Speyer als Stätte in Rheinland-Pfalz anerkannt, 1986 Römische Monumente, Dom und Liebfrauenkirche in Trier, 2002 das Obere Mittelrheintal und vor 16 Jahren die ersten 75 Kilometer des Obergermanisch-Raetischen Limes.

«Mit ihrer Kurtradition und ihren städtebaulichen Besonderheiten bringen sie auf einzigartige Weise das Phänomen der europäischen Kurstadt zum Ausdruck», sagte die Staatsministerin für internationale Kulturpolitik im Auswärtigen Amt, Michelle Müntefering, über die Kurorte. «Vielfalt und Einheit gehen hier Hand in Hand. Die Tradition der Kurbäder und ihre besondere Architektur, ihre Gemeinsamkeiten und Eigenheiten offenbaren sich hier wie nirgendwo sonst.»

Das Welterbekomitee tagt noch bis zum 31. Juli online und vor Ort. Es setzt sich aus 21 gewählten Vertragsstaaten der Welterbekonvention zusammen. Es entscheidet in der Regel jährlich über die Einschreibung neuer Kultur- und Naturstätten in die Welterbeliste und befasst sich mit dem Zustand eingeschriebener Stätten. Wegen der Pandemie war die Tagung im vergangenen Jahr verschoben worden. Auf der Welterbeliste stehen mehr als 1100 Kultur- und Naturstätten in 167 Ländern. 51 davon gelten als bedroht.

Auf der Tagesordnung standen insgesamt fünf Bewerbungen mit deutscher Beteiligung. Nach den positiven Bescheiden für die Bäder und die Mathildenhöhe stehen auch noch zwei weitere Bewerbungen aus Rheinland-Pfalz auf dem Plan. In der kommenden Woche geht es um das jüdische Kulturerbe in Mainz, Speyer und Worms und um den Niedergermanischen Limes.

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