++ “Frechheit und Augenwischerei” – ein Kommentar zur “möglichen Gastro-Öffnung” unter strengen Auflagen ++

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Sebastian Kahnert (dpa)

TRIER. „Wir werden in Rheinland-Pfalz am 22. März die Außengastronomie mit Sicherheitsmechanismus öffnen. Es ist ein wichtiges Signal an die Gastronomie, die seit November geschlossen ist […]“., so die Worte von Ministerpräsidentin Malu Dreyer am Freitag Abend.

Prompt folgte eine demütige Lobhudelei durch den Verbandspräsidenten der rheinland-pfälzischen DEHOGA, Gereon Haumann: „Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) habe Wort gehalten […]. Dies sei für die gebeutelte Branche ein wichtiges Signal. Der Verband erwarte, dass Dreyer nun auch ihre Zusage einhalte, Hotels und Restaurants an Ostern eine Öffnungsperspektive zu geben“.

Dem Verfasser des Kommentars ist noch nicht ganz bewusst, welches Zitat schlimmer ist.

Dass das rheinland-pfälzische Coronakabinett eine Regelung bar jeglicher Vernunft installiert, die Gastronom*innen zwar eine Möglichkeit, aber angesichts der momentan steigenden Inzidenzwerte keine reale Perspektive bietet?
Oder dass Herr Haumann dies gut findet und damit einmal mehr beweist, dass sein Verständnis von Gastronomie nicht der Realität entspricht, er, im Gegenteil, noch mehr fordert?

Die Gestattung ist eine Augenwischerei sondergleichen. Eine Erlaubnis, die gastronomischen Betriebe wieder hochzufahren – im Wissen, dass die Inzidenzwerte rasant steigen (was dadurch beschleunigt wird) und die damit einhergehende Notbremse in Bälde greifen werden wird.

Dies als positiv darzustellen und den Gastronomen im Moment einen Anreiz zu bieten, den Betrieb hochzufahren und dabei mit immensen Kosten zu jonglieren, ist eine Frechheit. Hinzu kommt der Zeitpunkt der Bekanntmachung. Freitagabend für Montag. Was für ein Vorlauf, um Waren einzukaufen, das Personal zu aktivieren und die nötige Betriebstemperatur zu erreichen…

Die Möglichkeiten für den hierbei geforderten aktuellen Schnelltest sind in Trier begrenzt. Die Zentren sind montags bis freitags von 16-20 Uhr geöffnet und eine wirkliche Zertifizierung der Test gab es bisher nicht. Was ist mit den Wochenenden, die der Gastronomie üblicherweise den meisten Gewinn bringen würden? Bundesweit wird über die Notwendigkeit gesprochen, unbürokratischer zu arbeiten, damit das Impfen und alle mit der Pandemie zusammenhängenden Dinge schneller vonstatten gehen. Was nun hier gefordert wird, sind zusätzliche Verwaltungsaufgaben – beim Test, bei der „Überwachung“ und der Auswertung. Denn die Kommunen sollen, laut Dreyer, die Konzepte erarbeiten und überwachen. Diese Aufgaben, ebenfalls mit einem unrealistischen zeitlichen Vorlauf versehen, können in Trier, seien wir bitte ehrlich, mit der Aufstellung unserer Verwaltung gar nicht gestemmt werden. Davon ausgehend, dass diese Konzepte, wie üblich, noch nicht im Geringsten vorausschauend ausgearbeitet wurden.

Auch ist weiterhin unklar wie mit den Mitarbeiter*innen der Gastronomie verfahren werden muss. Ein Schnelltest wäre 24 Stunden gültig. Pro Person und Woche sind zwei kostenlose Schnelltests erlaubt. Um eine flächendeckende Sicherheit für die Mitarbeiter*innen und Gäste zu gewährleisten, entstehen demnach für jede*n Gastronom*in und jede*n Besucher*in zusätzliche Kosten. Darüber hinaus ein Mehraufwand in der Personalstruktur, um allen Regelungen gerecht werden zu können. Und und und….

Es könnte und müsste dazu noch so Vieles gesagt werden – aber lassen Sie mich bereits jetzt zum enttäuschenden Fazit kommen:
Die Gestattung ist unausgereift, unüberlegt und gefährlich. Eine Ruhigstellung mit der Aussicht auf die schnelle zukünftige Aussage, dass man es ja versucht habe. Es ist nur zu wünschen, dass die Gastronomie und alle Besucher*innen derselben dem nicht folgen werden, die Augenwischerei durchschauen und die verbliebenen Reserven nicht derart sinnfrei verplempern.

Und um den anfänglichen Gedanken zu beantworten: Dass der Verbandspräsident der rheinland- pfälzischen DEHOGA, Herr Haumann, diese Gestattung gut findet, IST das schlimmere Zitat. Der Tor, der einem Tor blind folgt, war schon immer der größere Narr.

Johannes Schermack
(betroffener Gastronom aus Trier)

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15 KOMMENTARE

  1. Hierzu ist nichts weiteres zu sagen.
    Ich bin gerne das ganze Jahr einkehrt, bei schönem Wetter auch in die Aussengastronomie.
    Aber nicht so, alles Augenwischerei, geprägt von der Meinung, die Bevölkerung bzw. Gäste sind nur Stimmvieh.
    Schade das die Wahlen vorbei sind, oder war es genau so gewollt ??!!

  2. Unter diesen Umständen, man kann schon von Repressalien sprechen, sitze ich lieber mit ein paar Freunden am Moselufer oder im Gartenhaus. Günstiger und ohne Stress. Schnelltest nein danke.

  3. Was ein absurder Kommentar, nicht nur wegen dem Genderirrsinn, den Sie befolgen. Eine geöffnete Gastronomie beschleunigt keinerlei Infektionen. Bis heute gab es keinerlei Cluster in der Gastronomie. Wer nach einem Jahr immer noch glaubt, dass es bei den Maßnahmen um Gesundheit geht, der hat die Lage nicht verstanden und von Weltwirtschaftspolitik keinerlei Ahnung. Dass ausgerechnet die am stärksten verschuldeten Staaten wie Italien oder Spanien die meisten “Todeszahlen” meldeten kommt nicht von Ungefähr. Das Virus ist überall das selbe und die Lebensweise in den Südstaaten unterscheidet sich nur wenig von dem in Mitteleuropa. Also wieso sollte jetzt dort die Menschen wie Fliegen gestorben sein, obwohl sie es mit dem gleichen Virus wie in Schweden zu tun haben, wo die Sterblichkeit deutlich niedriger ist, obwohl es dort keinen einzigen Lockdown gab ?
    Wenn Sie selbst als Gastronom dieses perfide Spiel der Politik unterstützen, statt ihren Hintern auf die Straßen zu bewegen und zu demonstrieren, dann tut es mir leid, aber dann habe ich kein Mitleid mit Ihnen wenn ihr Betrieb den Bach runter geht. Offenbar gehören Sie zu den Menschen, die erst aufwachen wenn sie ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen können.

      • Hallo Herr Deichbuddler, vielen Dank. Ich habe in Kassel so viele tolle Menschen gesehen, gesunde Menschen, kräftige Menschen. Und obwohl man den Leuten einredet, es schwirre eine ganz gefährliche Krankheit über uns, trauen sich immer mehr Menschen auf die Straße. Glauben Sie wirklich, es würden sich immer mehr Menschen zu solchen Demos trauen, wenn man damit seine Gesundheit gefährden würde ? Vielleicht trauen Sie sich ja auch mal, zumindest den eigenen Verstand zu benutzen. Denn zu Tode gefürchtet ist am Ende auch gestorben.

      • Hallo Herr Querdenker, ich kann vollkommen nachvollziehen, dass auf der Demo nur gesunde, kräftige Teilnehmer zu sehen waren. Denn wer mit massiven Atembeschwerden und Fieber zu kämpfen hat wird sicher nicht an solch einem Event teilnehmen und lieber mit dem Hintern zu Hause bleiben. Wie gefährlich eine Infektion nun wirklich ist, kann ich schlecht beurteilen denn die einen sagen so und die Anderen so. Und dass jetzt so viele auf den Straßen rumtrollen und provozieren ist meines Erachtens weniger ein Zeichen des gesunden Menschenverstandes sondern eher so etwas wie kleinkindlicher Trotz oder egoistische Selbstdarstellung (z.B. Jana aus Kassel) ohne Blick auf die Konsequenzen, die sich daraus ergeben KÖNNTEN. Immerhin gab es auch schon belegte Todesfälle von Teilnehmern nach einer solchen Veranstaltung und die Anzahl der Infizierten nach so einer Demo wird wohl für immer im Dunkeln bleiben denn ich glaube nicht dass ein Betroffener beim Arzt zugibt, dass er es selber herbeigeführt hat. Das ich nicht auf der Straße den Dicken Hugo mache hat auch nichts mit Furcht zu tun. Es ist mir einfach zu doof, Storys über Hochkulturen im Erdinneren, umsturzplanende Eliten oder reptiloide Bundeskanzlerinnen anzuhören. Und die Regierungsform, die vor 90 Jahren aktuell war, finde ich, ehrlich gesagt, auch nicht so ganz spannend.

  4. Was mit uns hier in der Gastronomie gemacht wird ist Unmenschlich.
    Bin Koch und bin seit letzten Lockdown in Kurzarbeit mit 60% und habe ein viel zu geringen Nettolohn und komm mal gerade auf 800€.
    Damit muss ich Miete, Strom, Lebensmittel etc. Klar kommen. Dann bekommt noch Geld gepfändet von gewissen Behörden. Interessiert aber keinen.
    Die Anträge für Kurzarbeit Aufstockung sind viel zu kompliziert und aufwändig.
    Da muss man in der Gastronomie eh schon einiges mitmachen, hab mal ein zwei Betriebe gearbeitet wo der Lohn top war. Aber meistens arbeitet man immer unter Wert und es ist eine schlecht bezahlte Branche seit Jahren.
    Und dafür macht man Ausbildung und mit Gesellenbrief ist man Fachkraft und sollte meinen das man durch Bildung und Fachwissen in seinem Beruf ein halbwegs würdiges Leben haben sollte…
    Falsch gedacht.
    Danke Deutsche Regierung das ich in der Armut angekommen bin.

  5. “Die Gestattung ist eine Augenwischerei sondergleichen. Eine Erlaubnis, die gastronomischen Betriebe wieder hochzufahren – im Wissen, dass die Inzidenzwerte rasant steigen (was dadurch beschleunigt wird) und die damit einhergehende Notbremse in Bälde greifen werden wird.”

    Diesem Kommentar kann ich leider nicht folgen. Der Rest ist teilweise ganz sinnvoll und stimmt auch. Hoffnung zu machen mit dem Bewusstsein das die Hoffnung nie erfüllt werden kann ist absolut falsch und wird die Witt der Bürger nur verstärken.

    Doch das durch Öffnung der Außengastronomie die Inzidenzwerte steigen ist an dem Fingern gesogen und absoluter Populismus.

    1. Menschen die feiern und sich treffen wollen, machen das so oder so. Im privaten nur ohne nachverfolgung, ohne Abstand, meist drinnen, ohne Maske
    2. Die Ansteckungsgefahr draußen ist extrem klein. Kann man zumindest überall Nachlesen
    3. Der Lookdown light im November war er ein Beweis daß ihre Aussage einfach nur falsch ist. Die Inzidenzwerte sind nach Schließung der Gastronomie weiter gestiegen.

    Es könnte sogar sein das mit Öffnung der Außengastronomie die Fallzahlen sinken. Ich schreibe es könnte sein. Nicht wie sie in diesem Artikel. Wo es so klingt als wäre es bewiesen dass zwischen Öffnung der Außengastronomie und steigenden Inzidenzwerten ein gesicherter Zusammenhang besteht.

    • Die Gastro hat Konzepte, das stimmt. Aber nicht alle. Und es geht ja nicht darum, dass die Leute am Tisch sicher sind oder nicht. Es geht erstens darum, dass eine geöffnete Gastro mehr Menschen dazu bringt, in der Stadt zusammen zu kommen. Und bis diese am Tisch sitzen, laufen sie nicht im Schutzanzug rum. Zweitens gibt es sehr viele Gastronomien, die eben nicht darauf achten, die z.B. nicht die Abstände einhalten. Konnte man zu genüge letzten Sommer und Herbst sehen. In 4 von 10 Läden musste man sogar nachfragen, ob nicht ein Kontaktzettel ausgefüllt werden sollte! In 6 von 10 Läden saß man Rücken am Rücken mit dem nächsten Tisch. Und das Ordnungsamt ist einfach überfordert mit der Situation. Tests ersetzen keine Impfung. Und ohne die wird es so weitergehen.

  6. Solange die Gastronomen die Füße still halten, wird sich da auch nichts ändern. Schon traurig genug das ein Herr Schermack für alle Gastronomen/Hoteliers Partei ergreifen muss, da es ja bekanntlich grössere Gastronomen in Trier gibt die bisher nicht ihren Mund aufbekommen haben und zum Teil die jetzige Regierung auch in ihren Entscheidungen unterstützen! Damit möchte ich in keinster Weise Herrn Schermack klein reden. Im Gegenteil er zeigt damit Größe. Nehmt euch alle ein Beispiel!

  7. Was will die Politik erreichen? Komplette Zerstörung der lokalen Gastronomie und am Schluss bleiben nur noch schreckliche Ketten übrig? Schnelltests an der frischen Luft sind absurd und wird keine Gäste anlocken! Sehr schade!

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