Einsame Weihnacht: Telefonseelsorger erwarten viele Anrufe

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Patrick Pleul

Lockdown und ungewöhnliche Weihnachten: Die Telefonseelsorgen in Rheinland-Pfalz bereiten sich auf viele Anrufe in der Weihnachtszeit vor. «Die Frage, was an Weihnachten möglich sein wird oder eben nicht, treibt viele um», teilte Peter Annweiler, Leiter der Telefonseelsorge Pfalz, mit. «Die Angst vor einer Infektion ist gerade bei den Älteren groß, nicht weniger groß ist die Angst, Weihnachten allein verbringen zu müssen.» Rund 25 Prozent der Gespräche in der zweiten Dezemberwoche hätten sich um das Thema Einsamkeit gedreht.

Auch bei der Telefonseelsorge Mainz-Wiesbaden beschäftigt die Menschen das ungewöhnliche Weihnachtsfest. «Erfahrungsgemäß verzeichnen wir die meisten Anrufe am zweiten Weihnachtsfeiertag», Christopher Linden vom Leitungsteam. An Heiligabend seien die meisten Menschen untergebracht und hätten Pläne gemacht. Die Einsamkeit zeige sich dann meist in den Tagen danach. Die Telefonseelsorge Mainz-Wiesbaden ist laut Linden aber gut aufgestellt: «Der Dienstplan ist gut befüllt, die Leitungen sind gut besetzt.»

Dieses Jahr komme zudem die Corona-Pandemie hinzu. «Wir haben durch Corona seit März etwa 10 bis 20 Prozent mehr Anrufe als im Vorjahr», sagte Linden. «Mit dem erneuten Lockdown nähert sich das jetzt eher wieder den 20 Prozent.» Zwar gehe es den meisten Menschen nicht direkt um das Thema Corona. «Aber die Corona-Situation legt sich wie ein Schleier über alles.» Wer alleine lebe, sei während der Pandemie noch öfter alleine. Wer unter Panikattacken leide, habe durch die Krise einen weiteren Auslöser. «Je länger der Lockdown dauert, desto mehr wird auch Corona wieder ein Thema.»

Diesen Trend bestätigt auch Annweiler. In der zweiten Dezemberwoche hätten sich rund 19 Prozent der Anrufe um das Thema Corona gedreht – in der Vorwoche seien es noch 15 Prozent gewesen. Das sei auch eine Herausforderung für die ehrenamtlichen Berater am Telefon. «Wir sitzen in der Pandemie alle im selben Boot», sagte Annweiler. «Dadurch entsteht im Gespräch auch eine Nähe, aber es ist auch schwerer, seelsorgerisch zu beraten, wenn man selbst die gleichen Ängste hat.» Auf Weihnachten sei man aber gut vorbereitet, sagte Annweiler. Die Leitungen seien wie jeden Tag durchgängig besetzt.

Bei der Telefonseelsorge Pfalz arbeiten rund 85 ehrenamtliche Mitarbeiter, in Mainz-Wiesbaden sind es rund 80. Die Hotline ist an sieben Tagen die Woche 24 Stunden besetzt. Deutschlandweit arbeiten bei der Telefonseelsorge rund 300 festangestellte Mitarbeiter und rund 7500 Ehrenamtliche.

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