Angst groß, Reiselust gering – Reisebusbranche nach Neustart weiter frustriert

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Frank Rumpenhorst // dpa

Nach einem langen Stopp in Seuchenzeiten dürfen Reisebusse wieder fahren. Doch die Angst vor Ansteckung ist groß und die Reiselust gering. Da hilft es Busfirmen wenig, jeden zweiten Platz frei lassen. Wirtschaftlich ist das ohnehin nicht.

Mehrere Wochen nach ihrem Neustart zeigt sich die von Corona gebeutelte Reisebusbranche in Rheinland-Pfalz weiterhin frustriert. «Viele haben kein Interesse, sich mit Masken in den Bus zu setzen und Strecken zurückzulegen», sagte Uwe Bischoff, Vorstandsmitglied im Verband des Verkehrsgewerbes (VDV) Rheinland, der Deutschen Presse-Agentur. Selbst beim Hinweis auf eine Auslastung von nur 60 oder gar 40 Prozent eines Busses mit entsprechend großen Abständen sei das Echo «sehr verhalten».

Bischoff, Busunternehmer in Fiersbach im Westerwald, ergänzte: «Es kommen auch keine Anfragen von Vereinen oder der Industrie.» Weniger Kongresse, mehr Videokonferenzen: Busausflüge bei Tagungen zum Beispiel fielen weg.

In Rheinland-Pfalz dürfen Reisebusse mit Ausflüglern und Touristen in Zeiten des hochansteckenden Coronavirus erst seit Juni wieder fahren. Viele der rund 160 Reisebusunternehmen im Land haben Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt. Vereinzelt ist es laut dem Verband Mobilität & Logistik Rheinland-Pfalz bereits zu Insolvenzen gekommen. «Der Zusammenhalt unter den Mitgliedsunternehmen in der Reisebusbranche ist groß», betonte Bischoff. Das habe sich auch bei Demos unter anderem in Mainz und Berlin gezeigt.

Selbst die nähere Zukunft sei «nicht kalkulierbar», sagte Bischoff. «Lohnt es sich noch, Fahrten in andere Länder anzubieten, und dann gibt es dort einen neuen Corona-Ausbruch? Lohnt es sich noch, Winterkataloge zu machen?» Auch Trips zu diesjährigen Weihnachtsmärkten stünden noch in den Sternen. Grundsätzlich fänden jetzt Tagesfahrten noch eher Anklang als mehrtägige Busreisen, erklärte das Vorstandsmitglied im VDV Rheinland. Sein Unternehmen fahre nun auch mit nur 20 oder 18 Gästen in größeren Bussen in andere Länder. «Wir wollen damit ein Zeichen setzen. Wirtschaftlich ist das nicht», sagte Bischoff.

Am 24. Juli starte ein Hilfsprogramm für Reisebusunternehmen in Deutschland. «Die Einzelheiten der Förderbedingungen und zur Antragsstellung sind zur Zeit noch unklar», erklärte der Unternehmer. Sein Verband sei froh über bundesweit insgesamt 170 Millionen Euro. «Die können aber nur ein Tropfen auf dem heißen Stein sein.» Etliche Busfirmen überlebten lediglich, weil sie auch andere Standbeine wie Linien- und Schülerverkehr hätten. Reine Reisebusunternehmen hätten es nach dem «monatelangen Berufsverbot» extrem schwer.

Fatal ist laut Bischoff, dass sich Reisebusse auch kaum mehr verkaufen ließen. «Wir haben einen Bus mit dem Baujahr 2016, der am 31. Januar 2020 noch mit einem Wert von 195 000 Euro ausgewiesen war. Jetzt will ein Unternehmen uns nur 90 000 Euro dafür zahlen.» Bischoffs Firma in Fiersbach hat nach eigenen Angaben 106 Fahrzeuge vom Taxi bis zum großen Bus und beschäftigt rund 130 Mitarbeiter.

(dpa)

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1 KOMMENTAR

  1. Wenn da keine weitere Lockerung oder Aufhebung gewisser Maßnahmen sind, hat doch keiner mehr Lust, irgendwo zu buchen.Das wird bestimmt noch einige Zeit ins Land gehen, bis gewisse Herrschaften ihre Sachen geregelt haben.

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