Ackerböden: Mehr künstliche Bewässerung nötig

0
Eine Bewässerungsanlage auf einem Feld. Foto: Stefan Rampfel/Archivbild

Tomaten, Radieschen oder Zuckerrüben dürsten auf ausgetrockneten Böden nach Wasser. Die Gemüsebauern in der Pfalz müssen mehr künstlich bewässern als sonst. «Eine Situation wie in diesem und im vergangenen Jahr hatten wir zuletzt 1976», sagt der Vizepräsident des Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz Süd, Johannes Zehfuß.

Der Beregnungsverband Vorderpfalz stellte seinen Mitgliedern im ersten Halbjahr 10,8 Millionen Kubikmeter Wasser zur Beregnung der Felder bereit, wie das Umweltministerium auf eine Landtagsanfrage der Grünen-Fraktion antwortete. Das waren 17,4 Prozent mehr als im Mittel der vergangenen Jahre. «Die geringen Niederschlagsmengen in der ersten Jahreshälfte haben trockene Böden zur Folge», heißt es in der Antwort des Ministeriums. «Insbesondere im Gemüsebau mussten leichte, sandige Böden zur Vermeidung von Totalverlusten aufgrund ihrer geringen pflanzenverfügbaren Wasserkapazität in sehr kurzen Zeitabständen bewässert werden.»

«Wir müssen häufiger und intensiver beregnen», sagt Landwirt Zehfuß, der für die CDU auch im Landtag sitzt. «Weil wir trocken aus dem Winter gekommen sind, haben wir keine Reserven im Unterboden. Der ist richtig trocken, da staubt es.» Die Wurzeln der Radieschen reichten aber nur etwa zehn Zentimeter tief, auch Feldsalat sei flachwurzelnd und extrem wasserabhängig.

Das Wasser für die künstliche Beregnung wird an einem Altrheinarm bei Otterstadt entnommen, nördlich von Speyer. Auch die maximal erlaubte Menge für die Entnahme von Wasser wirke sich nicht auf den Rhein aus, erklärte das Ministerium.

Bis zur Kanalisierung für die Abwässer Ende der 60er Jahre habe es in Böhl nie eine «schlappende Rübe» gegeben, sagt Zehfuß, also eine unter Trockenheit leidende Zuckerrübe. Seitdem werde Regen viel schneller in den Rhein abgeleitet und bleibe nicht lange genug im Boden. Mit der Bewässerung aus dem Altrhein werde diese Wirkung wieder ausgeglichen. Im Zucchini- oder Kürbis-Anbau werde in der Pfalz zu 90 Prozent die wassersparende Tröpfchenbewässerung eingesetzt, die mit ihrem höheren Installationsaufwand aber nur für länger stehende Kulturen geeignet sei.

«Die Landwirtschaft steht vor der großen Aufgabe, ihre Anbauweise und ihre Sorten stärker nach den veränderten Klimabedingungen auszurichten», sagte der umweltpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, Andreas Hartenfels, zur Antwort des Ministeriums. «Technisch helfen zwar intelligente Beregnungssysteme, den Wasserbedarf der Pflanzen zu decken.» Die für die Bewässerung verfügbare Wassermenge werde aber in Zukunft abnehmen. «Wir brauchen daher auch ein Umdenken in der Anbauweise, hin zu einer boden- und wasserschonenden Landwirtschaft.»

In Rheinhessen ist laut Ministerium besonders der Obstanbau von der Trockenheit betroffen, zumal dort nur etwa 50 Hektar künstlich bewässert werden könnten, mit Wasser aus dem öffentlichen Netz. «Auf sandigen Böden und bei fehlender Bewässerung musste die Kirschernte teilweise abgebrochen werden.»

Künstliche Bewässerung sei unabdingbar, um die Qualitätsansprüche einzuhalten, sagt Zehfuß. «Die Kunden und der Lebensmitteleinzelhandel geben den Takt vor.» Den erhöhten Aufwand für die künstliche Bewässerung könnten die Landwirte aber kaum über den Preis refinanzieren. «Von Angebot und Nachfrage haben wir uns im Gemüsebereich schon lange entfernt», sagt der Landwirt. «Wir bekommen ein Preisdiktat vom Lebensmitteleinzelhandel, das schnürt uns die Kehle zu.»

In seinem Betrieb habe er den Gemüsebau bereits drastisch eingeschränkt», sagt Zehfuß. «Knollen-Sellerie haben wir dieses Jahr komplett gestrichen.» (dpa)

Vorheriger ArtikelDeutlich weniger Passagiere und Fracht am Flughafen Hahn
Nächster ArtikelSuche nach Azubis: Viele Stellen bleiben wohl frei

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

Die Redaktion behält sich vor, Lesermeinungen zu kürzen. Es besteht kein Anspruch auf die Veröffentlichung Ihrer zugesandten Meinungen. Klarname ist nicht erforderlich. Eine E-Mail-Adresse muss angegeben werden, wird aber nicht veröffentlicht.